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Was macht eigentlich...: Renée Simonsen

Die Dänin zählte in den achtziger Jahren zu den populärsten Fotomodellen der Welt. Kurz bevor der Hype um die Supermodels losging, beendete sie 1989 ihre Karriere

Zur Person

Die Dänin zählte in den achtziger Jahren zu den populärsten Fotomodellen der Welt. Kurz bevor der Hype um die Supermodels losging, beendete sie 1989 ihre Karriere Die 38-Jährige ist mit dem Musiker Thomas Helmig verheiratet. Simonsen wurde 1982 über einen Modelwettbewerb der dänischen Zeitschrift "Ekstra Bladet" entdeckt und im selben Jahr in New York zum "Face of the 80`s" gekürt. Im Laufe ihrer Karriere war sie auf zahllosen Titeln bekannter Hochglanzblätter, stand vor der Kamera der berühmtesten Fotografen und war Galionsfigur von mehr als zwei Dutzend Kosmetik- und Modekampagnen. Nach ihrem Rückzug - einige ausgewählte Aufträge nahm sie noch an - begann sie ein Psychologiestudium, das sie 2000 abschloss.

Das Interview mit Renée Simonsen führte Bernd Teichmannn

Dr. Simonsen...

Dafür reicht`s noch nicht, aber ich bin Diplompsychologin.

Praktizieren Sie als solche?

Erst mal nicht. Ich habe insgesamt fast neun Jahre studiert. Das war als dreifache Mutter nicht immer einfach, obwohl ich nicht nebenbei arbeiten musste. Jetzt will ich erst mal für die Kinder da sein.

Waren Sie selbst auch mal in Therapie?

Ja, kurz nach meiner Modelzeit. Ich musste herausfinden, wer ich war und in welche Richtung ich wollte. Das war eine große Entscheidung, auf dem Höhepunkt meiner Karriere aufzuhören.

Als Sie 1989 abtraten, waren Sie eines der teuersten Models der Welt. Gab es jemanden, der Sie nicht für verrückt erklärt hätte?

Die meisten haben mich dafür bewundert, dass ich das so konsequent durchgezogen habe. Ich war geistig einfach nicht mehr anwesend und wollte auch nicht mehr, dass die Leute ständig an meinen Haaren und meinem Gesicht herumfummeln. Außerdem spürte ich, wie sich meine Persönlichkeit veränderte.

Wie denn?

Die ersten Jahre fragte ich nur: Wo geht`s hin, und wie viel zahlen sie? Ob und auf welchem blöden Cover ich war, interessierte mich nicht. Dann begann ich plötzlich, es wichtig zu finden. Ich weiß noch, wie ich mich darüber aufregte, dass ich nicht auf den Titel der Badeanzug-Nummer von "Sports Illustrated" kam. Gleichzeitig fragte ich mich: Warum tust du das, du hattest 450 Cover vorher, entspann dich, welchen existenziellen Wert hat das?

Nach Ihrem Rücktritt waren Sie vier Monate in einem Kibbuz in Israel.

Das ging von meiner großen Schwester aus. Ich war mit John Taylor zusammen...

...dem Bassisten der Band "Duran Duran".

Unsere Beziehung war nicht gerade perfekt, und ich hatte die Schnauze voll vom Modelbusiness. Also fuhr ich mit.

Und gaben Mr. Taylor danach den Laufpass.

Ja, er lebte damals sehr in der Musik- und Modelwelt. Wie man aussieht und welche Klamotten man trägt, war ihm wichtig. Mir war das alles egal.

Er nahm auch einiges an Drogen zu sich.

Ja, das hat unsere Beziehung schon sehr belastet. Ich versuchte, mir und meinen Überzeugungen treu zu bleiben, er marschierte in eine völlig andere Richtung.

Verraten Sie uns ein paar hübsche "Sex, Drugs and Rock`n`Roll"-Anekdoten?

Kann ich nicht mit dienen. Ich habe keine Drogen genommen. Ich hatte unheimliche Angst vor dem Zeug. Ich war 18, und wenn ich ausging, hatte ich immer eine kleine Taschenlampe dabei und leuchtete den Leuten in die Augen, um zu sehen, ob ihre Pupillen reagierten. Wenn nicht, sagte ich: Der ist auf Drogen, ich gehe!

Stimmt es, dass Ihr erster Vertrag mit 100 000 Dollar dotiert war?

Ja, und Eileen Ford verdoppelte ihn sogar auf 200 000 Dollar, weil meine Mutter es ganz schrecklich fand, ihre 17-jährige Tochter nach New York in diese Welt gehen zu lassen.

Wissen Sie noch, was Sie sich als Erstes von dem Geld gekauft haben?

Ich glaube, eine Angelrute - Angeln war damals eines meiner liebsten Hobbys.

Kein Haus, keinen Sportwagen?

Nein, ich habe für meine Ausbildung gespart und dann von dem Geld studiert - und habe noch immer etwas über.

Wenn Ihre neunjährige Tochter Ulrikke später Model werden will - was würden Sie sagen?

Wenn die Zeit kommt, wird sie ihren Weg gehen. Dann habe ich nichts mehr zu melden. Die Kleine ist jetzt schon ziemlich dickköpfig. Das hat sie von mir.

Bernd Teichmannn / print
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