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Nachruf: Der Costa, der Cordalis - jetzt singt er im Himmel "Anita"

Seinen größten Hit kennt bis heute jedes Kind: Mit "Anita" wurde Costa Cordalis zum Star, war Dauergast in der Hitparade. Seine Karriere - auch die als Skilangläufer - kannte Hochs und Tiefs. Doch er gab nie auf. Nachruf auf einen Schlagergiganten.

Costa Cordalis

Costa Cordalis 1976 bei einem Auftritt in der ZDF-Hitparade. Damals sang er "Shangri-La". Ein paar Monate später seinen großen Hit "Anita".

Picture Alliance

"Herr Cordalis, kommen sie nach vorne." Er stand als Sieger eigentlich schon fest: 1980 wollte Costa Cordalis mit seinem Lied "Pan" für Deutschland zum Eurovision Song Contest nach Den Haag fahren. Die Moderatorin des deutschen Vorentscheids, Caroline Reiber, hatte ihn als Gewinner ausgerufen. Doch dann kam aus der Regie der Hinweis, dass noch Stimmen ausgezählt würden. Am Ende überholte ihn Katja Ebstein mit "Theater" doch noch - mit knappen sechs Punkten Vorsprung. Cordalis wurde von der Bühne geschickt. Eine Demütigung. Doch der Schlagerstar nahm es mit Fassung. Er gratulierte Ebstein und zeigte sich als fairer Verlierer. 

Die Szene von damals ist bezeichnend für Cordalis, der mit 75 Jahren auf Mallorca gestorben ist. Niederlagen gehörten zu seinem Leben. Doch der aus Griechenland stammende Sänger war kein Typ, der aufgab. Cordalis war eine Kämpfernatur. Mit nur 16 Jahren wanderte er aus seiner Heimat aus, landete in Frankfurt am Main. Er spielte in kleinen Bars Gitarre und sang, verdiente sich damit seinen Lebensunterhalt. Nebenbei besuchte er das Goethe-Institut um Deutsch zu lernen und begann ein Studium der Philosophie und Germanistik. Doch seine Leidenschaft galt der Musik.

Costa Cordalis

Costa Cordalis 1976 bei einem Auftritt in der ZDF-Hitparade. Damals sang er "Shangri-La". Ein paar Monate später seinen großen Hit "Anita".

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Cordalis schaffte in der ZDF-Hitparade den Durchbruch

1965 kam mit "Du hast ja Tränen in den Augen", einer deutschen Fassung des Elvis-Titels "Crying in the Chapel", seine erste Platte heraus. Doch der Erfolg wollte sich nicht einstellen. Erst nach sechs langen Jahren, das Studium hatte er zu diesem Zeitpunkt längst aufgegeben, gelang ihm ein erster Erfolg. Mit "Und die Sonne ist heiß" durfte er 1971 bei Dieter-Thomas Heck in der ZDF-Hitparade auftreten. Der Start seiner Karriere.

Der schwarzhaarige Cordalis mit dem charmanten Lächeln kam bei den Zuschauern an - auch wenn seine ersten Songs keine großen Hits waren. Heck sagte ihn wahlweise mit "CC" oder "Der Costa, der Cordalis" an. Dann kam der 20. November 1976. Cordalis hatte zusammen mit Produzent Jean Frankfurter ein Lied geschrieben, in dem es - mal wieder - um eine Frau ging und stand damit bei Heck in Berlin auf der Bühne. Der Titel: "Anita".

Fluch und Segen dank "Anita"

"Ich fand sie irgendwo allein in Mexiko, Anita." Der Song wurde zum Hit und ist bis heute einer der größten Schlager-Evergreens Deutschlands. Der Chor, der auf der Platte zu hören ist, bestand aus seinen drei Kindern: darunter Lucas und Angeliki, sie ebenfalls im Musikgeschäft tätig sind. Familie war Cordalis, der seit Jahrzehnten ohne Affären und Skandale mit seiner Frau Ingrid verheiratet war, immer wichtig. Trotz des Erfolgs mit Anita hob er nicht ab. Das bewahrte ihm vorm großen Absturz. 

Denn nach seiner Pleite beim ESC-Vorentscheid 1980 wurde es um Cordalis stiller. Neue Erfolge wollten sich nicht einstellen. Wo er auftrat, wollten die Zuschauer immer nur einen Song hören: "Anita". Der Song war Fluch und Segen zugleich. Cordalis flüchtete sich in den Sport, wurde zweimal griechischer Meister im Langlauf. Nachdem ihm vom NOK eine Teilnahme bei den Olympischen Spielen in Sarajevo 1984 verwährt wurde schien es so, als sei seine Karriere endgültig vorbei.

Tod mit 75: Von "Anita" bis zur Dschungelkrone: Costa Cordalis' bewegtes Leben in Bildern
Costa Cordalis 1976

Costa Cordalis starb im Kreise der Familie auf Mallorca. Der berühmte Schlagersänger wurde 75 Jahre alt. Cordalis kam 1944 in der griechischen Stadt Elateia zur Welt, mit 16 Jahren zog er nach Deutschland. Hier posiert der Grieche 1976 vor seinem Haus in Kniebis bei Freudenstadt. 

DPA

Comeback im Dschungelcamp

Zwölf Jahre veröffentlichte der Sänger keine neue Platte. Dann kehrte er mit einer genialen Idee zurück: Cordalis trat mit seinem Sohn Lucas auf. Mit "Viva la Noche" eroberte das Duo 1997 erneut die Hitparade und wurden bei Auftritten am Ballermann auf Mallorca gefeiert. Der Erfolg war zurück. Cordalis hatte die Gabe, Menschen berühren und erobern zu können.

Das zeigte sich auch 2004. Cordalis nahm an einer neuen RTL-Show teil: "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus". Mit Mut und Herz kämpfte er sich durchs Dschungelcamp und wurde am Ende zum Sieger gewählt. Ein Triumph und eine Genugtuung für den Schlagersänger. Endlich wieder Anerkennung. Statt sich auf dem Erfolg auszuruhen, arbeitete Cordalis hart. "Zwei Jahre jeden Tag Auftritte", sagte er 2017 in einem Interview. 

Was die Zuschauer hören wollten? "Anita". Doch statt sich genervt von seinem größten Hit abzuwenden, sang er den Song auch dreißig Jahre später noch voller Inbrunst und Begeisterung. Jetzt wird er im Himmel "Anita" singen.