Nobel-Geländewagen Stars im Visier


Verstopfte Straßen, verpestete Luft: Claudia Schiffer, Kate Moss und die Beckhams sorgen mit ihren Geländewagen in London für Ärger. Umweltschützer machen jetzt gegen die "Stadtmonster" der Stars mobil.

Im schicken Londoner Stadtteil Chelsea sind sie ständig und überall zu sehen - obwohl es dort weder Steilhänge noch Geröllpisten oder schlammige Pfade gibt. Sie sind der Schrecken vieler Fahrradfahrer und Fußgänger auf den eher engen Straßen der ohnehin chronisch verstopften britischen Metropole, versperren anderen Autofahrern an jeder Ampel oder Kreuzung die Sicht und sorgen dafür, dass die ohnehin schlechte Luft noch schlechter wird. Wegen ihres dortigen Vorkommens in besonders hoher Stückzahl werden sie im Volksmund bereits "Chelsea-Trecker" genannt. Aber gegen die auch bei Stars zunehmend beliebten voluminösen Nobel-Geländewagen formiert sich Widerstand.

"Posh und Becks sind das ultimative Ziel"

"Die meisten dieser Autos sind weniger im Gelände unterwegs als Ihr Kinderwagen", sagt Sian Berry, Sprecherin der lockeren Allianz von Umweltschützern, die den mächtigen Benzinschluckern mit findigen Aktionen auf den Leib rückt und immer wieder auch die Promis in der Öffentlichkeit brandmarkt, die mit Allradfahrzeugen durch London kreuzen. Zu diesen gehören etwa die Models Claudia Schiffer und Kate Moss. Fußballstar David Beckham und seine Frau Victoria stehen ganz oben auf der Liste, fahren sie doch neben vielen teuren Edelautos auch einen "Hummer", ein riesiges Ungetüm, das auf der Basis eines amerikanischen Militärfahrzeugs gebaut wird. "Posh und Becks sind das ultimative Ziel", sagt Suzy Edwards von der Allianz gegen Geländewagen in der Stadt.

Mitglieder der Organisation verteilten kürzlich Tausende von "Knöllchen" an die Besitzer solcher Autos. Diese fanden die den echten Strafzetteln nachempfundenen «Tickets» unter ihren Scheibenwischern. Als Vergehen stand darauf "schlechte Autowahl" oder "Sorgt für Verstopfung und Asthma". Als Hilfspolizisten verkleidet versperrten sie auch schon Geländewagen vor Schulen den Weg. Denn viele vermögende Eltern bringen ihren Nachwuchs in den nach ihrer Meinung besonders sicheren Autos täglich zum Unterricht.

Einen prominenten Mitstreiter haben die Kritiker der "Stadtmonster"(Times) im Londoner Bürgermeister Ken Livingstone, der schon vor Jahren eine "Verstopfungsgebühr" für alle Autofahrer einführte, die im Stadtzentrum unterwegs sind. Er bezeichnet die Fahrer von Geländewagen in seiner Stadt als "komplette Idioten" und verlangte in einem Brief an die Regierung, diese Art von Fahrzeugen höher zu besteuern.

Die Freiheit der Auswahl

Matthew Taylor von der Land Rover-Unternehmensführung unterstreicht wie viele Liebhaber und Besitzer der Chelsea-Trecker hingegen die Wahlfreiheit der Bürger: "Letzten Endes sollten die Leute das Auto wählen können, das ihren Bedürfnissen entspricht", sagte er zu dem umstrittenen Thema. Und dieses Bedürfnis haben offensichtlich immer mehr Briten. Denn der Verkauf der großräumigen Fahrzeuge stieg dort im vergangenen Jahr um knapp 13 Prozent.

"Die Freiheit der Auswahl ist prima für diejenigen, die das Geld dafür haben, aber angesichts steigender Asthma-Raten bei Kindern in London ist es an der Zeit, hier einzugreifen", schrieb dazu der Londoner Andy Gilbert in einer Hörer-Email an die BBC. In dem Hörerforum äußerte auch Ben King aus Oulu in Finnland Verständnislosigkeit: "Im rauen Klima Nordfinnlands sieht man kaum mal einen Geländewagen auf dem Lande, von den Städten gar nicht zu sprechen. Oh, und die Kinder gehen meist zu Fuß, kommen per Ski oder Rad zur Schule, egal ob 30 Grad plus oder minus."

Jörg Berendsmeier/DPA DPA

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