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Rudolph Moshammer: München trauert um "Mosi"

Der ermordete Modeschöpfer Rudolph Moshammer, zu Lebzeiten gern gesehener Gast bei Partys und in Talk-Shows, zieht auch nach seinem Tod alle Sympathien auf sich. Die Münchner zeigten sich erschüttert über das Verbrechen.

Dutzende Grablichter brennen vor den Schaufenstern des Geschäfts in der Münchner Maximilianstraße. Immer wieder bleiben Passanten stehen, legen Blumen nieder: Rote Tulpen, weiße Rosen, Nelken türmen sich vor dem Laden des ermordeten Modeschöpfers Rudolph Moshammer. Der Laden mit dem italienischen Namen "Carnaval de Venise" blieb am Samstag geschlossen.

"Sonnenstrahl weniger in unserer Mitte"

"Du hinterlässt ein großes Loch", heißt es in einem Brief. Und: "Wieder ein Sonnenstrahl weniger in unserer Mitte." Der 64-Jährige mit der exzentrischen Ludwig II.-Frisur, zu Lebzeiten gern gesehener Gast bei Prominenten-Partys und in Talk-Shows, zieht auch nach seinem Tod alle Sympathien auf sich. Der 64-Jährige, der sich stets fünf Jahre jünger machte, galt als Kultfigur der Münchner Schickeria.

Eine junge Frau legt eine orangefarbene Rose nieder. "Das ist die Farbe der Sonne - und er war, finde ich, die Sonne für viele", sagt sie. Sein Leben lang hatte sich Moshammer sozial engagiert. Vor allem für die Obdachlosen setze er sich ein - sein eigener Vater war mittellos in einem Obdachlosenheim gestorben. "Er hat sich hoch gearbeitet und trotzdem geteilt - und das in der heutigen Zeit, in der jeder nur an sich selber denkt", sagt eine Frau, die eigens aus dem Vorort Ottobrunn in die Stadt gefahren ist, um Blumen zu bringen. "Wenn das mehr Menschen tun würden, ginge es manchen vielleicht besser."

Auch Sinti und Roma sendeten eine Abschiedgruß: "Lieber Mosi, wir werden Dich vermissen. Wir lieben Dich." Immer wieder bleiben Passanten stehen, viele verharren still in der klirrenden Kälte des strahlend schönen Wintertages.

"Lass es Dir gut gehen da oben", ist auf einer Abschiedskarte zu lesen, auf der der Namenszug Gianni Versace prangte. Sie stammt von den Nachbarn der Versace-Boutique auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Der italienische Modedesigner Gianni Versace war 1998 vor seiner Villa in Miami Beach mit zwei Schüssen aus nächster Nähe niedergestreckt worden. Mutmaßlicher Täter war ein wegen mehrerer Morde gesuchter homosexueller Callboy, der sich wenige Tage später das Leben nahm. Auch bei Moshammer wird darüber spekuliert, ob der Täter aus dem Strichermilieu gekommen sein könnte.

Wallfahrtsort für Schaulustige

Moshammers Haus im Münchner Nobelvorort Grünwald wurde inzwischen regelrecht zu einem Wallfahrtsort für Schaulustige. Zu Dutzenden kamen Menschen, um einen Blick durch die dichte Hecke hinter dem Zaun auf das Grundstück zu werfen. Viele zeigten sich erschüttert über das grausige Verbrechen. Einige waren mit Videokameras gekommen, um private Aufnahmen zu machen. Auch in Grünwald brannten Kerzen, Anwohner legten Blumen nieder.

Auch die Obdachlosen trauern um Moshammer, der sie immer wieder unterstützte. Gemeinsam mit seiner 1993 gestorbenen Mutter Else hatte er manchmal sogar selbst Essen unter den Isar-Brücken verteilt. "Sehr traurig", hat ein Obdachloser in der Münchner Innenstadt auf einen Zettel geschrieben, den er neben einem Öllämpchen vor sich auf den Bürgersteig gelegt hat. Spekuliert wird, dass Moshammer den Obdachlosen einen beträchtlichen Teil seines Vermögens vererbt. Bisher ist nichts über ein Testament bekannt. Moshammer hat aber durchaus an seinen Tod gedacht und in dem für seine Mutter errichteten Mausoleum schon einen Platz für sich reserviert.

Sabine Dobel/AP / AP