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Was macht eigentlich...: Mady Riehl

Die langjährige Ansagerin und Nachrichtensprecherin des ZDF war von 1970 bis 1986 Schiedsrichterin bei Hans Rosenthals Spielshow Dalli-Dalli

Zur Person:

Die gebürtige Berlinerin wuchs in Leipzig auf und kam 1955 in die Bundesrepublik. Dort begann sie eine Karriere als Schlagersängerin, bevor sie 1963 als Ansagerin und Moderatorin zum ZDF wechselte. Sieben Jahre später saß Riehl erstmals in der Jury der Spielshow "Dalli-Dalli". Von 1986 bis 1990 war Mady Riehl auch Sprecherin der "heute"-Nachrichten im ZDF. Sie ist seit 1971 in zweiter Ehe mit dem TV-Journalisten, Drehbuchautor und Regisseur Hajo Schedlich verheiratet.

Frau Riehl, kennen Sie eigentlich noch Ihren Standardsatz als Schiedsrichterin aus "Dalli-Dalli"?

Tut mir leid, das ist zu lange her.

"Wir müssen leider einen Punkt abziehen."

Och, na ja, das musste ich eben sagen. Was soll man denn sonst sagen, wenn ein Punkt abgezogen werden muss?

"Dalli-Dalli" war legendär. Haben Sie noch Kontakt zu den anderen Schiedsrichtern Christian Neureuther und Brigitte Xander?

Nein, gar nicht mehr.

Wie war Ihr Verhältnis zu Moderator Hans Rosenthal?

Sehr gut! Er war ein fairer, fleißiger Kollege, der immer unter Lampenfieber gelitten hat. Das hat mir sehr gefallen, weil ich das so menschlich fand.

Haben Sie jemals von "Dalli-Dalli" und Hans Rosenthal geträumt?

Nein, aber es ist witzig, dass Sie nach meinen Träumen fragen. Kürzlich habe ich geträumt, dass ich noch Ansagerin beim ZDF bin und dass jemand ruft: "Frau Riehl, bitte zur Ansage!" Da bin ich schweißgebadet aufgewacht.

Angeblich sollen Sie sich in 28 Jahren vor der Kamera praktisch nie versprochen haben. Sie galten stets als die immer freundliche Perfektionistin des ZDF. Ein Irrtum?

Ich denke nicht, dass ich ein unfreundlicher Mensch bin. Mit der Faust auf den Tisch zu hauen fällt mir bis heute schwer. Laut zu werden ist nicht meine Art. Ich kann mir heute nicht mehr vorstellen, wie ich damals vor der Kamera diese Disziplin aufbringen konnte. Immer perfekt auszusehen, immer alles perfekt zu machen, immer gleichförmig gut zu sein. Niemandem geht es immer gut.

Sie litten zeitweise unter Depressionen.

Das stimmt, aber ich möchte da nicht näher drauf eingehen. Ich hatte eine ziemliche problematische Kindheit in der ehemaligen DDR, und Depressionen gehören immer mal wieder zu meinem Leben. Aber ich kann mich da stets selbst wieder rausholen. Außerhalb dieser Phasen bin ich eher eine Frohnatur.

Vor drei Jahren hatten Sie Krebs.

Ich habe das nie öffentlich gemacht. Es war ein Schock, aber ich hatte Glück im Unglück und konnte ohne Chemotherapie geheilt werden.

Wie geht es Ihnen heute?

Prächtig. Ich lese viel und reise sehr gerne zu Ausstellungen. Ich habe mich intensiv mit Goethe beschäftigt und sein Gesamtwerk studiert. Und gerade habe ich 4000 Seiten Marcel Proust hinter mich gebracht.

Sie Arme!

"Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" ist hinreißend! Lesen hat für mich einen sehr großen Stellenwert. Und ich interessiere mich für Biedermeier-Möbel. Ich bin ein Biedermeier-Liebhaber.

Warum begeistert Sie diese Epoche so?

Es war wahrscheinlich die Zeit, in der ich auch hätte leben können. Mir gefällt die Schlichtheit und die Einfachheit dieser Möbel, die man auch in heutige Wohnungen integrieren kann.

Vermissen Sie Ihr früheres Leben?

Nein, ich bin dankbar, dass ich die schönste Zeit beim ZDF miterleben durfte. Seit die Ansagerinnen durch Trailer ersetzt wurden, ist alles so unpersönlich geworden. Wir Ansagerinnen waren doch ein Bindeglied zwischen Zuschauer und Programm. Das fehlt heute.

Was schauen Sie sich selbst gern an?

Vor allem kulturelle Sendungen auf 3sat und arte. Meine heimliche Liebe gehört aber der Krankenhausserie "In aller Freundschaft" in der ARD. Ich habe niemals die "Lindenstraße" gesehen, aber von dieser Krankenhausserie lasse ich keine Folge aus. Ich liebe sie, weil da so normale Menschen gezeigt werden. Und ich liebe Sachsen und meine Heimatstadt Leipzig. Wenn ich diese Stadt sehe, schlägt mein Herz schneller. Dass Leipzig die Olympia-Vorausscheidung gewonnen hat, ist großartig.

Interview: Tobias Schmitz

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