Was macht eigentlich... Ike Turner


Der Pionier des Rock`n`Roll feierte während der sechziger und siebziger Jahre mit seiner Frau als Ike & Tina Turner große Erfolge. 1976 ließ sich das Paar scheiden

Zur Person

Der Pionier des Rock`n`Roll feierte während der sechziger und siebziger Jahre mit seiner Frau als Ike & Tina Turner große Erfolge. 1976 ließ sich das Paar scheiden.
Der 71-Jährige wohnt mit seiner Lebensgefährtin Audrey Madison im kalifornischen San Marcos. Seine Karriere startete Turner 1951 mit seiner Band "Kings Of Rhythm", deren Aufnahme "Rocket 88" als erster Rock`n`Roll-Song überhaupt gilt. 1958 heiratete er die Sängerin Annie Mae Bullock, die sich fortan Tina Turner nannte. Mit ihr landete er einen Hit nach dem anderen, zum Beispiel "River Deep, Mountain High" und "Nutbush City Limits". Nach der Trennung 1976 arbeiteten beide solo weiter. 1989 musste Ike wegen Drogenmissbrauchs ins Gefängnis. Sein Comeback-Album "Here and Now" wurde 2002 für den Grammy als bestes Blues-Album nominiert.
Das Interview mit Ike Turner führte Andreas Renner

Seit Sie 1951 den Song "Rocket 88" aufgenommen haben, gelten Sie als Vater des Rock`n`Roll. Berühmter sind Sie als Tina Turners brutaler Ex-Mann. Wie sehr wurmt Sie das?

Sehr. Zumal das Bild, das von mir in der Öffentlichkeit gezeichnet wird, so gar nicht stimmt. Aber ich bin in gewisser Weise selbst schuld.

Warum?

Weil ich Ende der Achtziger im Drogenrausch einen Vertrag unterschrieben habe, der es erlaubte, mich im Film "What`s Love Got to Do With It" nach Belieben zu porträtieren. Ich habe damals für 40 000 Dollar meine Seele an den Teufel verkauft. Man hat im Film ein Monster aus mir gemacht, in der Gewissheit, dass ich mich nicht wehren konnte.

Der Film basiert auf autobiografischen Fakten Ihrer Ex-Frau. Hat Tina Turner sich das alles nur aus den Fingern gesogen?

Ich war sicher kein Heiliger und habe eine Menge Fehler gemacht, die ich schwer bereue. Tina und ich wurden quasi über Nacht erfolgreich und berühmt, sind von einem Termin zum nächsten gehetzt. Unter derart nervenaufreibenden Umständen kommt es natürlich mal zu Streitereien. Ich habe ihr Unrecht getan, keine Frage. Aber wie mich Laurence Fishburne in dem Film darstellte, hat mit der Realität nichts zu tun.

Zum Beispiel?

Ich habe Tina nie vergewaltigt und sie auch nie brutal verprügelt. Ich werde das alles richtig stellen. Bald wird meine Version der Geschichte verfilmt werden.

Basierend auf Ihrer 1999 erschienenen Biografie "Takin` Back My Name"?

Ja, der Film wird von denselben Produzenten gemacht, die schon bei "What`s Love Got to Do With It" am Werk waren. Meine Story beginnt jedoch in den Jahren zwischen 1989 und 1991, als ich im Knast saß. Die Gegenwart vermischt sich dann immer wieder mit der Vergangenheit.

Warum wurden Sie eingebuchtet?

Wegen dieser Drogengeschichte. Einige Leute glauben noch immer, ich hätte wegen Gewalt in der Ehe gesessen. Das ist Unsinn. Ich wurde mehrfach mit Kokain erwischt und landete schließlich in einem kalifornischen Gefängnis. Die Jahre im Bau waren der Tiefpunkt in meinem Leben, aber zugleich ein Neustart, der mich zurück auf die richtige Bahn gebracht hat.

Konnten Sie sofort wieder Fuß fassen?

Nein, nach dem Film 1993 war mein Ruf völlig ruiniert. Auch musikalisch musste ich neu lernen, meine eigenen Songs zu spielen. Mittlerweile habe ich stapelweise neue eingespielt und bin auch schon auf einigen Blues-Festivals aufgetreten.

Und wie waren die Reaktionen?

Die Leute standen von ihren Sitzen auf und bejubelten mich minutenlang. Ich habe geheult wie ein Schlosshund. Früher stand ich schließlich immer im Schatten von Tina und den anderen Sängerinnen. Die Leute wollen mich wieder hören, das bedeutet mir sehr viel. Und ich gebe ihnen Ike pur, solange ich atmen kann.

Sind sind 71 Jahre alt, ist es nicht ein bisschen spät für ein großes Comeback?

Ach was, das Alter ist doch nur eine Zahl. Ich habe noch große Pläne. Vor über 50 Jahren war ich einer der Väter des Rock`n` Roll, nun werde ich wieder eine Musikrevolution einleiten, die ich "Combo" nenne. Meine Mission ist es, den Rhythmus klassischer Black Music im Stile von Sam Cooke oder Ray Charles mit modernen Hip-Hop- und Rap-Klängen zu kombinieren.

Wie stehen die Chancen auf eine Reunion von Ike & Tina Turner?

Das wünschen sich viele. Aber ich glaube nicht, dass Tina noch mal mit mir gemeinsam auf einer Bühne stehen möchte. Und irgendwie kann ich es auch verstehen...

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