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WAS MACHT EIGENTLICH ... ?: Manolo

Der Türke Manolo - mit echtem Namen Ethem Özeremler - ist seit mehr als 20 Jahren eine Fan-Legende: Als Trommler feuert er die Mannschaft von Borussia Mönchengladbach an.

Der Türke - mit echtem Namen Ethem Özeremler - ist seit mehr als 20 Jahren eine Fan-Legende: Als Trommler feuert er die Mannschaft von Borussia Mönchengladbach an.

Zur Person:

Manolo, 63, arbeitet in einer Spinnerei in Mönchengladbach. Er ist geschieden und hat zwei fast erwachsene Kinder. Seit 1977 sitzt Manolo in der Gladbacher Nordkurve, immer am selben Platz. Seinen Spitznamen hat er von einem Fan namens Manolo, der bei den Spielen der spanischen Nationalmannschaft als Einpeitscher trommelt, sogar vom Verband Reisekosten und Spesen ersetzt bekommt. Der deutsche Manolo darf sich in der Halbzeitpause einen Gratiskaffee holen.

Manolo, man nimmt Sie kaum noch wahr. Trommeln Sie zu leise?

Seit 1977 schlage ich dieselbe Trommel immer gleich laut, immer in der Nordkurve, Block 16. Es hat sich nichts verändert.

Aber heutzutage machen alle so etwas. Jeder kann sich eine Trommel besorgen.

Aber keiner trommelt wie ich.

Was ist denn Ihr Trick?

Ich trommle so, wie der frühere Trainer Hennes Weisweiler gedacht hat. Immer wenn Gladbach in Rückstand kam, hat Weisweiler sofort auf Angriff geblasen. Das mache ich auch.

Wie geht das?

Bamm-bamm-bammbammbamm, bammbammbammbamm-bammbamm. Das ist zum Beispiel für die Fans. Oder bei einem Eckball: Bamm-bamm-bammbamm, bamm-bamm-bammbamm. Ein Konterangriff: Bamm-bamm-bamm-bamm-bamm-bamm-bamm-bamm. Mit meinem Trommeln kann ich die Spieler sogar auffordern, den Ball zu passen. Oder den Ball zu halten. Das mache ich mit einem einzigen Trommelschlag.

Und das funktioniert?

Wenn wir gut eingespielt sind, dann ja. Ich wollte meine Trommel mal mit einem elektronischen Verstärker lauter machen, aber das war sehr teuer. Der Verein wollte mir das auch nicht bezahlen. Deswegen bin ich ein bisschen sauer. Und eine Zeit lang konnte ich nicht trommeln, weil mir meine Trommel kaputtgegangen war. Es war kalt, da habe ich sie fallen lassen, und da war der Spannring kaputt. Das war vor ungefähr einem Jahr, da spielte Gladbach noch in der zweiten Liga.

Wie war es, als Gladbach abgestiegen ist?

Das ist mir sehr an die Knochen gegangen. Ich habe viel Gewicht verloren, 15 Kilo ungefähr. Dann habe ich mir überlegt, wie der Verein wieder hochkommen könnte. Die Last lag ja auch auf meinen Schultern. Damals habe ich eine Zeit lang sogar Spiele boykottiert, um den Spielern zu zeigen, dass sie unbedingt etwas tun müssen.

Kennen die Spieler Sie persönlich?

Ja, alle. Mein Liebling ist der frühere Torwart Uwe Kamps. Den jetzigen Torwart finde ich nicht so gut. Der läuft zu weit aus seinem Tor heraus.

Und kennen die Fans Sie noch alle?

Ich gehe immer allein zu den Spielen. Aber selbst wenn ich die Fans nicht kenne, erkennen die Fans mich.

Gehen Sie zu jedem Spiel?

Zu den Auswärtsspielen nicht. Ich kriege von meiner Firma leider nicht mehr so oft frei. Aber nächstes Jahr gehe ich in Rente, dann muss ich endlich keinen mehr um Erlaubnis fragen.

Will der Verein nicht mal mit der Firma reden, damit Sie auch jetzt schon auswärts dabei sein können?

Das haben wir schon versucht. Aber ich habe von der Firma schon einmal eine Abmahnung bekommen.

Gladbach spielt zurzeit auch zu Hause oft ziemlich schlecht. Wo landet die Mannschaft am Ende?

Es ist eine schwierige Saison. Wenn sie in die zweite Liga absteigen, sehe ich schwarz. Dann rutschen sie in die Regionalliga ab.

Würden Sie trotzdem hingehen?

Ja. Ich bin verrückt danach.

Wenn Sie nächstes Jahr in Rente gehen, haben Sie ja auf jeden Fall genug Zeit für alle Spiele von Gladbach. Aber was machen Sie an den Wochentagen?

Wenn keine Saison ist, fahre ich in die Türkei. Wenn Saison ist, gehe ich zum Training der Mannschaft. Und wenn ich darf, komme ich mit meiner Trommel.

Interview: Marc Schürmann