Russland-Konzert Madonna strafversetzt ins Nirgendwo


Popsängerin Madonna muss bei ihrem Konzert in Moskau auf eine Extrawurst verzichten. Weder darf sie auf dem Roten Platz spielen, noch will Putin mit ihr Essen gehen. Durch ihre ewigen Provokationen steht ihr Auftritt jetzt auf der Kippe.

Der geplante erste Auftritt der US-Popsängerin Madonna in Russland steht wegen Kritik der Kirche und Sicherheitsbedenken der Behörden in den Sternen. Die Stadtverwaltung von Moskau verbot das Konzert vor der spektakulären Kulisse der Staatlichen Universität. Stattdessen solle Madonna am 11. September im Olympiastadion im Sportpark Luschniki singen. "Dort kann die Sicherheit der Zuschauer garantiert werden", sagte die Vize-Bürgermeisterin Ljudmila Schwezowa am Montag. Die Polizei beharrte stattdessen auf dem Flugfeld Tuschino am Stadtrand.

Die russische Kirche rief ihre Gläubigen am Montag erneut zu einem Boykott der Madonna-Show "Confessions" (Bekenntnisse) mit einer umstrittenen Kreuzigungsszene auf. "Für einen orthodoxen Christen wäre es mehr als merkwürdig, den geistlichen Problemen dieser Sängerin Raum zu geben, indem man zu ihrem Konzert geht", sagte der Sprecher des Moskauer Patriarchats, Vater Wsewolod Tschaplin. Bei der umstrittenen Szene präsentiert sich Madonna mit einer Dornenkrone auf dem Kopf an einem Kreuz hängend.

Die Kabbala-Dame ist unerwünscht

Konservative Christen hatten den Moskauer Patriarchen Alexi II. sogar aufgerufen, Madonna mit dem Kirchenbann zu belegen. Auch jüdische Gemeinden in Russland nannten Madonnas Show "unmoralisch". Die russische Mafia drohte nach Berichten in der britischen Presse damit, die Sängerin und ihre Kinder zu entführen.

Madonna hätte nach russischen Presseberichten in Moskau gern auf dem Roten Platz gespielt, was ihr jedoch verwehrt wurde. Dann wählte sie das Hochhaus der Universität als Kulisse für ihr erstes Konzert in Russland. Dagegen liefen in der vergangenen Woche die Polizei und der Inlandsgeheimdienst FSB Sturm. Das Gelände vor der Universität sei zu klein und zu unübersichtlich für die erwartete Zuschauerzahl. Auch könne die Forderung des Madonna-Managements nicht erfüllt werden, die Studenten in dem Wolkenkratzer am Zuhören zu hindern.

Aus den Augen, aus dem Sinn

Der Moskauer Polizeichef Wladimir Pronin sagte, nur auf dem Flugfeld Tuschino sei genug Platz für die erwarteten 100.000 Fans. Die örtlichen Konzertorganisatoren kündigten an, bis Dienstag den Ort der Show festzulegen.

Wenig Glück hatte die Primadonna auch mit einem angeblich gewünschten Treffen mit Präsident Wladimir Putin. Kurz nachdem die Moskauer Veranstalter stolz mitteilten, die Sängerin werde mit Putin und dessen Familie speisen, dementierte der Kreml offiziell.

Auf dem Roten Platz, dem Allerheiligsten Russlands, durften in den vergangenen Jahren nur Paul McCartney und die Scorpions Rockkonzerte geben. Das Luschniki-Stadion, in dem die Olympischen Spiele 1980 stattfanden, hat 85 000 Sitze, ist als Kulisse aber wenig spektakulär. Immerhin gaben hier Superstars wie Michael Jackson und die Rolling Stones ihre ersten Konzerte auf russischem Boden.

DPA DPA

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