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Promi-Wohnanlage: Lästige Fotografen müssen draußen bleiben

"Garantiert paparazzifrei" - damit wirbt eine neue Wohnanlage in Los Angeles um Hollywoods genervte A-Prominenz. Der Hochsicherheitstrakt soll für Kameras uneinnehmbar sein. Fotografen lachen sich allerdings schon jetzt ins Fäustchen.

Von Frank Siering, Los Angeles

Endlospools sind von gestern. Eingebaute Weinkeller ebenso. Etagen-Butler? In Hollywood fast schon eine Selbstverständlichkeit. Der moderne Promi von heute verlangt mehr, bevor er seine Millionen in hochkarätige Immobilien investiert. Deshalb wittert Thomas Elliott, Geschäftsführer der Baufirma "Elad Properties West" in Los Angeles, das ganz große Geschäft. Er will mit einer paparazzifreien Wohnanlage Stars anlocken.

Jeden Tag hecheln sie durch die Straßen von Los Angeles. Ganze Hundertschaften von Fotografen, immer auf der Jagd nach dem Promi-Abschuss. Kaum eine Bastion ist den modernen Kopfgeldjägern noch heilig. Sie verstecken sich in Hecken, klettern über hohe Mauern, um Jennifer Aniston, Courtney Cox und Co. beim Sonnenbad im privaten Garten zu erwischen.

Kameras überwachen jeden Winkel

Bald soll damit Schluss sein. Zumindest am Wilshire Boulevard in Los Angeles. Hier soll ein "für Fotografen fast unerreichbarer Hochsicherheitstrakt" gebaut werden, verspricht Elliott. In dem 24 Stockwerke hohen Gebäude sollen schon Anfang nächsten Jahres 136 Apartments fertig gestellt werden. Sie sollen zwischen drei, für eine normale Wohnung, und 20 Millionen Dollar, für eines der drei Penthäuser, kosten. "Wir haben schon Anfragen von zahlreichen A-Promis", sagt Elliott. Namen will er allerdings keine nennen.

Und wie genau soll der Anti-Paparazzi-Bunker aussehen? Sicherheitskräfte, die vom israelischen Geheimdienst ausgebildet wurden, sollen 24 Stunden vor dem Gebäude patrouillieren. Private Fahrstühle führen direkt von der Tiefgarage ins Wohnzimmer. Meterhohe Hecken sollen die Hollywood-Elite vor neugierigen Fotolinsen schützen. Die gesamte Anlage wird zusätzlich in jedem Winkel mit Videokameras überwacht. "Wir haben mehr als 150 Kameras im Haus installiert, uns entgeht keine Bewegung", preist Elliott die Sicherheit des Hauses an.

Trotzdem soll die Privatsphäre der Bewohner gewahrt bleiben. Die Angestellten in der Residenz müssen eine Vertrauens- und Unterlassungserklärung unterschreiben. Sollte ein Geheimnis aus dem Promi-Bunker über einen Angestellten an die Öffentlichkeit gelangen, droht eine Millionenklage vom Immobilienverwalter. Solche Vetragsklauseln sind normalerweise nur bei persönlichen Assistenten von Promis üblich.

Paparazzi lachen sich ins Fäustchen

Und was sagen die Paparazzi zu dem neuen Gebäude? "Lächerlich", kontert Giles Harrison, Fotojäger aus Los Angeles. "Eine echte Verschwendung von Werbemillionen", fügt Kollege Jose Martinez hinzu. "Die meisten Paparazzi gehen ohnehin nicht in die Privathäuser der Promis. Wir warten einfach vor dem Haus und erwischen sie dann beim Verlassen des Gebäudes", sagt er gelassen. Ob das Konzept der Luxuswohnanlage auf geht, wird die Zeit zeigen. Das weiß auch Elliott. Noch genießt der Marketing-Experte den PR-Erfolg seiner geschickt aufgestellten Verkaufs-Kampagne. Angeblich seien schon 70 Prozent der Wohnungen verkauft. Um die restlichen 30 Prozent macht er sich keine Sorgen. Schließlich wimmelt es in Hollywood nicht nur von A-Promis, sondern auch von solchen, die sich nur dafür halten. Top-Stars wie Angelina Jolie und Brad Pitt werden sowieso von einer mehrköpfigen Sicherheitsmannschaft betreut und haben den Schutz einer Wohnanlage nicht nötig. Das weiß auch Elliot. "Nur weil wir für Promis werben", sagt er, "müssen wir ja nicht nur an Promis verkaufen."