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Was macht eigentlich...: Christina Rau?

Fünf Jahre war die Enkelin von Gustav Heinemann Deutschlands First Lady. 2004 dann trat ihr Mann Johannes Rau ab - und Horst Köhler an.

Spricht Ihre Familie noch mit Ihnen?

Danke der Nachfrage - wieso nicht?

Nach Jahrzehnten in der Politik hatte sich Ihr Mann auf ein Familienleben ohne Termin- und Öffentlichkeitsdruck gefreut. Und jetzt legen Sie los...

Na ja, nach dem Ende einer Bundespräsidentschaft wird man nun auch nicht schlagartig völlig beschäftigungslos. Wir mussten keine Weltreise stornieren, damit ich mich engagieren kann.

Und doch: Sie haben ein Büro im Kanzleramt bezogen, sind keine 50, Politikwissenschaftlerin und als Ex-First-Lady sehr populär. Starten jetzt Sie eine politische Karriere?

Was ich heute tue, sehe ich zunächst als Fortführung meiner bisherigen Aufgaben. Zweitens würde ich mir politischen Einsatz von allen Bürgern wünschen. Und das gilt natürlich auch für mich...

...als Beauftragte des Bundeskanzlers für die Partnerschaftsinitiative Fluthilfe.

Genau. Gerhard Schröder hatte mich gefragt, ob ich bereit wäre, das zu machen. Ich habe mir gut überlegt, ob ich die richtige Person sei, und schließlich zugesagt. Mein Mann hat mich sehr bestärkt.

Und jetzt machen Sie den regulären Arbeitsstäben Konkurrenz...

Ganz und gar nicht! Als Ansprechpartnerin für Schulen und Unternehmen, Vereine, Bürger und Medien soll ich der Hilfskoordination eine persönliche Anlaufstelle geben. Oder politikwissenschaftlich formuliert: Ich bin ein bekanntes Gesicht aus dem vorpolitisch-zivilgesellschaftlich-öffentlichen Raum...

Und nützen Ihre Erfahrungen als Präsidentengattin.

Natürlich. Viele Menschen kenne ich von früher, ich habe Erfahrung mit internationalen Hilfsprojekten und Organisationen. Dadurch bin ich gut vernetzt, und es existiert eine Vertrauensstruktur. Haben Sie persönliche Beziehungen zu den betroffenen Regionen? Außer Sri Lanka kenne ich alle Länder aus der Ministerpräsidenten- und Bundespräsidentenzeit meines Mannes. Zu Sumatra haben wir besondere Beziehungen durch kirchliche Kontakte. Privat gespendet haben wir an Hilfsprojekte für Sri Lanka, die ein befreundeter Rechtsanwalt organisiert hat. Während der Katastrophe hat eine Freundin von uns auf den Malediven Urlaub gemacht.

Wollen Sie sich einen eigenen Eindruck vor Ort verschaffen?

Joschka Fischer hat mir nach seiner Reise berichtet. Bilder und Zahlen können offensichtlich nicht transportieren, wie es dort wirklich aussieht. Ich werde aber erst dann fliegen, wenn das organisatorisch sinnvoll ist. Das wird dauern.

Dann interessiert sich vermutlich endgültig niemand mehr für den Tsunami.

Das glaube ich nicht. Außerdem ist ja gerade das meine Aufgabe. Wir brauchen einen langen Atem! Je besser die Partnerschaften heute vernetzt werden, desto langfristiger wirkt die Hilfe - noch sind die Bilder in den Medien präsent. Gegenwärtig müssen wir die Basis schaffen.

Also ein Fulltimejob...

Kann man so sagen. Ich rede mir ein, dass es schon weniger werde. Obwohl mich meine Erfahrung eines Besseren belehren sollte: Mein Mann ist 20 Jahre lang täglich nach Hause gekommen und hat gesagt, es werde demnächst weniger werden...

Also keine Verbesserung der familieninternen Skat-Rangliste zu Ihren Gunsten?

Moment! Ich behaupte nach wie vor, erfolgreicher zu spielen. Ich reize überlegter - das ist das Geheimnis! Nachdem zwei unserer Kinder aus dem Haus sind, wird verstärkt auch außerfamiliär gespielt. Eine Runde mit Schröder und Schily ist bereits angesetzt.

Christoph Wirtz / print
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