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Was macht eigentlich ...: ... Rodney King?

Der Bauarbeiter wurde 1991 in Los Angeles nach einer Verfolgungsjagd von der Polizei brutal verprügelt. Die Beamten wurden anschließend freigesprochen. Das Urteil löste schwerste Unruhen aus.

Sie waren gerade in "Celebrity Rehab" zu sehen, einer Mischung aus "Big Brother" und Entziehungskur. Warum der öffentliche Alkoholentzug?

Das war mein vierter oder fünfter. Die Presse berichtete eh über jeden, warum also nicht gleich vor laufender Kamera? Seit neun Monaten bin ich nun trocken.

Wann haben Sie mit dem Trinken angefangen?

Mit acht. Meine Oma kelterte Wein im Keller, der schmeckte wunderbar. Mit 16 trank ich jeden Tag. Mein Vater war Alkoholiker. Er starb mit 41 Jahren.

Als die Polizei Sie damals anhielt, hatten Sie 1,9 Promille. Sie fuhren zu schnell, stoppten erst nach zwölf Kilometern Verfolgungsjagd und benahmen sich angeblich seltsam. Die Cops vermuteten, dass Sie unter Drogen standen …

Was nachweislich nicht stimmte, ich war bloß beschwipst. Ich hatte oft genug gesehen, wie Cops meinen Vater zusammengeschlagen hatten, und wollte abhauen. Als das nicht klappte, befolgte ich alle Anweisungen - und wurde trotzdem verprügelt.

Sie waren auf Bewährung, hatten 13 Monate für einen Raubüberfall auf einen Krämerladen abgesessen …

Richtig. Nicht, weil ich den Besitzer mit einem Moniereisen angegriffen hatte, wie er behauptete. Ich schmiss lediglich mit Kuchen nach ihm, als er mich festhielt.

Sie Unschuldslamm ...

Nein, ich bin kein Engel! Natürlich hätte ich nicht betrunken mit dem Auto rasen sollen. Vielleicht aber hat mir die Kontrolle das Leben gerettet: Einer meiner Mitfahrer kam wenig später bei einem Autounfall ums Leben.

Vier Polizisten wurden damals angeklagt, aber im ersten Prozess von einer überwiegend weißen Jury freigesprochen. Kurz danach brachen in Los Angeles Aufstände aus. Was haben Sie da gefühlt?

Ich hätte am liebsten mitrandaliert. Aber als es Verletzte und Tote gab, trat ich vor die Kameras und wollte die Menschen beruhigen. Am meisten Trost spendete mir Präsident Bush senior: Er ließ mir ausrichten, dass man die Polizisten drankriegen würde.

Sie bekamen 3,8 Millionen Dollar Schmerzensgeld. Ist was übrig?

Nicht viel. Ich habe ein Haus für meine Mutter gekauft und eine Plattenfirma gegründet. Doch die ging pleite. Das meiste Geld ging für meine Anwälte und meine Scheidung drauf.

Denken Sie oft an diese Nacht?

Jeden Tag. Manche Knochen tun mir heute noch weh, und manchmal habe ich Migräne und Albträume.

Haben Sie noch mal von den Cops gehört?

Nein. Es gab Pläne, einen Boxkampf zwischen einem von ihnen, Laurence Powell, und mir zu veranstalten, aber der machte einen Rückzieher. Schade: Ich würde jederzeit gegen jeden von ihnen in den Ring steigen. Nicht um sie zu bestrafen. Nur zum Spaß.

Werden Sie trocken bleiben?

Ich denke jeden Tag an Alkohol, aber ich kämpfe gegen die Versuchung an. Ich arbeite wieder in der Baufirma meines Bruders. Ich gehe zu Treffen der Anonymen Alkoholiker. Ich trainiere jugendliche Baseballteams. Ich surfe. Wenn nichts los ist, gehe ich fischen. Die besten Reviere gehören zum San Bernardino Sheriff's Department. Wer hätte gedacht, dass ich mal im Teich des Sheriffs angeln würde?

Gibt es noch andere Pläne?

Es sollen ein Film und ein Buch über mich erscheinen. Dazu muss ich aber aus alten Verträgen rauskommen. Einmal mehr muss ich mich mit Anwälten rumschlagen. Ich bin es so leid. Seit 1991 ist mein Leben ein einziges Chaos.

Interview: Severin Mevissen / print