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was-macht-eigentlich: Beate Hopf

Die Berlinerin assistierte 14 Jahre lang Wim Thoelke im »Großen Preis«, bis der Showmaster 1992 nach der 220. Sendung zurücktrat. Die studierte Theaterwissenschaftlerin wurde später Unterhaltungschefin beim Sender Freies Berlin

Die Berlinerin assistierte 14 Jahre lang Wim Thoelke im »Großen Preis«, bis der Showmaster 1992 nach der 220. Sendung zurücktrat. Die studierte Theaterwissenschaftlerin wurde später Unterhaltungschefin beim Sender Freies BerlinZur Person :

Beate Hopf, 57, lebt mit Scotch-Terrier Dolly und JackRussel Bobby in ihrem Haus in Kampen/ Nordheide vor den Toren Hamburgs.

stern: Im August 1998 hatten Sie einen schweren Autounfall. Wie geht es Ihnen heute?

Hopf: Ich bin dem Sensenmann so richtig von der Schippe gehopst. Mein Rückgrat war gebrochen, die Lunge gequetscht, die Hüfte verschoben. Ich lag zehn Monate im Krankenhaus. Heute habe ich vier Schrauben und eine Eisenplatte im Rücken und gehe am Stock.

stern: Wie hat sich Ihr Leben dadurch verändert?

Hopf: Meine Beziehung ist in die Brüche gegangen, und meinen Beruf bei der ARD-Fernsehlotterie musste ich aufgeben. Mir fehlt vor allem der körperliche Ausgleich. Ich muss Leute dafür bezahlen, dass sie meine Pferde bewegen - dabei bin ich immer geritten wie der Teufel. Es gab einen Punkt, da wollte ich mir wegen der grausamen Schmerzen das Leben nehmen, aber das hab ich dann ins Positive verkehrt: Dieses Leben, das nehme ich mir. Ich greife noch mal danach.

stern: Fernsehzuschauer kennen Sie noch als blonde Glücksfee Beate beim »Großen Preis«.

Hopf: Den Job habe ich gemacht, um mir mein Studium zu finanzieren. 750 Mark gab's damals pro Sendung. Dafür musste ich die Kandidaten ankündigen, Losziehungen überwachen und die Gewinner verlesen.

stern: Ihre Rolle war nicht gerade wortgewaltig . . .

Hopf: Das kam mir sehr gelegen. Ich war furchtbar verklemmt und immer irrsinnig nervös. Ich verstehe bis heute nicht, was die Menschen vor die Kamera treibt.

stern: Wie haben Sie den Absprung geschafft?

Hopf: Die »Beate« hat es mir nicht leicht gemacht: Ich galt als 99-Punkte-Tante, die patente Assistentin eben. Trotzdem bin ich beim Sender Freies Berlin Volontärin und schließlich, als erste Frau in der ARD, Unterhaltungschefin geworden. Wir haben ein großes Satireprogramm aufgebaut; in dieser Zeit war ich für »Scheibenwischer« verantwortlich. Beim SFB wurde ich plötzlich auch Wim Thoelkes Vorgesetzte: Ich habe mit ihm »Talk Thoelke« gemacht. Er hatte kein Problem damit, sondern war richtig stolz auf mich. Wir hatten schon immer ein gutes Verhältnis. Aber von da an haben wir uns geduzt und sind Freunde geworden.

stern: Stimmt es, dass Sie im Gartenhäuschen von Harald Juhnke gewohnt haben?

Hopf: Das waren tolle Jahre! Damals habe ich seine Sendung »Willkommen im Club« geleitet, und Harald erzählte jedem: »Meine Redakteurin wohnt bei mir im Garten.« Morgens sind wir uns immer an der Mülltonne begegnet . . .

stern: Sind Ihnen Freunde geblieben aus dieser Zeit?

Hopf: Zum Glück. Mit meiner ehemaligen Mit-Assistentin Marianne habe ich engen Kontakt, und bei den Juhnkes war ich erst kürzlich wieder zu Besuch. Viele alte Kollegen haben mir in den letzten Monaten beigestanden - ohne sie und meinen schwarzen Humor hätte ich diesen Unfall bestimmt nicht überlebt.

stern: Sind Sie finanziell abgesichert?

Hopf: Ironie des Schicksals: Für die Aktion Sorgenkind bin ich von Veranstaltung zu Veranstaltung getingelt und habe rund eine Million Mark gesammelt. Jetzt bin ich selbst auf Unterstützung angewiesen. Die Versicherung hat mir nahegelegt, meine Pferde zu verkaufen. Aber meine Pferde sind alles für mich, meine Partner, meine Bezugs-»Personen«. Bei dem Gedanken, sie zu verkaufen, könnte ich losheulen.

stern: Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor?

Hopf: Ich muss mir irgendwie ein neues Leben aufbauen, und das ist furchtbar schwer mit 57 Jahren. Vielleicht kann ich auch wieder für die Fernsehlotterie arbeiten, eine Idee hätte ich da schon. Ich möchte einfach etwas Produktives tun. Unter dem Motto: Solang die Schrauben tragen.

Interview: Tanja Rest

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