HOME

TV-Geschichte: Von Kulenkampff bis Elvers: TV- Köpfe

Das «elektronische Lagerfeuer» schuf sich seine eigenen Stars, die zum gesellschaftlichen Gesprächsstoff wurden. Manche wurden verehrt und bewundert, einige stellten die Weichen für neue Trends.

Von Kulenkampff bis Elvers, von Frankenfeld bis Feldbusch, von Rosenthal bis Naddel: Die Liste der Namen, die in 50 Jahren aus dem Medium Fernsehen hervorgingen, ist lang. Das «elektronische Lagerfeuer» schuf sich seine eigenen Stars, die zum gesellschaftlichen Gesprächsstoff wurden. Manche wurden verehrt und bewundert, einige stellten die Weichen für neue Trends, die unzählige Trittbrettfahrer nutzten, über andere wurde nach ihren Flops nicht mehr geredet, bestenfalls nur gelacht. Wer eine Bilanz zum TV- Jubiläum zieht, wird sehen, dass nur wenige Prominente wirklich wegen ihrer Leistungen in Erinnerung bleiben werden.

Die Gründerzeit des Fernsehens beherrschen Namen wie Peter Frankenfeld und Hans-Joachim Kulenkampff. Sie kamen mit Schalk, mit Galanterie und Witz daher. Mit ihren für die fünfziger Jahre opulenten Shows beeindruckten sie ein auf optische Effekte hungriges Publikum, das auf karge Kriegs- und Nachkriegszeiten zurückblickte und bislang nur das gute alte Dampfradio kannte. Robert Lembke rannte mit seinem Ratespiel «Was bin ich?» genau so offene Türen bei den Zuschauern ein wie einige Zeit später Hans Rosenthal mit «Dalli Dalli», von dem viele noch erinnern, dass er manch Leistung «Spitze» fand und sich mit einem Luftsprung nach oben drehte.

So lange das öffentlich-rechtliche Fernsehen noch alleine am Markt war - RTL startete 1984 - ging jedes neue Konzept, so scheint es in der Retrospektive, auf. Wim Thoelke versammelte mit seinem «Großen Preis» und den von Loriot geschaffenen Figuren Wum und Wendelin zweistellige Millionenzahlen vor den Bildschirmen. Frank Elstner gelang 1981 einer der letzten großen Coups im öffentlich-rechtlichen TV, als er die Erfolgsshow «Wetten, dass...?» aus der Taufe hob, die er zunächst selber moderierte. Als einzige Show von ARD und ZDF schafft sie es bis heute, mehr als zehn Millionen Zuschauer anzulocken. RTL zeigte, dass es mit Günther Jauchs Quiz «Wer wird Millionär?» oder einem «Event» wie dem «Domino Day» trotzdem gelingen kann, Fans in zweistelliger Millionenhöhe zu generieren.

Zu den Ikonen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gehören Bildschirmgesichter wie Karl-Heinz Köpcke, der mehr als 5000 Mal die «Tagesschau» verlas, Pioniere wie Peter von Zahn und «Mister Tagesthemen» Hanns-Joachim Friedrichs. Dagmar Berghoff wurde von ihren Anhängern Kultstatus bescheinigt, und im Privatfernsehen ist Anchorman Peter Kloeppel (RTL) auf dem besten Wege, sich in die Reihe der großen Nachrichtenmoderatoren einzureihen. Karin Tietze-Ludwig machte als Lotto-Fee von Woche zu Woche immer neue Spieler zu Millionären.

Zu den unvergessenen Ereignissen, die ohne Fernsehen nicht in der Form denkbar gewesen wären, gehören die Krönungsfeier von Königin Elisabeth (1953) oder die erste Mondlandung (1969). Aber ohne Fernsehen wären auch Klassiker wie das «Stahlnetz», «Das Halstuch», Wolfgang Menges «Millionenspiel», Serien wie «Die Familie Hesselbach», «Die Schölermanns», «Die Unverbesserlichen», «Die Schwarzwaldklinik», «Ein Herz und eine Seele», «Der Kommissar», «Derrick», «Dallas» und «Der Denver-Clan» ebenso wie Dieter Wedels Mehrteiler «Die Semmelings» nicht möglich gewesen. Auch private Errungenschaften wie die Daily Soap «Gute Zeiten, schlechte Zeiten», die täglichen Talkshows, die Hans Meiser bei RTL einführte, «Schreinemakers live» und Hugo Egon Balders «Tutti frutti» waren Erfindungen des neuen kommerziellen Fernsehens.

Prominente Schauspieler nutzten den populären Effekt des Fernsehens, um sich noch prominenter zu machen: Harald Juhnke, Mario Adorf, Götz George, Klausjürgen Wussow, Manfred Krug und Helmut Fischer gehören zur Spitze. Generationen von Kindern wurden auch mit dem Fernsehen groß. Die Mainzelmännchen, das Sandmännchen, die «Sesamstraße», «Die Sendung mit der Maus» oder die «Teletubbies» gehören zu ihren Idolen. Aus dem Fernsehen ist auch die ZDF-Torwand nicht wegzudenken - auch die Versprecher und Pannen gehören dazu. Im «Sport-Studio» sprach Carmen Thomas von Schalke 05 statt Schalke 04 - der Patzer kostete sie den Job. 1986 zog ein Redakteur des Norddeutschen Rundfunks die falsche Kassette mit Kanzler Helmut Kohls Neujahransprache von 1985 - am Bildschirm hatte anscheinend kaum jemand bis auf Kohl die Verwechslung gemerkt.

Zu den Eintagsfliegen gehören Menschen wie der «Big Brother»- Kandidat Zlatko, der außer einer CD und peinlichen Auftritten in der Öffentlichkeit nichts mehr folgen lassen konnte. Jenny Elvers und Dieter Bohlens Naddel versuchten ebenfalls mit den TV Karriere zu machen. Nur Verona Feldbusch schaffte es, sich über längere Zeit zu etablieren. Sie zählt zu den wenigen weiblichen Entertainern, die mit Cleverness, Witz und Geschäftstüchtigkeit viele Millionen Euro beiseite gelegt hat.