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Erfolg mit "Mission Impossible": Tom Cruise lächelt Scientology-Enthüllungen weg

Die Dokumentation "Going Clear" legte kriminelle Machenschaften bei Scientology offen, Experten glaubten an einen Imageschaden für Fürsprecher Tom Cruise. Doch der lächelt und schweigt. Sein neuer Film "Mission: Impossible - Rogue Nation" könnte gar der erfolgreichste seiner Karriere werden.

Von Andreas Renner, Los Angeles

Tom Cruise

Tom Cruise lächelt alle Kritik an Scientology weg

Da ballert er sich also wieder durch die Welt, der Spezialagent Ethan Hunt. Zum fünften Mal seit 1996 schlüpft Tom Cruise in die Rolle des furchtlosen Agenten in "Mission: Impossible - Rogue Nation". Vor vier Jahren legte Cruise mit "Mission: Impossible - Ghost Protocol" den erfolgreichsten Film seiner Karriere hin mit einem weltweiten Einspielergebnis von knapp 700 Millionen Dollar. 

Das war lange bevor im Frühjahr dieses Jahres eine Dokumentation namens "Going Clear" den Hauptdarsteller und dessen Religionsgemeinschaft Scientology mit kriminellen Machenschaften und der Verletzung von Menschenrechten in Verbindung brachte. Der Film von Alex Gibney, basierend auf dem Buch "Going Clear: Scientology, Hollywood, and the Prison of Belief" von Pulitzer-Preis-Gewinner Lawrence Wright, beschuldigt Scientology unter anderem des körperlichen und psychischen Missbrauchs seiner Mitglieder. Wer ungehorsam ist, muss schon mal Toilettenböden mit der Zunge reinigen. Mitarbeitern zahle man gerade mal 40 Cent pro Stunde, von Sklavendiensten ist die Rede. Unter dem Deckmantel einer Religionsgemeinschaft waren solche Praktiken bislang nicht nur geduldet, sondern am Ende sogar noch steuerbefreit.

Die Dokumentation "Going Clear" sorgte für einen kurzen Aufschrei der Empörung und selbst bei der US-Regierung für Diskussionen, wie man künftig mit Scientology umgehen sollte. Hollywood-Insider waren sicher: auch Scientology-Flaggschiff Tom Cruise würde Schaden nehmen ob der ungeheuerlichen Anschuldigungen gegen Scientology, die derart entlarvend waren, dass er nicht mehr länger schweigen könne und Stellung beziehen müsse, um sich zumindest von einzelnen Praktiken zu distanzieren. Doch Cruise schwieg. Dann begab er sich auf eine Pressetour für "Mission: Impossible - Rogue Nation". Spätestens da musste doch die Frage nach den Anschuldigungen gegen seine Glaubensgemeinschaft kommen, dachte man. Stattdessen lieferte sich Cruise jüngst einen "Lip Sync Battle" mit Jimmy Fallon in dessen "The Tonight Show". Sympathie-Werbung in eigener Sache, aber kein Wort zu "Going Clear".

Jon Stewart plaudert lieber über Fitness

Selbst der gerade zurückgetretene politische Wadenbeißer Jon Stewart hatte in seiner bissigen "The Daily Show" nicht den Mumm, Cruise auf das Unrechtssystem Scientology anzusprechen. Stattdessen plauderte er mit ihm ungezwungen über dessen Fitness-Routine und die Wichtigkeit einer guten Ernährung mit 53. "Was für eine verschwendete Chance. Ein Mann mit den rhetorischen Fähigkeiten und der Intelligenz von Stewart hätte Cruise konfrontieren müssen. Und die Welt daran erinnern, dass ein Filmstar massive Menschenrechtsverletzungen einfach weglächeln will", sagt "Going Clear"-Regisseur Alex Gibney.

Der Filmemacher kritisiert, dass Cruise ungeachtet der Anschuldigungen als Mit-Produzent der "Mission: Impossible"-Filmreihe weiterhin ungestört Werbung machen darf für seine Projekte, die ihm viele Millionen von Dollar in die Kasse spülen - und damit wohl auch in die Schatullen von Scientology. "Tom Cruise ist kein normales Mitglied von Scientology, der private Fragen zu seiner Religion in Interviews ausschließen kann. Er gehört zum Führungszirkel der Gemeinschaft und müsste sich daher der Verantwortung stellen", glaubt Gibney. Doch das "Produkt" Tom Cruise, ein Power-Player in Hollywood, hält eben nicht nur bei Scientology die Zügel in der Hand, sondern auch im Filmgeschäft. So lange sich mit ihm Geld verdienen lässt, werden seine Forderungen akzeptiert. Wer ihn also in seiner Talkshow haben möchte, um damit im Kampf um Quoten zu punkten, der muss ich entscheiden: verzichtet man auf alle zu privaten Fragen wie zu Scientology, setzt sich Cruise gerne auf das Talksofa und lächelt. Wenn nicht, dann nicht.

Das System Tom Cruise funktioniert. Trotz Scientology-Skandal. Die harmlose Image-PR und die für seinen neuen Film fruchten. "Mission: Impossible - Rogue Nation" startete in den USA am ersten Wochenende mit einem Einspielergebnis von 55,5 Millionen Dollar und weltweit mit 134 Millionen Dollar. Weit besser als der Vorgänger - es scheint, Tom Cruise übertrumpft sich wieder mal selbst. Und bei Scientology läuft unterdessen alles wie gehabt. 

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