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Was macht eigentlich ...: ... Chris Howland?

Als Brite vom Dienst moderierte er in den 50er Jahren im Radio, später präsentierte er im Fernsehen die Sendung "Vorsicht Kamera!". Sich selbst gab er den Spitznamen Heinrich Pumpernickel.

Mister Howland, Sie leben seit mehr als 60 Jahren in Deutschland ...

... ich war der erste Gastarbeiter in Funk und Fernsehen!

... bestimmt sprechen Sie längst akzentfrei Deutsch ...

No, no!

... und mimen den radebrechenden Briten nur für Ihr Publikum.

Ich rede immer so, fragen Sie meine Frau. Seit ich 1948 als Soldat nach Hamburg kam, habe ich mich nie groß bemüht, die Sprache zu lernen. Meine erste Radiosendung moderierte ich, ohne ein Wort zu verstehen. Ich habe auf Englisch meinen Text geschrieben, ihn von der Frau eines Kollegen übersetzen lassen und die deutsche Fassung abgelesen. Nie hätte ich gedacht, dass ich lebenslänglich hier bleibe. Ich wollte nach Amerika, mein Traum war eine Filmkarriere in Hollywood.

Dafür durften Sie in Deutschland in den Karl-May-Filmen mitspielen.

Wissen Sie, dass ich kurz davorstand, mit Charlton Heston zu drehen? Der machte einen Film in München, mein Manager schickte mich zum Casting. Was er mir nicht gesagt hatte: Gesucht wurde ein Zwei-Meter-Mann, der Hestons Leibwächter spielt. Was glauben Sie, wie die mich kleinen Schwächling ausgelacht haben!

Stattdessen wurden Sie einer der ersten Discjockeys im deutschen Radio.

"Schallplattenjockey"! Mein Chef beim Nordwestdeutschen Rundfunk meinte, die Hörer würden es sonst nicht verstehen. Weil jeder Jockey ein Pferd braucht, hab ich in der ersten Sendung Wiehern und Galoppieren eingespielt.

Revolutionär. Heute moderieren Sie für den Seniorensender WDR 4.

Ein Studio ist für mich etwas Heiliges, ich sitze mit der gleichen Ehrfurcht hinterm Mikro wie am Anfang meiner Karriere. Seit drei Jahren mache ich wieder dieselbe Sendung, die ich in den Fünfzigern moderiert habe: "Spielereien mit Schallplatten".

Nur dass es heute im Studio keine Schallplatten mehr gibt.

Die Musik kommt, glaube ich, aus dem Computer. Aber die Stücke wähle ich alle selbst aus.

Auch Ihre eigenen Hits: "Und dann hau ich mit dem Hämmerchen mein Sparschwein ..."?

Ich spiele nur Platten von Leuten, die singen können. Frank Sinatra, Louis Armstrong, Doris Day.

Michael Jackson?

Seine Musik war nicht meine. Aber ich habe ihn für seinen Erfolg bewundert. In einer der nächsten Sendungen werde ich ein Lied von ihm spielen. Als Dankeschön.

Sie sind jeden zweiten Mittwoch auf Sendung.

Ich habe ja noch andere Projekte. In Trossingen, da unten bei Freiburg, habe ich gerade in einem Musical über Wernher von Braun mitgespielt, den Raketenbauer und Weltraumpionier. Ich war der Erzähler, das war sehr bequem, ich durfte auf einem Stuhl sitzen und aus einem Buch vorlesen.

Sie hatten mal angekündigt, selbst Bücher schreiben zu wollen.

Drei hab ich schon fertig. Das erste, "Yes, Sir!", erscheint demnächst, es ist meine Autobiografie. Die beiden anderen sind Romane. Der eine erzählt von einem Mann, der plötzlich feststellt, dass er das Wetter kontrollieren kann und somit schuld ist am Klimawandel. Der zweite ist eine Persiflage auf James Bond, die Geschichte eines Möchtegernagenten, der nur Scheiße baut.

Auf Ihrer Internetseite werden Sie wie folgt beschrieben: "Er ist einzigartig! Er ist DIE Bereicherung für jede Veranstaltung! Die Kultfigur des deutschen Fernsehens und des deutschen Schlagers der 60er!"

Das steht da? In so wenigen Sätzen so viel zu lügen - Hut ab!

Interview: Alexander Kühn / print