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Was macht eigentlich...: ...Julian Nida-Rümelin?

Zwei Jahre war der Philosoph und Politikwissenschaftler im ersten Kabinett Schröder verantwortlich für die Kultur.

Herr Professor, Ihren Nachnachfolger als Kulturstaatsminister hat Angela Merkel erst am Tag ihrer Wahl aus dem Hut gezaubert...

...das war auch höchste Zeit.

Gut Ding will Weile haben.

Es ist kein gutes Zeichen, dass die Kultur offenbar nur ganz am Rande der Koalitionsverhandlungen eine Rolle gespielt hat. Klar, Arbeitslosigkeit und Haushalt sind drängende Themen - aber das waren sie 1998 auch, und damals hat Schröder die Kultur zu einem zentralen Thema der Bundespolitik gemacht. Der neue Staatsminister Bernd Neumann sieht sich ja als Vollblutpolitiker und nicht als Schöngeist. Das ist ihm unbenommen, aber dieses Amt muss eine Brücke schlagen zwischen Politik und Kultur. Das erfordert Offenheit, Neugierde, Sensibilität - das lernt man nicht automatisch als langjähriger Parteipolitiker. Ich wünsche ihm jedenfalls viel Erfolg!

Sie hatten bereits 2002 Ihr Bündel gepackt, nach zwei Jahren als Staatsminister. Macht dieser Job so wenig Spaß?

Die Uni Göttingen hatte meinen Lehrstuhl seit 1998 freigehalten, als ich Münchner Kulturreferent wurde. Nach vier Jahren teilte mir der Uni-Präsident mit, er könne auf einen, wie er sich ausdrückte, Gelehrten meines Ranges nicht länger verzichten. Sprich: Entweder ich komme zurück, oder die Stelle wird neu besetzt. Damit hätte ich meinen Status in der Wissenschaft eingebüßt, wäre abhängig geworden von der Politik. Meine Unabhängigkeit war und ist mir wichtig. Deshalb bin ich erst zurück nach Göttingen, habe dann einen Ruf nach München angenommen.

Sie sind Honorarprofessor in Berlin, stellvertretender Vorsitzender des Kulturforums der SPD, Sie reisen, halten Vorträge, schreiben Bücher. Bekommen Ihre Studenten Sie oft zu Gesicht?

Ein Professor ist hier für 300 Studenten zuständig, das ist Wahnsinn. Ich kenne gar nicht alle persönlich. Aber ich bin fast jeden Tag an der Uni. Wenn's das Wetter erlaubt, komme ich mit dem Fahrrad, bin gegen 9 Uhr im Büro. Heute hatte ich von 10 bis 12 Uhr eine Übung über die Logik kollektiver Entscheidungen, von 14 bis 16 Uhr Sprechstunde, von 16 bis 18 Uhr eine Sitzung als Institutsdirektor, von 18 bis 20 Uhr ein Oberseminar über Ethik.

Und in Ihrer Freizeit?

Bin ich mit meiner Frau und unserer zweijährigen Tochter unterwegs. Es ist spannend zu sehen, wie sich die Persönlichkeit so rasch entwickelt, unsere Tochter spricht schon kurze Sätze, allerdings besser auf Französisch als auf Deutsch, und will permanent, dass man ihr aus Büchern vorliest. Ich gehe auch wieder regelmäßig ins Fitnessstudio, fahre Ski, tauche und schwimme. Ich bin froh, dass ich wieder mehr Zeit für Sport habe, unter uns: In meiner Zeit als Politiker hatte ich zwölf Kilo zugenommen.

Jaja, die vielen Festessen.

Man wird nicht so oft eingeladen, wie Sie denken. Nur hat man kaum Zeit für ein ordentliches Mittagessen, trinkt viel Kaffee und stopft sich mit Keksen voll.

Sie gehen sicher viel in die Oper.

Ich bin kein Opernfan, aber ich gehe ins Theater und ins Kino; am meisten interessiert mich moderne bildende Kunst.

Und gemütliche Fernsehabende?

Nein, die Tagesthemen, wenn ich rechtzeitig zu Hause bin; morgens auch MTV.

Auf was stehen Sie denn?

Eine meiner Lieblingsbands ist Depeche Mode. Katie Melua, auch Eminem mag ich, Shakira ist nett, macht aber nicht meine Musik. Und beim Autofahren hör ich neben Klassik gern Techno-CDs, zum Beispiel Tranceology.

Interview: Alexander Kühn

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