HOME

Prozess gegen Leibarzt von Jackson: Die Damen des Dr. Murray

Freundinnen-Tag im Gerichtssaal: Gleich drei Herzdamen von Conrad Murray mussten aussagen. Dramatisch wurde es, als die Staatsanwaltschaft die Mutter seines Kindes bei einer Lüge ertappte.

Von Frank Siering, Los Angeles

Vor allem die männlichen Paparazzi vor dem Gerichtssaal in Downtown Los Angeles hatten ihre helle Freude. Am Dienstagmorgen waren gleich drei sehr hübsche ehemalige Geliebte von Dr. Conrad Murray zur Aussage vorgeladen.

Die Vorgehensweise bei Annäherungsversuchen des suaven Docs war nach Schilderungen im Saal demnach immer diesselbe. Auftritt in einem Nachtclub oder Restaurant, das obligatorische Austauschen von Telefonnummern, anschließend reger SMS-Verkehr und schließlich auf zum Schmusen mit dem berühmten Doktor. Ab und zu nutzte er demnach sogar die Zeile "Hey, ich bin der Leibarzt von Michael Jackson", um die jeweilige Dame seines Herzens für sich zu gewinnen.

Nach den relativ kurzen Auftritten von Freundin eins und zwei, Michelle Bella und Sade Anding, Bella lernte er 2008 in einem Club in Las Vegas, Anding 2009 in einem Steakrestaurant in Houston kennen, folgte Dame Nummer drei, Nicole Alavarez.

Baby-Mama mit Attitüde

Und dieser Auftritt hatte es in sich. Alvarez ist nicht nur die derzeitige Geliebte von Murray, sie hat auch einen gemeinsamen Sohn mit dem Arzt. Das Paar wohnt zusammen in einem Apartment im kalifornischen Santa Monica. Vielleicht war es der Glaube, ihrem Lebensgefährten zur Seite stehen zu müssen, vielleicht aber auch nur der überladene Geist einer ambitionierten jungen Schauspielerin. Staatsanwältin Deborah Brazil jedenfalls brauchte weniger als zehn Minuten, um die 29-Jährige einer Lüge im Zeugenstand zu überführen. Murray habe schon zu dem Zeitpunkt, da er in Vertragsverhandlungen mit Michael Jackson stand, in der Wohnung von Alvarez gelebt. Er ließ sich nach Aussagen der Staatsanwaltschaft sogar einen Vertragsentwurf in das Apartment faxen. Auf dem Vertrag stand auch, dass Murray 150.000 Dollar im Monat für seine Dienste kassieren würde. Auf diesen Kontrakt und die Summe angesprochen, wollte Alvarez davon erst aus den Medien erfahren haben. Einzelheiten aus dem Vertrag oder gar die exakte Honorar-Summe seien ihr nicht bekannt gewesen.

Brazil machte eine kurze Pause. Und holte zum Knockout-Schwung aus. "Mrs. Alvarez, erinnern Sie sich daran, dass Sie in einer früheren Aussage zugegeben haben, den Vertrag in Ihrem Fax in Ihrer Wohnung gefunden zu haben?" Alvarez, im Stile einer verletzten Leinwand-Diva (sie nennt ihren Körper ein "Instrument", das gepflegt werden muss), zögerte, stotterte und stolperte schließlich zur Antwort: "Vielleicht ist mein Gedächtnis ein bisschen durcheinander. So viel ist in der Zwischenzeit passiert." Brazil lächelte, machte einen Haken hinter ihre Notizen und ließ die Jury entscheiden, wer in diesem Moment glaubwürdiger erschien.

Wohnung als Medikamenten-Zentrale

Im Zuge der weiteren Vernehmung der Murray-Freundin, die den Doktor 2005 in einem Nachtclub in Las Vegas kennengelernt hatte, kam ebenfalls zutage, dass Murray ihre Wohnung in der 6th Street in Santa Monica als "Medical Office" angab, um so diverse Lieferungen von Propofol von einer Apotheke in Las Vegas via FedEx zu ermöglichen. Alvarez selbst gab zu, dass sie einige dieser Pakete entgegennahm. Aufgemacht habe sie allerdings keines. "Ich ging davon aus, dass es sich um Medikamente handelte", so Alvarez. Geschickt wurden diese Pakete von Applied Pharmacy aus Las Vegas. Apotheker Tim Lopez bestätigte diverse Propofol-Lieferungen nach Kalifornien. Insgesamt waren es 15 Liter Narkosemittel, die später den Weg ins Schlafzimmer von Michael Jackson fanden. Und letztendlich für den Tod des einstigen King of Pop mit verantwortlich waren. Die Luft, das bestätigen Prozessbeobachter in Los Angeles, wird derzeit immer dünner für die Murray-Verteidigung. So dünn, dass der sonst so redegewandte Murray-Advokat Ed Chernoff keine einzige Frage für Nicole Alvarez hatte. Vielleicht hatte er auch Angst, dass sich die Schauspielerin ohne Engagement noch einmal verplappern würde.