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Oprah Winfrey Show: PR-Feldzug für Tom Cruise

Zum zweiten Mal innerhalb nur einer Woche trat Tom Cruise bei US-Talkqueen Oprah Winfrey auf. Winfrey ist dafür bekannt, dass sie die Nähe zu den Stars sucht und die umgekehrt sehr freizügig bei ihr alles ausplaudern. Doch der Auftritt von Tom Cruise geriet zu einer Lobhudelei, die nicht mehr feierlich war.

Von Frank Siering, L.A.

Eine gute Geschichte sollte man so lange ausschlachten wie nur irgend möglich. Dieser Ansicht war wohl auch Amerikas Talkqueen Oprah Winfrey. Nach ihrem Besuch auf der Bergranch von Tom Cruise in Telluride im US-Bundesstaat Colorado, zeigte sie am Montag in ihrer Show nun das zweite Interview mit dem in letzter Zeit arg gebeutelten Superstar. War der Hausbesuch in Colorado noch der Versuch, den 45-Jährigen zumindest augenscheinlich kritisch zu hinterfragen, so offenbarte sich das Studiogespräch als reine PR-Veranstaltung, als eine Hommage an einen Missverstandenen. Winfrey stilisierte Cruise zum modernen Helden, der, ihrer Meinung nach zu Unrecht, noch nie mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.

25 Jahre ist es jetzt her, dass Mr. Cruise als 19-Jähriger in Unterhose und Sonnenbrille in "Risky Business" über den gebohnerten Holzfußboden schlitterte. "Ich kann nicht glauben, was ich in den letzten 25 Jahren alles erreicht habe", prahlte ein nicht gerade schüchterner Cruise, als Oprah die Videoclips längst vergangener Filmtage einspielte. Und weiter: "Ich bin manchmal selbst überrascht, wie weit ich es gebracht habe." Damit diese Leistung auch noch von "Experten" untermauert wird, hatte Oprah gleich ein paar Freunde von Cruise per Videoband eingeladen. Die Smiths zum Beispiel. Will und Jada Pinkett. Mit denen gehen die Cruises auch am Samstagabend gerne mal ins Cut-Steakhouse in L.A. oder zum Bowling. Ihre Kinder dürfen mittlerweile in den Filmen des anderen Stars auftreten.

Will Smith singt sein Lobeslied auf Tom Cruise in den höchsten Tönen

Wen wundert's, dass Will da schnell ein paar liebe Worte loswurde. "Ich habe bisher sehr wenige Menschen kennengelernt, die sich geschworen haben, den Planeten in einen besseren Ort zu verwandeln, bevor sie ihn wieder verlassen. Und dieser Typ ist einer, der das geschafft hat." Also doch, Tom Cruise ist ein Alien, das nur zu Mutter Erde zurückgekehrt ist, weil es etwas vergessen hat? Jada Pinkett Smith, meist nur schönes Anhängsel von Überehemann Will, wollte da nicht nachstehen und kommentierte fleißig hinterher: "Toms professionelle Arbeit verblasst in Hinblick auf das, was er als Mensch schon geschafft hat."

Zeit zum Durchatmen, Werbepause. Dann aber folgt Dustin Hoffman, der zumindest ein bisschen die Schnulzigkeit aus dieser vor PR-Schleim triefenden Veranstaltung herauszunehmen versucht. Er spricht von seiner Zusammenarbeit mit Cruise in dem Film "Rain Man". Von einem heißen Drehtag in einer Telefonzelle und von einem kleinen Pups. "Dustin hat mich danach nicht aus der Zelle gelassen. Ich wäre fast ohnmächtig geworden", erinnert sich Cruise.

Auch die mittlerweile obligatorische Liebeserklärung an seine dritte Ehefrau, Katie Holmes, durfte nicht fehlen. "Ja", sagt Cruise, er habe tatsächlich bei seiner Hochzeit den Song "You've lost that loving feeling" für Katie gesungen. Wie damals in "Top Gun", als er in weißer Fliegeruniform für Filmkollegin Kelly McGillis trällerte.

Cruise verspürt immer noch den "need for speed"

Top Gun. Das ist ohnehin einer seiner Lieblingsfilme, verrät Tom Cruise. Er verspüre noch heute den "need for speed". Motorräder, Flugzeuge, schnelle Autos. So ist er, der Tom. Das komplette Paket. Aber die Romantik darf auch nicht zu kurz kommen. Cruise bettet seine Frau gerne mal auf Rosen. Die Frage, ob er sie danach oder zuvor ins Scientology-Bootcamp schleifen lässt, bleibt unbeantwortet. Aber Tom ist nicht nur egoistisch. Nein, da muss Cuba Gooding Jr. einlenken. "Tom hat meine Karriere in ungeahnte Dimensionen katapultiert", sagt Gooding Jr. Der hat einen Oscar, aber seitdem nur noch Rollen, die seine Filme meist direkt vom Drehort in die Videothek befördern. In Hollywood gilt der einstige Jerry-Maguire-Sportstar heute als ein Gewesener.

Nur Oprah Winfrey ist noch geschäftstüchtiger als Tom Cruise

Und Tom träumt noch. Von einem Film mit Al Pacino oder Robert DeNiro. Durchaus möglich, denn für Mr. Cruise scheint keine Mission mehr impossible. Sowohl DeNiro wie auch Pacino machen dieser Tage fast alles für Geld. Da ist Superstar Tom Cruise dann doch noch etwas wählerischer. Er unterzeichnet nach 25 Jahren im Show-Geschäft nur noch Verträge, die ihm eine garantierte Gewinnbeteiligung am Verkauf der Kinorechte seiner Filme bringen. So pfiffig ist sonst nur noch eine im Entertainmentbereich: Oprah Winfrey. Kein Wunder, dass Tom Cruise sie auch deshalb zu einer "seiner liebsten Freundinnen" zählt. Eine Freundin, die natürlich keine bösen Absichten verfolgt oder gar nach der Wahrheit suchen will, wenn sie die TV-Kamera in das Haus mitbringt, in dem sie anschließend zum Kaffee mit Tom und Katie über ein gemeinsames Sommerfest in Santa Barbara plaudert.