HOME

Premiere von "Beowulf": Angelina Jolie als Mutter des Monsters

Sie ist Schauspielerin und setzt sich weltweit für Menschenrechte ein. Angelina Jolie spielt in ihrem neuen Film "Beowulf", der bald in Deutschland anläuft, die Mutter eines rachsüchtigen Monsters. Privat kümmert sie sich lieber um ihre intakte Familie. Im stern.de-Interview gibt sie ganz private Einblicke.

In Ihrem neuen Film "Beowulf", der am 15. November in den deutschen Kinos anläuft, basiert auf einem epischen Heldengedicht. Sie spielen die Mutter des jungen Helden Grebel - ein rachsüchtiges Monster. Ihr Körper ist digital transformiert, verführerisch und ziemlich realistisch in 3-D verewigt.

Ich war selbst sehr überrascht, wie realistisch diese Art des Filmemachens rüberkommt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich drehte nur ein paar Tage, war in einem Overall gekleidet, hatte irgendwelche Bälle auf meinem Kopf und die Computer registrierten 60 verschiedene Gesichtsausdrücke. Ich habe Bob Zemeckis, der einen großartigen Ruf als innovativen Filmemacher hat, voll vertraut. Als ich mich zum ersten Mal auf der Leinwand gesehen habe, war ich ganz verlegen und habe sofort zu Hause angerufen. Es war leider kein Film, den mein Sechsjähriger sehen kann, sondern für Erwachsene wegen der Gewalt und Sexualität.

Auf der einen Seite sind Sie ein Filmstar und drehen einen Film nach dem andern, auf der andern Seite setzen Sie sich weltweit als "Goodwill Ambassador for the United Nations High Commissioner for Refugees" ein. Und Sie sind Mutter von vier Kindern. Wie schaffen Sie das alles? Was sind Ihre Prioritäten?

(Lacht) Sie hätten mich heute früh um sechs Uhr sehen sollen, als ich mit allen Kindern im Bett saß und mir nicht klar war, wie ich diesen Termin wohl schaffen kann. Meine Kinder stehen an erster Stelle, sie sind meine Priorität. Wie jeder Schauspieler habe ich Zeiten, wo ich viel arbeite, dann wieder Zeiten, wo ich über lange Strecken hinweg gar nicht arbeite. Ich habe vor, noch weniger zu arbeiten, weil ich es vorziehe, zu Hause bei den Kindern zu sein. Nach meinem Film "The Chaneling" für Clint Eastwood habe ich vorläufig keinen Film geplant. Was meine politischen Tätigkeiten betrifft: Ich versuche mich darüber zu bilden, was in der Welt vorgeht, in der ich und meine Kinder leben. Meine Reisen sind ein Privileg für mich und motivieren mich, das eine oder andere voranzutreiben.

In Ihrem Dokumentarfilm "The Diary of Angelina Jolie and Dr. Jeffrey Sachs in Africa" zeigen sie effektive Lösungen zu Hungersnot, Seuchen und Konflikten in Afrika. Normalerweise werden Sie von Kameras verfolgt, hier sind Sie diejenige, die die Fragen stellt. Wie war das für Sie, sozusagen rollenverdreht zu arbeiten?

Als ich noch jung und unbekannt war, war es eins meiner größten Vergnügen, Menschen zu beobachten, in der U-Bahn, auf der Straße. Das war wichtig für mich als Schauspielerin. Für diesen Dokumentarfilm war ich in Niger bei den Tuaregs, und die hatten keine Ahnung wer ich war. (lacht) Noch dazu gibt es dort keinen Klatsch. Es war eine sehr interessante Erfahrung für mich. Als wir eins unserer Zeltlager aufbauten, brachte uns ein Nachbar eine Ziege. Als ich fragte, was das bedeutet, ob wir hier sicher sind, und ob wir ihm trauen können, schaute man mich etwas entgeistert an. Man müsse seine eigene Meinung bilden, es sei nicht richtig seine Meinung über andere mitzuteilen. Erst zwei Wochen später erfuhr ich, dass der Sohn von einem Mann, mit dem wir tagelang unterwegs waren, gestorben war. Niemand sagte etwas darüber, er hat es mir auch nicht erzählt. Es war interessant, soviel Privatsphäre für mich zu haben.

