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Zum Tod von Mick Jaggers Freundin L'Wren Scott: Die stolze Frau mit den Millionenschulden

Sie war eine Frau, die offenbar alles hatte: Erfolg, Geld und einen berühmten Mann. Doch Designerin L'Wren Scott steckte vor ihrem Tod in großen finanziellen Schwierigkeiten.

Von Julia Kepenek

Sie waren stets ein Paar, das Aufmerksamkeit erregte. Egal, wo sie auftraten, die Kameras klickten. Er, der smarte Sänger der Rolling Stones, sie, die hübsche Designerin, die ihn um 13 Zentimeter überragte. Mick Jagger und L'Wren Scott galten als Glamourpaar auf dem roten Teppich.

Am Montag erreichte Jagger die schockierende Nachricht in Australien: L'Wren Scott ist tot. Im Alter von 49 Jahren wurde sie leblos in ihrem New Yorker Apartment aufgefunden. Die eintreffenden Sanitäter konnten nur noch ihren Tod feststellen.

Die Umstände sind bisher ungeklärt. US-Medien berichten, Scott habe Selbstmord begangen. Sie sei auf dem Boden knieend gefunden worden, um den Hals einen Schal geschnürt, der an einer Türklinke befestigt war, schreibt die "New York Times". Anderthalb Stunden bevor sie tot aufgefunden wurde, soll Scott einer Mitarbeiterin eine SMS geschickt haben mit der Aufforderung, vorbei zu kommen. Als diese gegen zehn Uhr morgens Ortszeit eintraf, fand sie die Designerin tot in ihrer Wohnung und alarmierte die Polizei.

Nach außen hin führte die am 28. April 1964 geborene Scott ein scheinbar perfektes Leben. Seit 2001 war sie mit Mick Jagger liiert. Das Paar lernte sich am Rande eines Fotoshootings kennen, wo Scott als Stylistin arbeitete. Seitdem pendelten sie zwischen Wohnungen in Paris, London und New York, verbrachten ihre Ferien auf der Karibikinsel Mustique und waren gern gesehene Gäste auf den roten Teppichen dieser Welt.

Ihr Unternehmen schrieb rote Zahlen

Dass diese Frau Geldsorgen plagten, schien ausgeschlossen. Doch Scott soll seit fast fünf Jahren in ernsten finanziellen Schwierigkeiten gesteckt haben, berichtet die "Daily Mail". Ihr Unternehmen LS Fashion Ltd, das sie 2006 gründete, schrieb rote Zahlen. Das Jahr 2012 hatte die Firma mit einem Minus von etwa vier Millionen Euro abgeschlossen. Im Jahr davor waren es rund drei Millionen Euro Verlust, wie aus einer öffentlichen Datenbank des britischen Wirtschaftsministeriums hervorgeht. Zudem soll Scott Kreditgebern rund fünf Millionen Euro geschuldet haben.

Die finanziellen Engpässe seien auch der Grund für ihre kurzfristig abgesagte Modenschau während der Londoner Modewoche gewesen. Scott habe ihre Mitarbeiter nicht mehr bezahlen und keine Präsentation auf die Beine stellen können. Offiziell hieß es, die Show müsse abgesagt werden, weil wichtige Stoffe nicht rechtzeitig geliefert wurden. Luxusläden wie Jeffrey und Saks in New York haben Scotts Kleider aus ihrem Sortiment genommen. Auch ein Indiz, dass die einst gefeierte Designerin Probleme hatte.

Scott wuchs als Adoptivkind von Mormonen auf

Dabei hatte alles so erfolgreich begonnen. L'Wren Scott wuchs in der Kleinstadt Roy, im US-Bundesstaat Utah, auf. Über ihre leiblichen Eltern ist nichts bekannt, denn sie wurde bereits als Baby adoptiert. Ivan und Lula Bambrough nahmen die kleine Luann, wie L'Wren Scotts Geburtsname lautet, zu sich. Die Eltern waren gläubige Mormonen. Sie predigten Verzicht und harte Arbeit. Eine Losung, die Scott verinnerlichte und später maßgeblich für ihren Erfolg verantwortlich machte. Als 17-Jährige wurde Scott von Starfotograf Bruce Weber entdeckt. Er war fasziniert von der 1,91 Meter großen Frau und gab ihr den Rat, als Model nach Paris zu gehen. Scott befolgte ihn und landete mit ihren Endlos-Beinen schnell auf den Laufstegen von Thierry Mugler und Chanel. Zu diesem Zeitpunkt änderte die Amerikanerin ihren Namen: Aus dem Mormonen-Mädchen Luann Bambrough wurde das Model L'Wren Scott.

Mitte der Neunziger kehrte Scott Paris den Rücken und zog nach Los Angeles. Dort etablierte sie sich als Stylistin für A-Promis wie Madonna, Julia Roberts und Nicole Kidman. Auch an Filmsets war ihr kreatives Talent gefragt. "Diabolisch", "Ocean's Thirteen" und "Eyes Wide Shut" sind nur einige von vielen Filmen, für die sie die Kostüme schuf. Auch bei Martin Scorseses Dokumentation "Shine a Light" über die Rolling Stones arbeitete sie mit.

2006 gründete sie schließlich ihr eigenes Modelabel. Unter ihrem Namen vetrieb L'Wren Scott Frauenkleidung, Handtaschen, Düfte und Sonnenbrillen. Zu ihren prominenten Kundinnen gehörten die Schauspielerinnen Amy Adams, Sarah Jessica Parker und Christina Hendricks. Nicole Kidman besuchte die Oscar-Verleihung mehrfach in Kleidern von L'Wren Scott. Selbst First Lady Michelle Obama trug bereits Scott-Kreationen. Die Kleider waren extravagant, gewagt und nicht wirklich alltagstauglich. Für die Gründung ihres Unternehmens erhielt L'Wren Scott finanzielle Unterstützung ihres Lebensgefährten Mick Jagger. Um es jetzt vor der Pleite zu bewahren, bat sie ihn nicht erneut um Geld. Sie sei zu stolz gewesen und habe sich für ihre Situation geschämt, schreibt die "Daily Mail". Soweit bekannt, belaufen sich Scotts Schulden auf circa neun Millionen Euro. Mick Jaggers Vermögen wird auf 220 Millionen Euro geschätzt.