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Porträt: Máximaler Exotik-Faktor

"Strahle, singe, tanze", rief Amsterdams Bürgermeister Job Cohen Máxima Zorreguieta bei der Ziviltrauung zu. Doch wird sie aus ihrer Position mehr als die Rolle der schönen Prinzessin machen können?

Sie ist der Star im niederländischen Königshaus, doch welche Rolle Prinzessin Máxima als Ehefrau von Thronfolger Prinz Willem-Alexander spielen wird, bildet sich erst langsam heraus. Die lebensfrohe Argentinierin hat sich durch die Traumhochzeit mit dem künftigen Monarchen nicht blind in eine königliche Märchenwelt entführen lassen. Sie sei sich bewusst, dass sie in einen goldenen Käfig einziehe, hatte Máxima, geborene Zorreguieta, vorher erklärt.

Sie wird nicht mehr entscheiden können, wie sie will. Sie wird viel in der Welt herumkommen, aber nur noch unter den Augen einer großen Öffentlichkeit. Mehr als eine geringfügige Einschränkung für eine Frau, die schon in Buenos Aires, New York und Brüssel gelebt und gearbeitet hat. Mit reiner Repräsentation an der Seite ihres Mannes will sich die gelernte Bankkauffrau nicht zufrieden geben.

Für die Niederländer brechen mit Máxima neue Zeiten an: In den vergangenen 100 Jahren waren es jeweils die Männer an der Seite einer Königin, die versuchten, ihrer Position im Schatten des Throns die gewünschte Bedeutung zu geben. Diesmal ist es eine strahlend schöne Frau, der - wie der Jubel bei der Hochzeit vor knapp zwei Jahren zeigte - die Herzen der Menschen leicht zufliegen.

Arbeiten fürs Land

"Ich hoffe, die Popularität im Land rechtfertigen zu können, indem ich mein Leben in den Dienst dieses Landes stelle", hat Máxima versprochen. Sie wolle ihren Mann unterstützen in all seinen Pflichten, und sie wolle unter Beweis stellen, dass sie sich der niederländischen Gesellschaft zugehörig fühlt. Eine ganze Reihe Ehrenämter - Prinzessin Máxima ist Schirmherrin des Oranjefonds, Vorsitzende des Board of Trustees des Prinz-Claus-Lehrstuhls und Mitglied der Kommission für die Partizipation von Frauen aus ethnischen Minderheiten - zeugen von ihrem Eifer.

Die Verfassung ihrer neuen Heimat macht es Máxima nicht gerade leicht: Die Frau an der Seite des Monarchen hat im königlichen Protokoll eine wichtige Stellung, ist aber konstitutionell unerheblich. Der König ist Mitglied der Regierung und hat das Recht, beratend an den Staatsgeschäften mitzuwirken. Seine Frau kann ihm raten, wenn er denn auf sie hören will. Máxima wenigstens soll auch einen Sitz im Staatsrat erhalten. Für alle anderen Aktivitäten gilt: Nur im Einklang mit dem Willen der Regierung. Die Regierung hat die politische Verantwortung für die Mitglieder des Königshauses, denn sie bezahlt sie auch.

Haupttäigkeit: Bänder durchschneiden?

Königin Beatrix (64) hat ihren inzwischen verstorbenen Prinzgemahl Claus (75) als ihren wichtigsten Berater bezeichnet. Der deutsche Ex-Diplomat und Fachmann für Entwicklungshilfe hatte auch gehofft, er könne sein Wissen wirkungsvoller einbringen. Nach einer Reihe bitterer Enttäuschungen meinte er, seine Haupttätigkeit sei, bei Eröffnungen Bänder durchzuschneiden.

Prinz Bernhard (90), Mann der früheren Königin Juliana, hatte in den schwierigen Kriegsjahren und danach eine Sonderstellung im Militär und später als "Goodwill- Botschafter für die Wirtschaft" gefunden. Dabei schrammte er jedoch Dank des Eingreifens der Königin gerade noch an einem strafwürdigen Skandal vorbei, als Vorwürfe der Bestechlichkeit im Zusammenhang mit Rüstungsgeschäften bekannt wurden. Seitdem muss Bernhard auf Uniform und Geschäfte verzichten. Seinem Vorgänger als Prinzgemahl, Königin Wilhelminas Mann Heinrich, dem 1934 gestorbenen früheren Herzog von Mecklenburg, wird keine besondere nützliche Tätigkeit nachgesagt.

Den Niederlanden südländisches Temperament einhauchen

Den mehrheitlich royal gesinnten Niederländern ist es Umfragen zufolge zunächst wichtig, dass der Kronprinz eine Frau gefunden hat, die er liebt und die ihm eine Stütze sein kann. Ein bisschen südländische Lebensfreude für den eher ruhigen, wenn nicht gar biederen niederländischen Hof wünschte man sich. Deshalb sind die Erwartungen an Máxima groß: "Strahle, singe, tanze", rief ihr Amsterdams Bürgermeister Job Cohen bei der Ziviltrauung zu. Das scheint ihr noch nicht schwer zu fallen. Im Kampf um die Beteiligung am Ernst des Lebens im Königshaus kann Máxima dann immer noch das südländische Temperament walten lassen.