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Tod von L'Wren Scott: Nur zwei Blumensträuße erinnern an Mick Jaggers Freundin

In einem Luxusapartment in West-Manhattan hat sich die Designerin und Lebensgefährtin von Mick Jagger, L'Wren Scott, das Leben genommen. Ein Besuch an dem Ort, wo sich die Tragödie abspielte.

Von Andreas Spinrath, New York

Der Strauß weißer Hortensien liegt vor dem Eingang des stählernen Apartmentgebäudes. Einen Meter daneben, vor der kahlen Fassade, ein Bund gelber Osterglocken. Ein Fotograf greift nach den gelben Blumen und legt auch sie direkt vor die Tür. Nun sind es immerhin zwei Sträuße, Trauersträuße. Mehr kann er aus dem Motiv nicht herausholen. Er drückt ab.

Es ist keine der Szenen, wie man sie kennt, wenn ein Prominenter ums Leben kommt. Hier liegen keine Briefe, hier weinen keine trauernden Fans, hier türmen sich keine Blumenberge.

Vor den noblen Apartments im New Yorker Stadtteil Chelsea erinnert am Tag nach dem Selbstmord von Designerin L’Wren Scott nur wenig an den tragischen Tod der Freundin von Stones-Frontmann Mick Jagger.

Nur drei Fotografen und zwei Blumensträuße

49 Jahre alt ist Scott geworden. Laut Polizei wurde sie in ihrem Apartment gefunden, erhängt mit einem Schal, der am Türgriff festgeknotet war. Nichts deute auf einen Mord hin, hier in dem Luxusturm direkt am Hudson River.

New Yorker nennen das 15-geschossige Gebäude "Sky Garage". Die Bewohner können dank eines Autoaufzugs den Wagen direkt in ihrem Stockwerk parken. Hier lebt eine schwerreiche Elite, Nicole Kidman und Ehemann Keith Urban sind darunter, Domenico Dolce von Dolce&Gabbana ließ sich sein Doppelpenthouse mehr als 20 Millionen Euro kosten.

Keiner der Bewohner ist zu sehen. Nur ein paar verschwitzte Arbeiter aus der Baustelle im Nachbarhaus mustern die Blumensträuße mit zweifelnden Blicken, während sie ihren Zwei-Dollar-Kaffee aus Pappbechern schlürfen.

Neun Millionen Dollar Schulden

Es kracht und hämmert auf der 24. Straße, Ecke 11. Avenue. Chelsea ist längst eine Millionen-Dollar-Baustelle, kein Viertel mehr für aufstrebende Künstler, sondern für solche, die ihr Vermögen schon gemacht haben. Luxus wird hier aus dem Boden Manhattans gestampft, Luxus, den sich kaum einer leisten kann.

Die Straßen sind fast menschenleer an diesem Vormittag. Ein paar Schritte weiter residiert die Avenues School, eine Privatschule mit fünf Stunden Chinesisch pro Woche und 30.000 Euro Jahresgebühr. Dort lernen Prominentenkinder wie Suri Cruise.

Geht man durch die Seitenstraßen, spürt man das Geld an jeder Ecke. Geschäfte ohne Preisschilder, leere Reihen im Bus, Mittagsangebote für 35 Dollar, und Limousine um Limousine. Hier gehört man nur dazu, wenn man sich schon mal mit einer Null vertun kann.

L’Wren Scott soll sich das nicht mehr haben leisten können. Neun Millionen Dollar Schulden soll die Designerin angehäuft haben.

Ein Abschiedsbrief, sagt die Polizei, sei nicht gefunden worden.

Rolling Stones sagen Tournee ab

Nach ihrem Tod sagten Mick Jagger und seine Rolling Stones ihre gesamte Tour durch Australien und Neuseeland ab. "Es tut uns zutiefst leid", teilten die Stones auf ihrer Homepage mit. Zugleich bedankte sich die Band bei ihren Fans für die "Unterstützung in dieser schwierigen Zeit".