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Präsidenten-Familie: Die Jet-Set-Ferien der Obama-Girls

Die Töchter des amerikanischen Präsidenten haben zwei Monate schulfrei. Auf dem Programm stehen Ausflüge rund um den Globus.

Von Ulrike von Bülow, New York

Sie waren auf dem Eiffelturm in Paris und im Pantheon in Rom. Sie haben ihre Eltern als Wachsfiguren gesehen(da mussten sie ganz schön kichern) und die Jonas Brothers in echt (da wurden sie beinahe ohnmächtig). Und sie sind mit ihren Freunden durch Camp David getobt, dem derzeit wohl bestbewachten Spielplatz der Welt. Neben dem Weißen Haus.

Malia und Sasha Obama haben Sommerferien, in Washington D.C. ist von Ende Juni bis Ende August schulfrei. Und vermutlich erleben die Töchter des amerikanischen Präsidenten in diesen Wochen die besten und aufregendsten Ferien, die sie jemals hatten: eine Mischung aus spannenden Fernreisen und einem aufregenden Unterhaltungsprogramm, das ihnen in der Heimat geboten wird, mit Konzertbesuchen und Geburtstagspartys, bestens organisiert von der First Mommy und dem First Daddy.

Doch Michelle und Barack Obama legen Wert darauf, dass der erste Sommer ihrer Mädchen im Weißen Haus nicht nur Trallala bedeutet: Malia, 11, und Sasha, 8, bekommen Geschichtsunterricht und verrichten Sozialdienst, in dem sie Pakete packen mit Spielzeug und Büchern für Kinder amerikanischer Soldaten, die im Auslandseinsatz sind. Und ihre Mutter passt auf, dass Malia und Sasha sich gesund ernähren, "Fernseher und Computer tagsüber aus bleiben und die beiden abends rechtzeitig ins Bett gehen", wie Michelle Obama sagt, die ja klaren Regeln folgt, wenn es um die Erziehung ihrer Töchter geht - Ferien hin oder her.

Länger aufbleiben? Fast Food? Gibt's auch jetzt nur bei Oma, bei Marian Robinson, die das alles nicht so streng sieht wie ihre Tochter Michelle: "Wenn man Appetit hat auf ein frittiertes Hühnchen", sagt Mrs. Robinson, "dann sollte man auch ein frittiertes Hühnchen essen."

Open-Air-Klassenzimmer

Aber wenn man seinen Kindern die Welt zeigen kann, da sind sich im Hause Obama alle einig, dann sollte man das tun. Auch wenn es in Amerika Kritiker gibt, die es in Zeiten einer Rezession nicht angemessen finden, dass der Präsident mit Frau und Kindern auf Reisen geht. Wie könne Mr. Obama "nur die Nerven" haben, sich "Sehenswürdigkeiten in Paris anzugucken?", nölte kürzlich ein republikanischer Abgeordneter aus Iowa. Und die "Philadelphia Daily News" fragte sich, was wohl Familien davon halten sollten, die sich in diesem Sommer keinen Urlaub leisten können, da sie von Arbeitslosigkeit geplagt werden?

Doch Freunde der Obamas sagen, diese würden die Welt als ein großes "Open-Air-Klassenzimmer" für ihre Töchter betrachten: Malia und Sasha haben in Italien Papst Benedikt getroffen und in Paris Präsident Sarkozy, sie haben in Ghana gelernt, wo einst die Sklaven herkamen, und wie sich das afrikanische Land bis heute entwickelt hat - und all das in einem Sommer. "Die Obamas möchten, dass ihre Kinder die Komplexität der Welt begreifen, dass sie verstehen, welch' wundervolle Möglichkeiten es gibt, aber auch wie viel Leid. Und dass die USA eine moralische Verpflichtung haben, sich auch um andere zu kümmern", sagt Charles Ogletree, Jura-Professor in Harvard, der die Obamas sehr gut kennt.

Vom Glück, die Welt zu entdecken

Und die Berater des Präsidenten sagen natürlich, dass die Obamas für ihre persönlichen Reisekosten denn auch persönlich aufkommen, egal, ob sie mit den Kindern nach Virginia fahren und ihnen Monticello zeigen, das Landgut Thomas Jeffersons, dem dritten Präsidenten der Vereinigten Staaten, oder ob sie mit ihnen nach Moskau fliegen und mit Malia und Sasha durch den Kreml spazieren. Dort gab Präsident Obama dem Sender CNN ein Interview, in dem er erzählte, was für ein Geschenk es doch sei, zu sehen, wie seine Töchter "die Welt entdecken, und dann von ihnen zu hören, was sie dabei empfinden." Der Präsident sah sehr glücklich aus, als er das sagte.