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WAS MACHT EIGENTLICH ...: Ellen Soeters

Das niederländische Fotomodell war fast zehn Jahre »Frau Antje« und machte den Deutschen holländischen Käse schmackhaft

Das niederländische Fotomodell war fast zehn Jahre »Frau Antje« und machte den Deutschen holländischen Käse schmackhaft

Zur Person:

Ellen Soeters lebt mit ihrem zweiten Ehemann Martin, Sohn Michael und dem Hund Max in einem Villenviertel von Eindhoven. Nach ihren Jahren als Käsebotschafterin führt die 45-Jährige heute eine Modelagentur. Bis zu ihrer Verwicklung in eine Drogenaffäre und Nacktfotos im »Playboy«, 1984, hatte Ellen Soeters die Rolle von Frau Antje gespielt.

Frau Soeters, können Sie eigentlich Käse noch sehen?

Aber ja. Auch zu meiner Zeit als Frau Antje war ich immer für ein leckeres Stück Gouda zu haben.

Wie wird man »Käsebotschafterin« der Niederlande?

Ich war kaum 17 und hatte gerade als Model angefangen, als ich gefragt wurde. Mit vier weiteren Kandidatinnen schickte man uns zur Grünen Woche nach Berlin. Dort sollten die Besucher entscheiden, wer künftig als Frau Antje werben sollte. Ich bekam die meisten Stimmen.

Und avancierten für Jahre zum Absatzmotor und Symbol der niederländischen Molkerei-Industrie...

Das waren spannende Zeiten für ein junges Ding wie mich.Ich kam viel herum, lernte reihenweise deutsche VIPs kennen, stand stets im Rampenlicht. Jedoch nicht als die Ellen aus Holland, sondern als nette Frau Antje auf Klompen mit Spitzenhäubchen und verlockendem Lächeln. Ich glaube nicht, dass ich dabei meine Persönlichkeit geopfert habe.

Was waren Ihre Aufgaben?

Es existieren zwei Typen Frau Antje, nämlich die Meisjes, die angeheuert werden, um Käsehäppchen auf Messen und Jahrmärkten zu verteilen. Andererseits gibt es ein Model, das eine gewisse Zeit allein und exklusiv in den Medien das Gesicht des Käses verkörpert, in TV-Spots, Broschüren, Anzeigen.

Zu dieser Spitzenkategorie gehörten Sie?

Genau. Ich habe den Käseproduzenten zu einer fetten Umsatzsteigerung verholfen. Natürlich half die Konjunktur auch mit.

Und eines Tages wurden Sie gefeuert, weil Sie nackt im »Playboy« zu sehen waren?

Falsch. Meinen Vertrag hatte ich schon aufgelöst. Ich wollte nicht ein Leben lang nur auf eine Käsekarriere zurückblicken müssen. Ich suchte andere Tätigkeiten ...

... und verwandelten sich von der prüden Frau Antje in Fräulein Pikantje?

Nein. Nein. Nein. Die Bilder waren schon längst im amerikanischen und niederländischen »Playboy« erschienen, ohne Aufsehen übrigens. Nur in Deutschland stolperte man über diese keuschen Nacktfotos, eben weil sie Frau Antje zeigten.

In der Boulevardpresse hieß es, Popularität und Glamour wären Ihnen zu Kopf gestiegen. Außerdem seien Sie zur selben Zeit in eine Drogenaffäre verwickelt gewesen.

Alles kalter Kaffee. Das hängt mir zum Hals raus. Mein damaliger Ehemann hatte seine Finger im Spiel. Und fälschlicherweise geriet auch ich in die Schlagzeilen. Die Justiz hat nie Anklage gegen mich erhoben.

Leiden Sie unter den Skandalgeschichten?

Keineswegs. Ich bin ein braves, biederes Mädchen aus dem Provinznest Eindhoven geblieben. Sogar in den Jahren, als ich in den Niederlanden als Topmodel galt, kuschelte ich mich in meine heile Welt im Elternhaus. In Amsterdam sah ich viele Kolleginnen auf die schiefe Bahn geraten. Ich konnte mich beherrschen.

Die »Playboy«-Story stört Sie nicht?

Nein. Ich steh zu diesen Fotos und mein 13-jähriger Sohn ist stolz darauf und zeigt sie seinen neidischen Schulkameraden.

Was machen Sie jetzt beruflich?

Eine Zeit lang jobbte ich als freies Fotomodell, als Hostess und Mannequin. Ich war noch oft in deutschen TV-Spots und Anzeigen zu sehen, allerdings erkannte mich niemand mehr. Aufgehört habe ich damit, als ich das nicht länger mit meinem Familienleben kombinieren konnte. Nun führe ich von zu Hause aus meine eigene Agentur. Und das Geschäft läuft blendend.

Interview: Albert Eikenaar