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Was macht eigentlich...: Rosi Jacob

Seit mehr als 50 Jahren steht die Sächsin mit ihren Schwestern als "Jacob sisters" auf der Bühne - blonde Rauschgoldengel, fast immer in Pudelbegleitung

Zur Person:

Die "Jacob Sisters" - Rosi, 59, Eva, 58 (Mitte oben), Hannelore, 57 (Mitte vorn), und Johanna, 60, mit den "Hundelchen" im Garten ihres Stammlokals im hessischen Dreieich. Als "Schmannewitzer Heidelerchen" gaben sie ihr Debüt Anfang der 50er Jahre im elterlichen Café in der sächsischen Provinz. Nach der Flucht aus der DDR 1959 und einem ersten Auftritt im "Blauen Bock" traten sie von 1964 an drei Jahre in New York und Las Vegas auf (altes Foto: Mitte der 60er Jahre). Ihr bis heute größter Erfolg: "Aaaadalbert, schenk mir einen Gartenzwerg!". Heute leben die vier unverheiratet, verwitwet oder geschieden in Neu-Isenburg bei Frankfurt - in Sichtweite voneinander

Das Interview mit Rosi Jacob führte Christoph Wirtz

Fräulein Rosi, der Einfachheit halber verzichten wir auf ein Interview zu viert...

Eine weise Entscheidung! Sonst kannste deinen kompletten stern voll schreiben und hinterher in Kur gehen. Die erste Frage bitte.

Stimmt eigentlich die Geschichte, dass Sie bis in die 70er Jahre alle zusammen in einem Bett geschlafen haben?

Aber sicher! Das war riesengroß und rosarot. Der Schamoni hat deswegen einen Film mit uns gedreht: "Quartett im Bett" - ausgezeichnet mit dem Lubitsch- und dem Grimme-Preis! Für die Nacktszenen hatten wir allerdings Doubles.

Dabei hatten Sie sogar Angebote vom "Playboy"...

Ja, in Hongkong. Vati war dagegen. Das war früher eben so.

In der guten alten Zeit?

Früher war schon manches besser. Was mich heute zum Beispiel wirklich stört: Deutsche Künstler haben überhaupt keine Chance mehr! Früher mussten wir als ausländische Künstler überall, wo wir aufgetreten sind - in Frankreich, England, Amerika -, mindestens 20 Prozent der Gage in einen Topf für ältere einheimische Künstler einzahlen. Und hier in Deutschland? Hier musste englisch singen, wenn du zu "Wetten, dass ..?" willst É Lebensleistung gilt nichts mehr! Das ist eine Riesenschweinerei.

In Sachen Lebensleistung haben Sie ja einiges zu bieten.

Eben. Such mal eine Girlgroup, die nach 50 Jahren noch immer arbeitet! Wir haben die ganze Welt gesehen, wir singen in 16 Sprachen. Hongkong, Kuala Lumpur, New York É wir haben die ganz Großen kennen gelernt: Josephine Baker, Zarah Leander, Marlene Dietrich, Jack Lemmon.

Mit einigen sind Sie sogar zusammen aufgetreten...

Klar! In Las Vegas mit Duke Ellington und Louis Armstrong und Sammy Davis junior. Bob Hope wollte uns als Fronttheater mit nach Vietnam nehmen! Weil Vati Angst hatte, ist dann Raquel Welch eingesprungen. Die hat vorher keiner gekannt - hinterher war sie ein Weltstar! Früher gab's eben noch richtiges Show-Business.

Ist die Zeit der großen Stars also vorbei?

Der Robbie Williams ist ganz gut. Aber die jungen Leute haben heute alle Flausen im Kopf, und ruck, zuck sind sie wieder weg vom Fenster. Früher musste man die Nummer eins sein und richtig was können, um gebucht zu werden.

Und wie sieht es aktuell bei Ihnen aus? Sie waren zu Besuch bei Big Brother...

Und die Hannelore wäre auch wahnsinnig gerne in den Dschungel gegangen. Mir hat's in dem Container gereicht. Denen haben wir erst mal das Bad aufgeräumt! Ansonsten sind wir immer bei der Arbeit. Wenn wir mal Zug fahren, stehen ganze Schulklassen wegen Autogrammen an.

Sie sind ja auch eher schwer zu übersehen.

Weil wir immer einheitlich gekleidet sind. Wir faxen oder telefonieren jeden Morgen und besprechen, was wir anziehen. Jedes Kleid hat einen Namen, inklusive Schmuck, Hut, Schuhen.

Und Make-up?

Na hör mal! An unsere Haut kommt klares Wasser und ein bisschen Seife. Die Welt beneidet uns um unseren jugendfrischen Teint.

In den letzten Jahren sorgen Ihre Pudel verstärkt für Schlagzeilen: Einer bekommt einen Schlaganfall zur Sonnenfinsternis, ein anderer wird Kampfhundeopfer, ein dritter pinkelt Gottschalk ans Bein...

Also das ist wirklich gemeine, üble Nachrede! Das Hundelchen hat gar nichts gemacht. Das war vielleicht der Herr Gottschalk selber? Ehrlich: Auf die Pudel lasse ich nichts kommen. Da hört der Spaß auf!

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