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Öko-Engagement: Grüner Glamour

Die Zeiten von Jutehemden und Jesussandalen sind vorbei, ökologisches Denken und Handeln ist sexy wie nie. Daran sind in erster Linie prominente Vorreiter wie Leonardi DiCaprio und Cameron Diaz schuld.

Von Bettina Greve

Leonardo DiCaprio hat jede Menge Sendungsbewusstsein, wenigstens wenn es um Umweltfragen geht. Schon lange sei Grün seine absolute Lieblingsfarbe, hat er seinen Fans verraten, die Farbe des Geldes und der Natur. Beides spielt in seinem Leben offenbar eine exponierte Rolle, denn mit vielen grünen Dollar-Scheinchen im Rücken lässt sich nicht nur grünes Gedankengut in die Welt pusten, sondern auch "GreenTech" finanzieren.

Schon ein Jahr nach dem Blockbuster "Titanic" (1997) hat der junge Schauspieler die Leonardo DiCaprio Foundation gegründet und ist seitdem unermüdlich als Freelance-Ökologe unterwegs. Sein Honorar für die Darstellung des armen Schiffstewards auf dem Ozeanriesen belief sich Angaben des Internetdienstes "IMDB" zufolge schon auf 2,5 Millionen Dollar. Inzwischen sollen sich seine Gagen verachtfacht haben, und einen erklecklichen Teil seiner Einkünfte steckt der Leinwand-Großverdiener in seine Stiftung.

Virtueller Marsch gegen die Erwärmung

Natur- und Klimaschutz sind teuer. Die Folgen der Erderwärmung würden allerdings noch viel mehr kosten, rechnete der britische Wirtschaftsexperte Sir Nicholas Stern der Öffentlichkeit gerade vor. Die Rede ist von mindestens fünf, vielleicht aber gar 20 Prozent des weltweit erwirtschafteten Bruttoinlandprodukts - jedes Jahr.

Für Leonardo DiCaprio dürfte Sterns Prognose nichts Neues sein. Deshalb nutzt er seine Prominenz, um auch und gerade seinen Landsleuten ein bisschen mehr Umweltbewusstsein abzuringen. Von seiner Website verweist er zu etlichen Mitstreitern, die im Namen der Natur mobil machen. Er bittet um rege Beteiligung an einem virtuellen Marsch, um die globale Erwärmung zu stoppen. Seit Oktober 2005 haben sich gut eine halbe Million Internet-Marschierer eingetragen.

Schließlich hat der 32-Jährige aber auch jede Menge Tipps parat, wie der Einzelne die Umwelt schützen kann: Müll reduzieren, recyceln, reparieren statt neu kaufen und Energie sparen ("Licht aus! Fernseher aus! Computer aus!"), so lautet die Devise des Fortschritts.

VIPs gehen mit gutem Beispiel voran

Angesichts der Größe des Problems hören sich solche Empfehlungen fast ein wenig naiv an. Nötig scheinen sie dennoch zu sein, denn die Verbraucher - wenn's denn genügend sind - können mit solchen "Kleinigkeiten" durchaus Druck auf die Politik ausüben. Das meint wenigstens Laurie David, Filmproduzentin und erster Umweltengel der amerikanischen Glamour-Gesellschaft. Viele Stars scheinen inzwischen ihre Ansicht zu teilen, unter den Promis grassiert ein regelrechter Öko-Trend, der jede Woche neue Sympathisanten findet. Der Treibhauseffekt weitet sich aus. Jetzt geht Klima-Panik um. Weggucken nützt nichts mehr. Es tut sich was im großen Land der Benzinschlucker und Energiefresser.

Vielleicht war auch "Katrina" ein Erweckungserlebnis. Spätestens nachdem der Hurrikan mit dem harmlos klingenden Frauennamen Ende August 2005 mit ungestümer Kraft über New Orleans fegte und dabei fast 2000 Tote und Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe hinterließ, schwenken immer mehr Amerikaner in die Gemeinde der Öko-Aktivisten ein.

Anders als in Europa, wo das Umweltbewusstsein über Jahrzehnte gewachsen ist, hatte die Mehrheit in den Vereinigten Staaten einen Zusammenhang zwischen Naturkatastrophen und Klimawandel verleugnet. Immer noch glauben viele, dass sie weitermachen können wie bisher. Nur langsam findet ein Umdenken statt. So konnte das Magazin "Newsweek" diesen Sommer eine Gallup-Umfrage zitieren, nach der zwischen 2004 und 2006 die Zahl der US-Bürger, die sich "sehr" oder "ziemlich" um die Natur sorgen, von 62 auf 77 Prozent gestiegen ist.

