WAS MACHT EIGENTLICH... Mandy Allwood

Die englische Immobilienmaklerin sorgte 1996 weltweit für Schlagzeilen, als sie mit achtlingen schwanger war und alle Neugeborenen kurz nach der Entbindung starben.

Die englische Immobilienmaklerin sorgte 1996 weltweit für Schlagzeilen, als sie mit achtlingen schwanger war und alle Neugeborenen kurz nach der Entbindung starben.

Zur Person:

Mandy Allwood, 36, lebt mit ihrem 42-jährigen Lebensgefährten Paul Hudson und den drei gemeinsamen Kindern in einem Reihenhaus in einem Dorf nahe Stratford Upon Avon. Die ehemalige Immobilienmaklerin, heute Hausfrau und Mutter, hat noch einen zehnjährigen Sohn aus erster Ehe. Allwood hatte sich nach mehreren Fehlgeburten einer Hormonbehandlung unterzogen, die dann vor fünf Jahren zu ihrer Schwangerschaft mit Achtlingen führte. Ins Zwielicht geriet sie damals, weil sie ihre Geschichte für rund 150.000 Mark an das englische Boulevardblatt »News of the World« verkaufte.

Warum haben Sie sich einen neuen Familiennamen zugelegt?

Wir haben Todesdrohungen von rechtsradikalen Gruppen erhalten, weil mein Partner und unsere drei Kinder schwarz sind.

Sie leben jetzt in einem kleinen Dorf in Mittelengland. Erkennen die Leute Sie auf der Straße noch?

Ja, das kommt immer wieder vor. Und sie sind stets sehr freundlich zu mir.

Das war ja nicht immer so. Als Sie 1996 Ihre Geschichte exklusiv an das Londoner Groschenblatt »News of the World« verkauften, galten Sie als raffgierige und eiskalte Frau. Sie sollen sogar zusätzliches Honorar für jedes überlebende Baby ausgehandelt haben.

Das ist absolut falsch. Wir haben etwas Geld verdient, womit ich überhaupt kein Problem habe. Andere haben sich an meinem Fall erheblich mehr bereichert. Die »News of the World« ist ein Skandalblatt. Ich habe mich dennoch dafür entschieden, weil die Zeitung mir ein Haus in London zur Verfügung gestellt hat - gleich in der Nachbarschaft von meinem Gynäkologen Professor Kyprianos Nicolaides.

Der Arzt hat Sie sicher über die medizinischen Komplikationen einer achtfachen Schwangerschaft aufgeklärt.

Natürlich wusste ich über die Gefahren für meine Kinder und mich Bescheid. Ich hatte damals nach einigen Fehlgeburten eine Hormonbehandlung gemacht. Dann wurde ich schwanger. Ich war begeistert - die Zahl der Babys war mir erst egal. Laut meinem Arzt bestand eine Chance, alle acht gesund zur Welt zu bringen. Wir haben auch die Möglichkeit diskutiert, einige der Föten abzutreiben. Aber da bestand die Gefahr einer Fehlgeburt. Und wenn man, so wie ich, unbedingt Kinder haben möchte, dann tötet man sie nicht.

Haben Sie ernsthaft geglaubt, alle acht gesund austragen zu können?

Daran hatte ich keinen Zweifel. Und dann war ich in der 21. Woche, als die Wehen einsetzten. Das erste Kind kam im Badezimmer zur Welt. Die anderen über einen Zeitraum von drei Tagen in der Klinik. Jedes starb binnen eineinhalb Stunden. Es waren sechs Jungs und zwei Mädchen: Kypros, Donald, Adam, Cassius, Martyn, Kitali und Layne.

Wie viele waren das?

Sieben. Ach so, und Nelson. Den nannten wir nach Nelson Mandela. Die Ärzte konnten sie nicht wiederbeleben, weil die Lungen zu klein waren.

Wo sind sie beerdigt?

Auf einem Friedhof in London. Den genauen Ort verraten wir nicht.

Sie haben seither drei weitere Geburten gehabt.

Alles Töchter, und sie kamen alle komplikationsfrei auf natürliche Weise zur Welt. Diese letzten Schwangerschaften waren psychisch schrecklich - ich hatte ständig Angst vor Fehlgeburten.

Es gibt wenige Mütter, die acht Kinder begraben mussten. Wie gehen Sie damit um?

Mir gab vor allem Kraft, dass ich mich selbst nie bedauert habe. Aber ich glaube nicht, dass ich jemals über den Verlust hinwegkommen werde. Jedes Mal, wenn ich meine drei Töchter ansehe, sehe ich auch die acht vor mir. Sie sind tief in mir verwurzelt. Ich schreibe gerade ein Buch über meine Erfahrungen. Vielleicht ist ja ein deutscher Verleger daran interessiert.

Planen Sie noch weitere Kinder?

Um Himmels willen. Jetzt ist Schluss. Ich habe meinem Körper genug zugemutet.

Interview: Bernd Dörler


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