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Was macht eigentlich ...: ... Roland Stein?

Als 21-Jähriger sorgte er für eine der größten Sensationen im DFB-Pokal: Mit seinem Tor zum 1:0-Endstand warf der TSV Vestenbergsgreuth 1994 den FC Bayern in der ersten Runde aus dem Wettbewerb.

Herr Stein, erinnern Sie sich noch, wie es zu Ihrem legendären Treffer gekommen ist?
Klar: Wir erkämpften im Mittelfeld den Ball, dann brachte Wolfgang Hüttner die Flanke von rechts auf den kurzen Pfosten, und da hab ich den Kopf hingehalten. Das Ding war unhaltbar.

Wo war die Bayern-Abwehr mit Helmer, Babbel und Matthäus?
Lothar Matthäus stand direkt hinter mir. Aber ich bin ganz frei zum Kopfball gekommen.

Kurz darauf war Halbzeit. Haben Sie da schon an die Sensation geglaubt?
Wir waren in der Kabine natürlich total aufgedreht, aber alle dachten, die Bayern brennen gleich ein Feuerwerk ab.

Doch es blieb beim 1:0.
Wir hielten hinten dicht, das Stadion stand kopf und ich total unter Adrenalin. Nach dem Schlusspfiff waren die Bayern am Boden zerstört, sind gleich in die Kabine verschwunden. Ich wollte eigentlich noch ein Souvenir besorgen, aber die wurden abgeschottet.

Was wollten Sie denn ergattern?
Am liebsten das Trikot oder die Handschuhe vom Kahn.

Das wäre vermutlich einfacher gewesen, wenn die Bayern gewonnen hätten …
Wenn man es so sieht, ist das damals dumm für mich gelaufen. Aber wenigstens mein eigenes Trikot habe ich noch.

Und dann wurde heftig gefeiert.
Allerdings. Es wurde eine lange Nacht in Nürnberg, und ich wollte am nächsten Tag eigentlich freimachen.

Sie waren 21 damals. Was machten Sie überhaupt beruflich?
Ich war Betriebsschlosser bei der Teefirma Martin Bauer und wohnte noch bei meinen Eltern auf dem Dachboden. Den freien Tag danach hat man mir genehmigt, aber letztlich wurde nichts daraus. Meine Mutter warf mich um acht aus dem Bett, weil ich unzählige Interviews geben sollte.

Hat man Ihnen in Vestenbergsgreuth ein Denkmal gebaut?
Das nicht. Aber es gibt einen Gedenkstein vorm Sportheim und bis heute den "1 : 0-Früchtetee" im Fan-Shop von Greuther Fürth. Auf dem Etikett steht: "Erhöht die Schussbereitschaft - steigert den Torinstinkt."

Am kommenden Sonntag spielen die Bayern im Pokal gegen Neckarelz. Sie sollten dem Außenseiter eine Kiste Früchtetee schicken.
Gute Idee! Aber wenn die es schaffen, lange ein 0 : 0 zu halten, haben sie sogar als Verbandsligist eine kleine Chance. Wacker Burghausen hat vor zwei Jahren auch erst im Elfmeterschießen gegen die Bayern verloren.

Waren Sie im Stadion?
Ja. Die hatten mich als Glücksbringer eingeladen, und fast hätte ich gewirkt.

Spielen Sie noch Fußball?
Zuletzt war ich Trainer vom FC Strullendorf, meinem Heimatverein. Wir sind aber abgestiegen, und jetzt bin ich Spielertrainer bei DJK Mistendorf in der untersten Spielklasse im Kreis Bamberg. Wir wollen aufsteigen.

Was machen Sie sonst in Strullendorf?
Ich bin Landwirt und betreibe mit meinem Bruder eine Schweinezucht. Wir haben rund 1000 Tiere und bauen auf 85 Hektar Land Futtergetreide an.

Denken Sie noch oft an Ihr goldenes Tor?
Ab und zu. Zum zehnjährigen Jubiläum haben wir ein großes Fest auf dem Hof veranstaltet. Mit Zelt, Bierausschank und dem ganzen Spiel auf Großleinwand.

Wenn Sie das Tor heute sehen …
… kriege ich immer noch Gänsehaut. Immer wieder.

Interview: Patrick Kiefer / print
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