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Was macht eigentlich ...: ... Rötger Feldmann?

Der gelernte Lithograf aus Schleswig-Holstein erfand in den späten Siebzigern die Comicfigur Werner. Die Geschichten um den motorradversessenen Klempnerlehrling wurden zum überraschenden Millionenerfolg.

Herr Feldmann …

Sach du.

Alles klar. Wie geht's?

Ich könnte jetzt positive Antworten geben oder Depri-Antworten.

In dieser Reihenfolge, bitte.

Eigentlich bin ich ganz zufrieden und glücklich. Hier aufm Land isses schön. Hier gibt's keine Erdbeben, keine Waldbrände, keine Hurrikans. Ich warte jetzt nur noch ein bisschen, bis der Meeresspiegel steigt, und dann stelle ich mir ein Wasserflugzeug vor die Haustür.

Aha. Und die Kehrseite der Medaille?

Ich verkauze so langsam. Manchmal lege ich mich ins Bett und gucke Fußball. Die Bundesliga ging mir früher am Arsch vorbei! Da war ich jung, wollte raus in die Welt und gucken, was los ist. Wochenlang ohne Plan durch die Gegend. Jetzt hab ich mir hier so 'ne Riesenhütte angeschafft und muss die erhalten. Ein Wohnwagen wäre echt praktischer.

Besitzstandselend?

Ja klar, man versklavt sich. Aber trenn dich mal von der Bequemlichkeit! Am besten wäre ein Feuerzeug und zack!, und man ist wieder frei. Andererseits ärgert man sich nach sechs Wochen im Zelt bestimmt doch, wenn man vorher die Butze angezündet hat. Außerdem kann ich hier ja mal ein Werner-Museum draus machen.

Das wird auch Zeit. Du bist fast 60.

Kurz davor.

Und immer noch Rocker?

Mann, richtige Rocker gibt's heute doch gar nicht mehr. Ich bin vielleicht so was wie ein Computerrocker. Da sitze ich ständig dran. Manchmal fahre ich noch raus wie früher: offenes Hemd, Schlappen an, frei im Wind. Ich lach mich dann immer über die greisen Silberpappeln auf ihren Harleys schlapp. Die ham vier lange Unterhosen an, und beim Tanken läuft denen das Wasser in die Stiefel.

Mit Motorradrennen ist es aber vorbei?

Wer weiß. Irgendwann muss ich ja mal gewinnen. Vielleicht aber erst beim Rollstuhlrennen. Und der Verlierer frisst 'ne Tube Rheumasalbe.

Was ändert sich sonst mit 60?

Keine Ahnung. Vermutlich fallen einem die Zähne raus, und man sieht scheiße aus.

Wird man spießig?

Da hab ich gar keine Zeit für. Ich sitze ja dauernd am Computer und muss arbeiten. Die alten "Werner"-Hefte werden für die Sammelbände umgearbeitet und digital aufgepeppt. Außerdem zeichne ich "Werner"-Kalender und habe gerade das Drehbuch für einen neuen Film geschrieben.

Oh nein! Werner ist doch inzwischen nur noch flach und langweilig!

Was heißt inzwischen? Werner war immer flach! Und langweilig? Ich bin da betriebsblind. Ich habe schon früher mit mir gehadert und mich gefragt: Ist das jetzt witzig oder nicht? Manche Geschichten haben keinen Anfang und kein Ende, keine Moral. Manche sind auch einfach unter Druck entstanden, das merkt man. Aber meine Neffen und ihre Kollegen sind jetzt so um die 13, und die finden Werner immer noch cool. Wundert mich selbst.

Nicht so bescheiden! Immerhin hast du mit deinem Werner die Sprache Goethes um die zeitlose Wendung "Hau wech die Scheiße!" bereichert.

Stimmt. Aber Goethe war trotzdem besser. Von dem ist "leck mich am Arsch".

Interview: Christoph Wirtz / print
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