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NACHGEFRAGT: Sagen Sie mal Herr Schütte...

...was ist das für ein Gefühl, neben Martin Scorsese über den roten Teppich zu laufen?

Mit seinen Filmen »Auf Wiedersehen Amerika« und »Abschied« war der Berliner Regisseur Jan Schütte (»Fette Welt«) bereits zweimal auf dem Filmfestspielen in Cannes vertreten. Dieses Jahr sitzt der 44-Jährige u.a. neben Tilda Swinton und Präsident Martin Scorsese in der »Cinéfondation«-Jury, die den Preis für den besten Hochschul- und Kurzfilm vergibt.

Macht es Sie nervös, neben Regielegende Martin Scorsese zu arbeiten?

Nein. Aufgeregt war ich, als ich meine eigenen Filme hier präsentiert habe – so aufgeregt, dass ich gar nichts vom Festival mitbekam. Deshalb konnte ich mich dieses Jahr zum ersten Mal richtig auf Cannes freuen. Hier wird von allem etwas geboten, und immer auf höchstem Niveau: Glamour, große wie kleine Filme, sogar Pornos. Und ich treffe hier tolle Leute wie den iranischen Filmemacher Abbas Kiarostami oder Martin Scorsese und lerne sie auf eine ganz neue Art kennen, durch die gemeinsame Arbeit. Dazu kommt man sonst ja nie. Die Arbeit eines Regisseurs ist ja meistens sehr einsam.

Bleibt Ihnen neben Ihrem Jury-Job auch mal Zeit, an den Strand zu gehen?

Nein, wir sind ziemlich abgekapselt, schauen uns die Filme an und essen zusammen. Und wenn wir unsere Entscheidung am Ende treffen, ziehen wir uns völlig zurück – sogar die Handys müssen wir abgeben, damit keiner vorher den Gewinner verrät.

Was ist das für ein Gefühl, durch das Blitzlichtgewitter über den roten Teppich zu laufen?

Ein schönes, aber es sieht spektakulärer aus als es ist. Die meisten Fotografen machen doch nur Souvenir-Bilder, die man sich nacher im Geschäft abholen kann. Und die vielen Schaulustigen sind enttäuscht, wenn nur ich aus der Limousine steige und nicht Sharon Stone. Auch dieses Jahr gibt es keinen deutschen Beitrag im Wettbewerb...

Filme sind eben Geschmackssache.

Wim Wenders präsentiert einen Kurzfilm und Thomas Kretschmann spielt in Polanskis »Der Pianist«, ansonsten sind Sie der einzige offizielle Vertreter Deutschlands. Wie geht es Ihnen dabei?

Vielleicht bin ich ja jetzt so eine Art Ersatzmann. Witzig dabei ist nur, das ich als fünftes Mitglied der Kurzfilmjury von den Deutschen behandelt werde, als sei ich der Präsident hier.

BIANCA LANG

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