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TV-Kritik

"Erinnerungen an Dieter Thomas Heck“: Peinlich! ZDF widmet Dieter Thomas Heck lieblose 15 Minuten

Der Tod von Dieter Thomas Heck war dem ZDF eine Programmänderung wert. Um 23.05 Uhr zeigte der Sender "Erinnerungen an Dieter Thomas Heck“. So uninspiriert und lieblos wie der Titel geriet dann auch der Nachruf.

Dieter Thomas Heck und Heino, 1970

Dieter Thomas Heck mit Volkssänger Heino in der "Hitparade". Heck, der gelernter Autoverkäufer bei der Hamburger Borgward-Generalvertretung war, sammelt erste Moderationserfahrungen beim Radio. Zuerst beim Südwestfunk, dann bei Radio Luxemburg und der Europawelle Saar.

Er war einer der ganz großen Moderatoren der deutschen Nachkriegsgeschichte: Dieter Thomas Heck muss in einem Atemzug mit Hans-Joachim Kulenkampff, Rudi Carrell, Peter Frankenfeld und Peter Alexander genannt werden. Heck prägte mit seiner "ZDF-Hitparade" eine ganze Generation und war einer der wenigen Star-Moderatoren des Zweiten Deutschen Fernsehens. Den Mainzern war der Tod von Dieter Thomas Heck eine Programmänderung wert. Doch leider wurde sie der Legende nicht gerecht.

Um 23.05 Uhr, nach dem Bundesliga-Auftaktspiel FC Bayern gegen Hoffenheim, zeigte das ZDF die Sondersendung "Erinnerungen an Dieter Thomas Heck“. Schon der Zeitpunkt schien denkbar ungünstig gewählt. Statt ihm einen Platz in der Prime Time zu widmen, verbannte der Sender "Mister Hitparade" ins Nachtprogramm. Noch viel schlimmer war dann allerdings, was sich das ZDF unter "Erinnerungen" vorstellte: eine lieblose Aneinanderreihung von Momenten und TV-Ausschnitten.

ZDF reiht Szenen aus Dieter Thomas Hecks Karriere lieblos aneinander

Die Macher gingen streng chronologisch vor. Sie erzählten zuerst die Geschichte von Hecks Anfängen. Der gebürtige Flensburger, der Automobilverkäufer bei Borgward gelernt hatte und bis zum Alter von sieben Jahren stotterte, wollte eigentlich Schlagersänger werden. Seine Ausflüge ins Musikfach wollten aber nicht recht zünden. Doch schnell erkannten TV-Macher sein eigentliches Talent: schnell sprechen. Heck bekam eine Chance als Radiomoderator und wurde 1969 schließlich Moderator einer völlig neuen Sendung im deutschen Fernsehen: der "ZDF-Hitparade". Soweit, so spannend.

Doch die dann folgenden Szenen und Ausschnitte aus der Hitparade und anderen Sendungen ("Die Pyramide", "Melodien für Millionen", "Musik liegt in der Luft") waren lieblos aneinander gereiht. Dem Geheimnis seines Erfolgs, die Erklärung dafür, warum Heck und seine Shows eine ganze Generation prägten, blieb das ZDF ebenso schuldig, wie die Würdigung durch Weggefährten. Es wirkte, als sei der Nachruf in Windeseile zusammen geschustert worden: oberflächlich und lieblos. 

Keine "Kultnacht" für Dieter Thomas Heck

Schade, als "Mister Hitparade" hätte Heck mehr verdient. Wo blieb die "Kultnacht" mit den besten Ausschnitten aus der "ZDF-Hitparade"? Wie es besser ginge, zeigt die ARD-Reihe "Legenden": Einfühlsam und kenntnisreich werden dort große TV-Stars porträtiert - zuletzt Caterina Valente und Pierre Brice. Hoffentlich lässt die ARD die Sendung wieder aufleben und widmet Heck ein würdiges Denkmal.

Anmerkung, 25. August, 16 Uhr: Das ZDF hat inzwischen mitgeteilt, dass es den verstorbenen Showmaster in weiteren Sondersendungen würdigen wird. In der Nacht von Samstag auf Sonntag zeigt der Sender den 15-minütigen Nekrolog "Erinnerungen an Dieter Thomas Heck" vom Freitagabend ab 0.30 Uhr erneut. Um 0.45 Uhr folgt die dreistündige Sendung "ZDF-Kultnacht - Das Beste aus der 'Hitparade'" aus dem Jahr 2004 mit vielen Hits und Erinnerungen.

Zum Tod von "Mister Hitparade": Der Dieter. Der Thomas. Der Heck.
Dieter Thomas Heck, 1969

So fängt alles an: Dieter Thomas Heck, damals noch mit Koteletten, moderiert am 18. Januar 1969 zum ersten Mal die "ZDF Hitparade". Es sollte sein größter TV-Erfolg werden. In 183 Sendungen stellt er bis 1984 Schlager- und Musikgrößen vor, macht unbekannte Sängerinnen und Sänger zu Stars.