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WAS MACHT EIGENTLICH...: Frank Förster

Dem deutschen Kaufmann drohte in Malaysia wegen Haschischbesitzes die Todesstrafe. Nach dreijähriger Untersuchungshaft wurde er im Januar 1987 freigesprochen.

Dem deutschen Kaufmann drohte in Malaysia wegen Haschischbesitzes die Todesstrafe. Nach dreijähriger Untersuchungshaft wurde er im Januar 1987 freigesprochen.

Zur Person:

Frank Förster, 39, arbeitet als selbstständiger Webdesigner. Der gläubige Christ lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in einem hessischen Dorf und engagiert sich dort in einer freien evangelischen Gemeinde. 1983 war der Großhandelskaufmann aus Hallgarten bei Rüdesheim mit zwei Freunden zu einer mehrmonatigen Reise durch Asien aufgebrochen. In Malaysia wurde er verhaftet, nachdem die Polizei in seiner Reisetasche 239,7 Gramm Haschisch gefunden hatte - bereits ab dem Besitz von 200 Gramm gilt dort die Todesstrafe.

Was dachten Sie, als Sie von der Verhaftung der Deutschen Julia Bohl in Singapur hörten?

Ein Journalist hat mir das erzählt. Große Gedanken habe ich mir aber nicht gemacht; mit meiner Zeit in Malaysia habe ich abgeschlossen.

Was würden Sie ihr raten?

Ich habe damals ein halbes Jahr gebraucht, um mit der Situation im Gefängnis einigermaßen fertig zu werden. Der Glaube an Gott hat mir geholfen. Er konnte mir im Gefängnis Frieden schenken. Man muss sich jedoch auf sein Wort, die Bibel, einlassen, um einen Halt zu finden. Davon würde ich der jungen Frau berichten.

Wie sehen Sie Ihre Erlebnisse heute?

Auch wenn es schlimm war, denke ich an die schönen Momente. An die Menschen, die ich im Gefängnis kennen lernte, die Witze, die wir gemacht haben, die kleinen Tricks, die wir uns einfallen lassen mussten.

Was für Tricks?

Die Haftbedingungen waren sehr dürftig. Drei bis vier Gefangene teilten sich eine Zelle von sieben Quadratmetern. Anfangs waren wir dort 21 Stunden am Tag eingesperrt. Es gab kein fließendes Wasser und keine Toilette, nur einen Eimer. Wir schliefen auf dem Boden. Als Becher für unsere Zahnbürsten hatten wir eine alte Zigarettenschachtel an die Wand geklebt, als Klebe diente eine Mischung aus Reis und Wasser.

Hatten Sie schlaflose Nächte oder Albträume?

Nein, nie. In der Nacht vor dem Urteil habe ich acht Stunden durchgeschlafen.

Waren Sie immer so ruhig?

Die ersten sechs Monate waren furchtbar. Ich lebte in dieser totalen Ungewissheit zwischen Heimkehr, Geldstrafe, fünf Jahren Gefängnis, Begnadigung oder Todesstrafe. Nach dieser Zeit hatte ich mich dann an das Gefängnisleben gewöhnt.

Haben Sie im Knast Freundschaften geschlossen?

Ja, zum Beispiel mit einer Neuseeländerin, die auch wegen Drogenbesitzes einsaß. Sie war zum Tode verurteilt worden, wurde aber dann nach zwölf Jahren begnadigt. Ich habe ihr kürzlich eine Postkarte geschickt.

War es nicht leichtsinnig, mit so viel Haschisch in Malaysia einzureisen?

Malaysia war damals nicht als gefährliches Land bekannt, wie etwa das goldene Dreieck Burma, Laos und Thailand. Wir sind per Bus eingereist und haben keine Warnschilder gesehen. Und wir wollten ja nicht lange bleiben, suchten nur nach einem günstigen Flug Richtung Australien. Aber kurz vor meiner Reise waren die Gesetze drastisch verschärft worden.

Und nach Ihrer Rückkehr nach Deutschland, wie waren die Reaktionen?

Sehr positiv. Ich habe nach meiner Freilassung viele nette Briefe bekommen. Die Leute haben sich gefreut und mir gratuliert. Diejenigen, die der Meinung waren, man »hätte ihn lieber aufgehängt«, haben mir das nie direkt ins Gesicht gesagt.

Wieder ein normales Leben führen, das Zurück in den Alltag - war es schwierig?

Eigentlich nicht. Ich schrieb zunächst ein Tagebuch. Dann habe ich mich wieder beworben und eine Arbeitsstelle in einem Autohaus gefunden. Ich hatte Freunde und bin in den Turnverein gegangen. Das Leben ging ganz gut weiter.

Würden Sie wieder nach Malaysia reisen?

Theoretisch ja. Aber ich weiß nicht, ob die Behörden mir Schwierigkeiten machen würden, obwohl ich ja offiziell freigesprochen worden bin. Aber erholen könnte ich mich in Südostasien nicht mehr. Da bleibe ich lieber in Europa.

Interview: Nina Waldheim