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"Major Tom" wird 60: Peter Schilling: "Profi-Fußballer werde ich nicht mehr"

Vor Jahrzehnten zog Peter Schilling nach Mega-Erfolgen mit Songs wie "Major Tom" die Reißleine. Burnout. Heute will er wieder öfter auf der Bühne stehen - auch, wenn er jetzt schon 60 wird.

Der Sänger Peter Schilling wird 60

Sänger Peter Schilling gelang mit "Major Tom" ein Mega-Erfolg

Wenn der "Major Tom"-Sänger Peter Schilling an diesem Donnerstag (28. Januar) seinen 60. Geburtstag feiert, dann freut er sich vor allem über eins: "den Luxus einer Zukunft". Wie die aussehen soll, darüber hat er in München mit der Deutschen Presse-Agentur gesprochen.

Wenn Sie jetzt runden Geburtstag haben, woran denken Sie dann eher zurück - an Ihre Fehler oder Ihre Erfolge?

Weder noch. Es ist eine Gesamtheit, auf die man zurückblickt. Eigentlich bin ich froh um jeden Fehler - sonst wäre ich nicht so, wie ich bin, und ich bin froh, dass ich so bin, wie ich bin. Dass ich so, wie ich jetzt dastehe, 60 werden darf... Wenn mir das einer mit 18 gesagt hätte, dann hätte ich mich sehr gefreut.

Was hätten Sie mit 18 eher erwartet?

Heute ist 60 ja nicht mehr das, was es früher war. Als ich jung war, war die Nachkriegsgeneration 60, die vom Leben ja schwer gebeutelt war. Ich habe nie Hungersnöte gehabt, ich habe nie Kriegserlebnisse gehabt, die Plätze meiner Jugend stehen alle noch.
Insofern habe ich natürlich ein anderes Älterwerden-Gefühl. Früher habe ich gedacht, Leute sind mit 60 scheintot. Und jetzt bin ich selber 60 und darf feststellen, dass ich den Luxus einer Zukunft habe.

Wie soll denn diese Zukunft aussehen?

Die Schienen sind gelegt, Profi-Fußballer werde ich nicht mehr. Aber in Sachen Inhalte, Content, habe ich viel zu bieten. Ich habe viel Erfahrung, habe mein Leben sehr bewusst gelebt und mich ständig fortgebildet. Es gibt noch viel zu tun, was so vor mir noch keiner getan hat.

Was heißt denn das konkret?

Ich habe die Angewohnheit, erst dann über Dinge zu reden, wenn ich sie getan habe - und nicht, wenn ich sie plane. Es soll ja auch ein bisschen spannend bleiben. Aber es ist ein Weg, den noch kein anderer Künstler aus meinem Genre so gegangen ist.

Die Karriere, die Sie derzeit verfolgen, ist eine andere als die, mit der Sie einst gestartet sind. Wo sehen Sie die größten Unterschiede?

In der Vielfältigkeit. Damals war ich sehr monothematisch auf ein Ziel fixiert: Ich will einen Hit schreiben. Die Erfolge - ich habe sechs Millionen Tonträger weltweit verkauft - sind eingefahren, aber die Themenvielfalt ist heute eine andere. Ich habe Einiges verarbeitet, und das möchte ich jetzt auch vermitteln mit einem kleinen Kompass.

Peter Schilling: Habe ein ziemlich kluges Publikum

Wie hat sich Ihr Blick auf das Musikgeschäft durch diese anderen Themen und Ziele verändert? Fühlen Sie sich in dem Geschäft noch gut aufgehoben? Oder gibt es Reibungsverluste?

Reibungsverluste gab es immer. Ich habe von 1971 bis 1983 von Absagen gelebt und immer nur gehört: Das ist nix. Aber dann habe ich die Sache Ende der 70er selbst in die Hand genommen, und zwei, drei Jahre später hat das keiner mehr gesagt. Es liegt immer an einem selbst, was man daraus macht, und insofern ist das Geschäft eigentlich nicht schwieriger geworden. Es geht ja immer um eins: die Herzen der Menschen, das Publikum. Die Wege dahin haben sich verändert, sind durch das Internet und den direkten Zugang vielleicht sogar noch einfacher geworden. Heute haben Talente es etwas leichter, ihr Talent zu zeigen. Ich finde die Zeit heute spannender, vielfältiger, offener, leichter. Macht mehr Spaß.

Findet Sie denn heute noch das gleiche oder ein ähnliches Publikum wie früher?

Ich muss immer wieder auf das Wort vielfältig zurückkommen, merke ich gerade. Das gilt auch für mein Publikum. Ich habe natürlich viele ältere Leute bis 55, aber auch die 30-, 35-Jährigen sind stark vertreten. Jünger eher weniger. Ich habe ein ziemlich kluges und anspruchsvolles Publikum. Mit ein bisschen Heyhey ist da nichts zu machen. Die wollen von mir schon Informationen haben.

Wie stehen Sie heute zu Ihrem Frühwerk?

Antwort: Ich habe mich damals mit dem Trojanischen Pferd Schlager in die Plattenstudios gemogelt. Da ging es mir nicht darum, ob es gute oder schlechte Musik ist, sondern ich wollte etwas lernen, ich wollte in diese Studios rein - wie Gerhard Schröder ins Kanzleramt.

Und wie stehen Sie zu "Major Tom"?

Das geht Bon Jovi mit "Bed of Roses" ja auch so. Es kommt immer darauf an, was man drumherum garniert und darauf, ob es nur das einzige Werk ist - oder das Hauptwerk ist. Beethovens Neunte ist das Hauptwerk - und dann kommen noch ganz tolle Sachen dazu. Ich bin natürlich nicht Beethoven, aber so kann man den Vorgang erklären.

Wünschen Sie sich wieder ein größeres Publikum?

Jeder Künstler wünscht sich das, aber mein persönliches, ultimatives Wohlgefühl hängt davon jetzt nicht ab. Trotzdem ist es schon eine große Sache, wenn eine breite Masse mich künstlerisch und inhaltlich wieder wahrnimmt. Dieses Mal wird der Aufstieg langsam.

ZUR PERSON: Vor mehr als 30 Jahren gelang Peter Schilling mit "Major Tom" ein Mega-Erfolg. "Völlig losgelöst" wird heute noch auf Schlager-Partys gerne gesungen. Auf dem Höhepunkt seines Erfolges aber musste der Sänger die Reißleine ziehen. Er erlitt einen Burnout.
Seit einiger Zeit arbeitet er an seinem Comeback. Im Jahr 2014 brachte er sein jüngstes Album "DNA" auf den Markt. Auf seiner Homepage heißt es: "Ich habe alles erreicht, was ich wollte - und doch weniger, als möglich war. Und am zweiten Teil des Satzes... an dem arbeite ich...!"
 

jek / DPA
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