Brad, Sie und Ihre Kinder werden von Paparazzi auf Schritt und Tritt verfolgt. Wie gehen Sie damit um, wie können Sie Ihre Kinder beschützen?

Wir lesen keines dieser Blätter. Ja, leider macht es diese Situation schwierig für die Kinder. Wir sind sehr limitiert darin, was wir unternehmen können. Wie gerne würden wir die Kinder, wie alle Eltern, mit Ausflügen wie ins Disneyland überraschen, oder nur einfach mal in den Park gehen, oder in einen Eis-Laden. Wir sind immer auf der Suche nach Plätzen, wo sie frei sein können. Und was die blitzenden Fotografen betrifft, so ist es schwer, den Kindern das zu erklären. Unserer Zweijährigen macht das große Angst.

Vor kurzem haben Sie zusammen mit Maria Shriver, Kaliforniens First Lady, in Beverly Hills Journalistinnen aus aller Welt mit dem "Courage in Journalism Award" geehrt. Was ist für Sie die Qualifikation für einen "guten" Journalisten?

Jemand, der mit zuverlässigen Quellen arbeitet und sie gegencheckt. (lacht) Ich bin überrascht, wie viele angesehene Zeitungen das heutzutage nicht mehr machen. Ich wünschte, dass darauf wieder mehr wert gelegt wird. Nicht meinetwegen, denn was über mich geschrieben wird, ist meist eh nur dummes Zeug, und ich hab mich daran gewöhnt. Nein, ich möchte mich gerne generell darauf verlassen können, dass das, was ich lese, auf Fakten basiert. Es besteht eine große Kluft zwischen denen, die Geschichten verkaufen wollen und sie deswegen so unwahrscheinlich wie möglich präsentieren, und den anderen, die ihr Leben und das ihrer Familie riskieren, um die Wahrheit an die Öffentlichkeit zu bringen. Deswegen war ich sehr glücklich an diesem Abend, diesen Frauen zu begegnen - und sie nach ihren Telefonnummern fragen zu können. Es handelte sich um Frauen, die ihr Leben für die Wahrheit aufs Spiel setzen.

"Sie ist meine Liebe, mein Partner, die Mutter meiner Kinder", sagte Brad Pitt über sie in einem Interview. Wie würden Sie ihn beschreiben?

(lacht und strahlt von einem Ohr zum andern) Kann ich das von ihm stehlen...? Er ist meine Liebe, mein bester Freund und der Vater meiner Kinder.

Brad erzählte außerdem, dass Sie ganz gut Französisch sprechen, und dass er auch gerne der französischen Sprache mächtig wäre.

Alle in unserer Familie versuchen, diese Sprache zu meistern, und das ist sehr lustig. Unser Sechsjähriger ist der Beste, er geht in die französische Schule und verbessert mich ständig. Bei uns zu Hause geht es mit Sprachen verrückt zu - wir haben eine Frau, die mit Vietnamesisch aushilft, und unsere Zweijährige hat begonnen, ein bisschen Vietnamesisch zu plappern. Ich hoffe, dass wir eines Tages alle miteinander Französisch und English sprechen, und jedes der Kinder seine eigene Sprache ein bisschen beherrscht. Das ist unser Plan.

Als was würde Sie gerne wieder auf die Welt kommen?

Ich denke, ich wäre gerne ein Pilot und Maler.

In Hollywood darf man nicht alt werden. Was bedeutet für Sie Schönheit?

Schönheit hat nichts mit Alter zu tun. Meine Mutter war eine Schönheit. Sie war 58, als sie gestorben ist, und war immer noch wunderschön (Angelina unterdrückt Tränen, als sie von ihrer Mutter spricht). Ich habe eine Familie, die mich liebt, wie ich bin, die Eigenschaften in mir sehen, die sie lieben. Ich sehe ein bisschen von meiner Tochter in mir. Das ist Schönheit für mich. Schönheit ist für mich Ehrlichkeit und jemand, der er selbst ist.

Zum Schluss noch eine sehr private Frage: Es gibt das Gerücht, dass Sie wieder schwanger seien…

Existiert dieses Gerücht nicht immer? (lacht) Nein, ich bin nicht schwanger. Aber schön langsam finde ich es lustig, wie oft das in der Presse berichtet wird.

Interview: Frances Schönberger