"Neue amerikanische Revolution"

Während Repräsentanten aus annährend 200 Ländern auf der Weltklimakonferenz in Kenia über die Nachfolge des Kyoto-Protokolls diskutieren, befeuert die High Society in Los Angeles und New York den US-Eco-Trend weiter. Das Hochglanz-Magazin "Vanity Fair" hatte in seiner grünen, aber nicht auf Umweltpapier gedruckten Mai-Ausgabe sogar schon eine "neue amerikanische Revolution" ausgemacht.

Wer es sich leisten kann, holt sich "sauberen Strom" aus der Steckdose, heizt seine Villa mit Sonnenkraft, kauft im Bio-Supermarkt, wickelt den Nachwuchs in Öko-Windeln und setzt im Straßenverkehr auf neue Bescheidenheit: Stretchlimousinen und schnittige Sportwagen waren gestern. Wenn schon nicht mit dem Fahrrad, wird heute möglichst im Hybrid-Auto vorgefahren. So hat George Clooney, bekennender Erdöl-Gegner, seinen protzigen BMW gegen ein kleines Electro-Mobil namens Tango eingetauscht. Nachmachen erwünscht. Solche Gefährte helfen, den Kohlendioxid-Ausstoß im Straßenverkehr beträchtlich zu verringern und gehören in Beverly Hills fast schon zum guten Ton. Laut "Newsweek" wurden vergangenes Jahr 200.000 dieser Wagen in den USA abgesetzt wurden.

Wettstreit der guten Taten

Auch die Schauspielkollegen Edward Norton, Robin Williams und Danny DeVito gehören zu jenen, die nicht nur reden, sondern auch handeln. Sie sponsern gemeinsam mit der Enterprise Foundation und dem Mineralölkonzern BP (British Petrol) Solaranlagen für Familien, die sich regenerative Energiequellen ansonsten bestimmt nicht leisten könnten.

In der Gewissheit, dass die unwetterhaften Auswirkungen des Klimawandels keineswegs an Staatsgrenzen halt machen, setzt auch Brad Pitt Zeichen. Zusammen mit der Organisation Global Green hat der Troja-Star einen Architektur-Wettbewerb zum umweltfreundlichen Wiederaufbau von New Orleans ausgeschrieben.

Das alte Schmuddel-Image hat sich überlebt

Ob eher banal oder bedeutungsvoll: Die Beispiele machen nur allzu deutlich, dass die Zeiten vorbei sind, als der "Englishman in New York"-Sänger Sting noch recht einsam um den Erhalt des Regenwalds kämpfte. Vergangen sind die Tage, als selbsternannte Umwelt-Jünger noch langhaarige Spaßbremsen in Latzhosen waren; als Öko nach Kuhstall roch, nach fadem Müsli schmeckte und unappetitlichen Schrumpel-Äpfeln aussah.

Die grüne Bewegung ist sexy geworden, und wer etwas auf sich hält, gehört bereits zur Gruppe der "Lohas". Das Acronym steht für "Lifestyle of health and sustainability", also für eine Lebensweise, die sich mit Gesundheit und ökologisch-sozialer Nachhaltigkeit verträgt.

Die Gefahr ist dennoch nicht gebannt. Das weiß auch Leonardo DiCaprio. "Es wäre mir lieber, die Leute würden sich ansehen, in welchen Gefahren unsere Erde schwebt, anstatt Klatschgeschichten über mich zu lesen", sagt er jetzt im Interview mit dem "Playboy". Plaudereien aus seinem Privatleben gibt es deshalb auch auf seiner Homepage nicht. Selbst den Trailer zu seinem neuen Film, "Departed: Unter Feinden" (deutscher Kinostart: 7. Dezember), müssen die Fans dort eher suchen. Dafür erklärt DiCaprio in zwei von ihm selbst gesprochenen Video-Clips, dass es um den blauen Planeten gar nicht gut bestellt ist, wenn nicht schnell Entscheidendes passiert.

Der durch und durch grüne"Aviator"-Held ist angetreten, das ansteigende Fieber der Welt zu stoppen, bevor die Lichter für immer ausgehen könnten, wie viele Wissenschaftler glauben, und er meint sein Engagement offensichtlich sehr, sehr ernst.