HOME

Was macht eigentlich...: ...Aleksandar Ristic?

Er galt als einer der unterhaltsamsten Trainer der Fußballbundesliga: Der Bosnier, höchst beliebt bei Fans und Medien, trieb so manchen Clubchef zur Verzweiflung.

Herr Ristic, seit Ihrer letzten Trainerstation bei Union Berlin sind eineinhalb Jahre vergangen; was haben Sie seither gemacht?

Ich hatte eine Hüftoperation und eine lange Reha. Jetzt bin ich aber wieder völlig fit. Heißt das zurück ins Trainergeschäft? Klar würde ich gerne noch ein oder zwei Jahre als Trainer arbeiten. Egal, ob der Verein aus der ersten, zweiten oder dritten Liga kommt. Ich kann aus jeder Mannschaft fünf bis zehn Prozent mehr herausholen, bei manchen sogar 15.

In den vergangenen Wochen gab es etliche Trainerwechsel. Warum fiel nie Ihr Name?

Ich habe mich nicht angeboten. Viele wussten, dass ich eine OP hatte, und wissen nicht, dass ich wieder alles machen kann. Ich arbeite auch nicht mit großen Glocken und Managern, die mich überall anbieten. Ich warte auf einen Verein, der mich anspricht. Das habe ich immer so gehalten.

Das heißt, Sie sitzen vor dem Telefon und warten auf Anrufe von Sportdirektoren?

Nein. Ich war jetzt lange in Dubrovnik. Wir haben dort ein Haus und fünf Monate Sommer, ideal zum Erholen. Hier in Düsseldorf lese ich viel und schaue Fernsehen. Es kommt viel Fußball im Fernsehen, das ist gut. Aber es gibt dann auch ab und zu Ärger in der Familie, dann muss ich umschalten und Serien oder Spielfilme gucken. Ist aber auch kein Problem.

Da würde es sich ja anbieten, in Ruhe und ohne Ihre Frauen ins Stadion zu gehen.

Ich gehe fast nie ins Stadion. Wenn ein Trainer gerade nicht arbeitet und zu einem Spiel geht, heißt es gleich, der Stuhl vom Kollegen wackelt. Darum gucke ich mir ganz selten Spiele live im Stadion an.

Sie gelten als einer der letzten "Typen" im Trainergeschäft; so sind Sie mal als Weihnachtsmann zur Pressekonferenz erschienen.

Das stimmt. Früher gab es einfach mehr Spaß im Fußball. Mit Spaß kann man Stress abbauen. Peter Neururer und Hans Meyer, die gerade zurückgekommen sind, können auch lustig sein.

Und den Spaß vermissen Sie?

Natürlich kann man nicht lachen, wenn man auf einem Abstiegsplatz steht und dann vielleicht noch Fehlentscheidungen des Schiedsrichters dazukommen. Aber generell muss man eine gewisse Lockerheit behalten. Ich weiß aus eigener Erfahrung: Man kann Späßchen machen und dabei ein schweres Herz haben.

Fans und Medien haben Sie geliebt, Ihre Präsidenten haben Sie dagegen oft zur Weißglut getrieben...

Ich habe mich immer getraut, den Mund aufzumachen. Wenn ich der Meinung war, dass ein Präsident keine Ahnung vom Fußball hat, habe ich das eben gesagt. Mit dem einen oder anderen gab's dann Probleme. Aber für die sportliche Abteilung bin ich verantwortlich, da lasse ich mir nicht reinreden.

Ihre Spieler hatten es manchmal auch nicht leicht. Sie haben mal zwei aus dem Kader geworfen, weil die kurz vor einer Partie Backgammon gespielt haben.

Das war nach dem Mittagessen, da sollen die Spieler auf ihre Zimmer und ins Bett gehen und eventuell was lesen. Die müssen nicht schlafen, aber nicht irgendwo etwas spielen. Egal, ob Backgammon oder Minigolf - das geht nicht.

Sollten Sie als Trainer zurückkommen, werden sich Schiedsrichter besonders freuen...

Stimmt, denen habe ich früher immer Bonbons mitgebracht, um ihnen ein bisschen die Anspannung zu nehmen. Schiedsrichter stehen doch immer so unter Druck. Meistens waren es die blauen Pfefferminzbonbons mit dem Bären. Die sind auch gut für die Stimme.

Was machen Sie, wenn es mit dem Comeback doch nicht klappt?

Dann bin ich halt Rentner und kann endlich wieder öfter ins Stadion gehen.

Interview: Richard Jürgens

print
Themen in diesem Artikel