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Tarkan: Türkischer Musikexport mit Küsschen-Gen

Er ist der derzeit einzige Weltstar der Türkei: Tarkan, der Popsänger mit den strahlenden Augen, begeistert junge Menschen rund um den Globus. Doch in seiner Heimat sind nicht alle gut auf ihn zu sprechen.

Von Frauke Hansen

Küssen gehört zum ureigensten Instinkt des Menschen, Musik ist seit Jahrtausenden ein Teil der humanen Kultur. Warum also nicht diese beiden äußerst erfolgreichen Elemente verbinden? Auf diese glorreiche Idee kam kurz vor der Jahrtausendwende ein junger in Deutschland geborener Türke und baute in seinen Song "Simarik" die Geräusche herzhafter Küsschen ein - ein Welthit war geboren. Tarkan Tevetoğlu kreierte den wohl bekanntesten türkischsprachigen Popsong und wurde dafür in Monaco mit dem World Music Award ausgezeichnet. Bis heute wurde das Schmatzer-Lied schon ein Dutzend Mal gecovert. Der australischen Sängerin Holly Valance bescherte ihre Version "Kiss Kiss" einen weltweiten Nr.-1-Hit.

"Simarik" war nicht die erste Single des Gastarbeiter-Sohnes, der 1972 in Deutschland geboren wurde und 1986 in die Türkei zurückkehrte, um eine klassische Musikausbildung zu beginnen. Jahre zuvor war in dem Jungen mit den strahlenden Augen der Wunsch gereift, Popstar zu werden. In seinem Geburtsland veröffentlichte er 1991 sein erstes Album - das sich innerhalb weniger Wochen rund 700.000-mal verkaufte. Album zwei und drei konnten den Erfolg noch toppen, insgesamt rund sieben Millionen Exemplare gingen über den Ladentisch. Tarkan hatte sein Ziel schnell erreicht: er wurde zum gefeierten Popstar.

Idol für die junge türkische Generation

Doch die dunkle Seite kam schneller als gedacht: Der naive und junge Tarkan war zu langsam für die Schatten des Ruhmes, innerhalb weniger Monate konnte er sich vor Papparazzi nicht mehr retten und floh in die USA. Der Mädchenschwarm machte einen für einen Popstar ungewöhnlichen Schritt: Er ging für zwei Jahre an die Uni. Zudem versuchte er während seines Studiums, auf dem schwierigen amerikanischen Markt Fuß zu fassen und entwickelte sich zu einem Geheimtipp. Nach nur einem Jahr füllte er große Stadien wie das in Buenos Aires.

Tausende Mädchen kreischen sich die Seele aus dem Leib, wenn sie seine Melodien hören, tanzen sich um den Verstand, wenn sie seine Stimme hören und fallen fast in Ohnmacht, wenn sie in seine Augen sehen - und doch wurde Tarkan in der türkischen Gesellschaft nie richtig akzeptiert. Konservative Kreise hielten und halten seine Texte für obszön und sein freizügiges Auftreten für unangemessen. Doch für die junge Generation ist der Mann mit dem durchstechenden Blick ein Idol, ein Vorreiter in Sachen Trends und Lebensstil. Tarkan war der erste Mann, der in der Öffentlichkeit einen Ohrring trug, Millionen junger Männer imitieren die Frisur des Sängers. Er wurde Vertreter eines Männerbildes, das nicht mehr viel mit dem Macho-Vorurteil der Vergangenheit zu tun hat. Tarkan ist der David Beckham der Türkei.

Die neue Platte: englischer HipHop

Tarkans Musikstil ist universell, er verbindet türkische Rhythmen mit modernen Popklängen - nach über 15 Jahren türkischer Texte singt Tarkan jetzt auf englisch. Dass ein Markt jenseits der eigenen Sprachgrenzen im Sturm erobert werden kann, haben nicht nur südamerikanische Künstler wie Shakira oder Ricky Martin eindrucksvoll bewiesen. Die neue Platte des Nachahmers aus dem vorderen Orient trägt den viel sagenden Namen "Come Closer" (dt. Komm näher) und verbindet noch mehr Musikstile als vorher. Traditionelle Melodien kombiniert Tarkan nun mit HipHop-Klängen.

"HipHop hat in den letzten Jahren einen großen Einfluss auf meine Musik gehabt", sagt er. "Die einfachen, sinnlichen Rhythmen, die packenden Melodien und die Art, wie hier verschiedene kulturelle und musikalische Elemente zusammen kommen, haben mich gefesselt", beschreibt er seinen neuen Stil. Für dieses neue Projekt konnte er die prominente Unterstützung von Fugees-Sänger Wyclef Jean gewinnnen. Auch wenn er in einer anderen Sprache singt, das Hauptthema von Tarkan ist dasselbe geblieben: Der Romantiker singt von Liebe und - natürlich - von Küssen. Denn Küsse sind beliebt und meist erfolgreich, das liegt in der Natur des Menschen.

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