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Was macht eigentlich...: ...Susan Stahnke?

Mit 24 Jahren war sie jüngste Nachrichtensprecherin der "Tagesschau". 1999 kündigte sie nach der Aufregung um Fotos als tief dekolletierter "Blauer Engel".

Hoppla - braune Haare? Da könnten Sie aber nicht mehr ohne Weiteres bei der "Tagesschau" anfangen...

Ach was, da hat sich doch auch einiges geändert, blond muss nicht mehr unbedingt sein. Dunkelblond ist meine echte Haarfarbe. Wenn ich endlich mal Urlaub hätte und in die Sonne käme, wäre ich ganz schnell wieder hellblond.

Haben Sie je Ihren Ausstieg bei der ARD bereut?

Ich verstehe bis heute die Aufregung um die Fotos nicht, selbst Dagmar Berghoff, die spätere Chefsprecherin der "Tagesschau", hatte sich als "Blauer Engel" fotografieren lassen - mit viel Bein. Aber ich wollte mich zu der Zeit einfach auch verändern. Durch den Schichtdienst gab es immer nur den Job - kaum Privatleben. Ich wollte mein Leben selbst gestalten. Da war dieser Vorfall dann eher eine Entscheidungshilfe für meine Kündigung. Ich hätte den Streit auch aussitzen können, wollte aber einen klaren Schlussstrich ziehen.

Würden Sie im Nachhinein etwas anders machen?

Ich würde wohl versuchen, an manchen Stellen meine Euphorie zu zügeln.

Sie meinen, über Ihre Rolle in einem Hollywoodfilm zu sprechen - der dann nie gedreht wurde?

Da war die Freude einfach zu groß und zu früh. Für mich gab es zu diesem Zeitpunkt keinen Grund, an dem Angebot zu zweifeln. Ich habe danach in drei US-Produktionen mitgespielt, darüber wurde natürlich weniger berichtet. Aber so ist das: Wenn ein Flugzeug abstürzt, ist das eine Riesenmeldung, wenn es landet, normaler Alltag.

Von Ihnen hat man aber auch mehr Privates gehört und gesehen, als sich manch einer gewünscht hätte: Ihr Darm wurde live gespiegelt, die Suche nach Ihrem Vater, den Sie bis heute offenbar nicht gefunden haben...

Mein Cousin ist mit 22 Jahren an Darmkrebs gestorben; die Darmspiegelung in "Stern TV" hat Leben gerettet. Eine junge Frau mit vier Kindern hat mir geschrieben, sie wäre sonst nie zur Koloskopie gegangen, ihr Krebs nicht rechtzeitig entdeckt worden. Das zählt, da gibt es nichts zu bereuen. Da muss man Zweck und Ziel in den Mittelpunkt stellen und nicht die Nebenwirkungen. Was meinen Vater betrifft: Jeder Mensch hat das Recht zu erfahren, wo seine Wurzeln sind. Und die Suche nach meinem Vater hat mich zumindest mir selbst ein Stück näher gebracht. Dietrich Bonhoeffer hat mal gesagt: Wir beschweren uns nicht über das, was Gott uns nicht gibt, sondern wir danken Gott für das, was er uns täglich gibt.

Und der Einsatz im Dschungelcamp "Ich bin ein Star, holt mich hier raus"? Gelungen?

Das habe ich für einen wohltätigen Zweck gemacht. Ich sehe das nachträglich auch mit einem Augenzwinkern und nicht so staatstragend.

Und was machen Sie jetzt?

Ich probe in Stuttgart für Agatha Christies Komödie "Die Mausefalle", die am 18. November Premiere hat. Ich spiele eine 60-jährige Magistratsfrau mit Falten, grauen Haaren und Gehstock. Überhaupt bin ich sehr glücklich, dass ich innerhalb eines Jahres drei Theaterstücke in Folge spielen durfte. Ab März werden wir dann mit diesem Stück auf Tournee gehen.

Hatten Sie nie den Wunsch nach Kindern?

Doch. Eine Frau sollte nicht von der Welt gehen, ohne die Erfahrung einer Geburt gemacht zu haben. Ein Kind wäre mein Herzenswunsch.

Sehen Sie noch regelmäßig die "Tagesschau"?

Unregelmäßig. Aber am liebsten schaue ich mittlerweile doch das "Heute-Journal".

Interview: Andrea Schaper

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