HOME

Was macht eigentlich...: Eckhard Freise

Der Geschichtsprofessor war im Dezember 2000 der erste Millionen-(DM)-Gewinner bei Günther Jauchs Quiz Wer wird Millionär?

Zur Person

Eckhard Freise, 59, ist Professor an der Universität Wuppertal und unterrichtet dort mittelalterliche Geschichte. Mit seiner Familie lebt er in Münster. Die 15. Frage, die am 2. Dezember 2000 seine letzte Hürde war: Mit wem stand Edmund Hillary 1953 auf dem Gipfel des Mount Everest? Freise wusste: mit Sherpa Tenzing Norgay. Und knackte den Jackpot.

Das Interview mit Eckhard Freise führte Julia Bonstein

In der vergangenen Woche wurde eine junge Medizinerin bei Günther Jauch die erste Euro-Millionärin. Hätten Sie auch alles gewusst?

Bis zur Millionenfrage ja. Auch wenn es sich jetzt überheblich anhört, denn auf dem Sofa rät es sich immer leichter. Aber Frau Dr. Wienströer war sehr cool. Sie hat auch schöne erklärende Bemerkungen gebracht und sich freche Sprüche verkniffen, anders als ich damals.

Wie: "Mein Gott, ist das beziehungsreich, ich glaub, ich übergeb mich gleich."

Ja, das war ein Robert-Gernhardt-Zitat. Mein Sohn Florian hatte ja am meisten Angst davor, dass sich der Vater durch seine lockeren Sprüche blamiert. Während der Sendung hat er eine Liste geführt: für jede meiner Schoten einen Strich. Am Schluss musste ich jeden Spruch abbezahlen, und er hatte einen neuen Computer zusammen.

Und was haben Sie sich geleistet? Ein neues Auto?

Nein, wir fahren immer noch unseren Renault Scénic. Wir haben eine Doppelhaushälfte gebaut und gespendet. So war binnen eines Jahres alles aufgebraucht.

Dabei hatte es bei der sechsten Frage ja gar nicht so gut für Sie ausgesehen.

Ja, das war die Frage nach den "Doofen". "Unter welchem Namen sangen Wigald Boning und Olli Dittrich 'Lieder, die die Welt nicht braucht'?" Da bin ich ins Grübeln verfallen. Wie sollte ich erklären, dass ein halbwegs seriöser Professor nicht an den "Doofen" scheitert.

Warum darf ein Professor für Geschichte so etwas nicht wissen?

Na ja, eigentlich sind "Die Doofen" ja gar nicht übel - wenn man bedenkt, dass auch Mozart Gassenhauer komponiert hat. Einige meiner Kollegen haben sich insgeheim schon gefragt: Ist der noch ganz bei Trost? Die würden nie in eine Quizshow gehen - aus Angst vor einem Absturz. Mittlerweile weiß ich aber, dass danach auch Hochschullehrer sich beworben haben, wohl nach dem Motto: Wenn Freise das tut, können wir das auch.

Ist das Interesse an Ihren Vorlesungen nach dem TV-Auftritt größer geworden?

Also, ich hatte ja vorher schon gut besuchte Vorlesungen. Aber nach der Sendung gab es an der Uni Wuppertal plötzlich 2000 Anfragen zum Thema: Wie studiert man Geschichte? Da hab ich gewitzelt: Wir machen hier ein Trainingscamp für Quiz-Millionäre auf.

Und? Stellen Sie im Hörsaal nun Quizfragen?

Ich habe tatsächlich schon zweimal Quiz-Veranstaltungen für Professoren, Studenten und Schüler moderiert. Im Januar kamen 600 Zuschauer zum "schlau-bergischen Super-Quiz". Und die Uni Wuppertal wirbt mit dem Spruch "Wissen ist sexy".

Das heißt, Sie sind jetzt Quiz-Show-Moderator im Nebenberuf?

Nein, das mache ich nur zum Spaß. Bei mir liegen 1200 Fragen in der Schublade. Ich finde es höchst spannend, Informationen in etwas ungewöhnliche Frageform zu kleiden.

Und wie unterscheiden sich Ihre Fragen von denen, die Günther Jauch stellt?

Etwas schräger, etwas satirischer, auch durchaus schwerer.

Zum Beispiel?

Wie soll ein Papst Baupläne kommentiert haben, auf denen die Toiletten vergessen worden waren? A: Aller Anfang ist schwer. B: Gibt es hier nur Engel? C: Nichts Menschliches ist uns fremd. Oder D: Hier ist nicht der Ort.

Keine Ahnung.

Die richtige Antwort ist natürlich B. Denn Engel haben keine Bedürfnisse.

print