HOME

Was macht eigentlich ...: ... Andreas Kaplan?

Der Thüringer war elf Jahre lang engster Mitarbeiter des Münchner Modezaren Rudolph Moshammer - und fand ihn vor vier Jahren erdrosselt in dessen Villa.

Herr Kaplan, sind Sie es nicht inzwischen satt, ewig der "Chauffeur vom Mosi" zu sein?

Ach nee, das war doch ein wichtiger Lebensabschnitt. Und ich kann mit dem Kapitel auch nicht so einfach abschließen. Schauen Sie, ich lebe in der Wohnung, die mir der Herr Moshammer vererbt hat, die er für mich eingerichtet und dekoriert hat. Ich lebe mit der Erinnerung.

Und mit einigen Kilo Blattgold.

Nein. Das ist alles mit so viel Sympathie gestaltet worden. Da passt alles harmonisch zusammen.

Fehlt er Ihnen?

Ja. Ich bin ihm ewig dankbar. Ich habe viel von ihm gelernt. Den Umgang mit Menschen, die Disziplin, das Durchsetzungsvermögen, die Sparsamkeit und den Perfektionismus.

Vermissen Sie die Glitzerwelt?

Nein. Ich will mit dieser Schickimicki- Gesellschaft nichts zu tun haben. Ich passe da nicht rein, ich bin von Haus aus Arbeiter. Ob ich wie früher Rolls-Royce fahre oder wie heute Seat, ist mir völlig egal.

Zumindest müssen Sie im Seat keine weißen Handschuhe tragen.

Das habe ich gern gemacht. Das gehört zu einem Rolls-Royce- Chauffeur ja auch einfach dazu. Auch die Mütze und die Anzüge - das hatte Stil. Heute brauche ich die Anzüge fast nur noch, wenn ich ihn besuchen gehe.

Gehen Sie oft zum Grab?

Das letzte Mal war ich, als die Finanzkrise angefangen hat. Da habe ich ihm gesagt, dass er recht behalten hat.

Sie reden mit ihm?

Ja. Ich sage zum Beispiel auch: "Chef, Sie sind wirklich ein Depp, dass Sie auf diese Art und Weise aus der Welt geschieden sind." Das hätte er nicht nötig gehabt, das halte ich ihm auf ewig vor. Na ja, es lässt sich heute ja nicht mehr ändern, da muss man jetzt mit fertig werden. Mir hilft meine Arbeit, das zu verdrängen.

Wir dachten, Sie hätten geerbt.

Ich bekomme 1500 Euro im Monat, damit könnte ich locker auskommen. Aber nur zu Hause rumsitzen, da wirst du ja rammdösig. Ich habe zwei gesunde Hände, ich kann arbeiten. Und ich kenne ja so viele Leute ... Es kamen immer wieder Anfragen, ob ich nicht Gartenarbeiten übernehmen wollte. Damit alles korrekt läuft, habe ich mir einen Gewerbeschein geholt.

Es ging Ihnen nicht immer so gut wie heute ...

Ich hatte eine schwere Phase. Von einer auf die andere Sekunde hat sich mein ganzes Leben geändert. Dann kam der Alkohol. Wissen Sie, die ersten anderthalb Jahre hatte ich ja die Daisy bei mir gehabt. Sie war an ständige Aufmerksamkeit gewöhnt, konnte nie allein sein. Mir waren einfach die Hände gebunden.

Andere hätten den Köter im Wald ausgesetzt.

Aber um Himmels willen, so herzlos kann doch keiner sein! Wir waren doch zwölf Jahre zusammen. Daisy und ich haben ja fast zur gleichen Zeit beim Herrn Moshammer angefangen. Als sie bei mir war, habe ich der Daisy erst mal das echte Hundeleben beigebracht: Gassi gehen und überall schnuppern und so. Das hat sie amüsiert. Sie ist richtig aufgeblüht.

Und nun ist auch sie nicht mehr …

Doch! Ihre Seele ist beim Herrn Moshammer im Himmel, und die Urne mit ihrer Asche steht bei mir in der Vitrine. So haben wir alle was von ihr.

Warum ist sie nicht im Mosi-Mausoleum?

Die Friedhofsverwaltung hat gesagt, das sei ein humaner Friedhof, da haben Tiere nix verloren.

Friedrich II. wurde auch neben seinen Windhunden begraben.

Irgendwie sind die Zeiten heute eben doch spießiger.

Interview: Christoph Wirtz / print
Themen in diesem Artikel