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Was macht eigentlich...: David Bennent

Als zwölfjähriger spielte der Sproß einer Schweizer Schauspielerfamilie den Oskar Matzerath in der Verfilmung von Günter Grass' 'Blechtrommel' - und wurde damit international berühmt.

Als zwölfjähriger spielte David Bennent Sproß einer Schweizer Schauspielerfamilie den Oskar Matzerath in der Verfilmung von Günter Grass' 'Blechtrommel' - und wurde damit international berühmt.

STERN: David Bennent, damals waren Sie 1,14 Meter groß. Und heute?

BENNENT: Im Moment 1,55 Meter, wie viele andere auch. Und ich wachse noch.

STERN: Haben Sie sich denn wiedererkannt, als Sie die 'Blechtrommel' das letzte Mal sahen?

BENNENT: Das ist mindestens zehn Jahre her. Ich hab' anderes zu tun, als mir alte Streifen anzuschauen. Außerdem hab' ich keinen Fernseher. So einen häßlichen Kasten stelle ich mir nicht in meine Wohnung.

STERN: Was steht denn in Ihrer Wohnung?

BENNENT: Sowenig wie möglich. Zur Zeit wohnt meine Schwester Anne da, sie hat gerade ein Kind bekommen und ist zu Besuch in Paris.

STERN: In einer Szene schlüpfen Sie unter die Bett-decke Ihres Kindermädchens, schütten Brausepulver in dessen Bauchnabel und spucken drauf. Eine reichlich heiße Szene für einen zwölfjährigen Knirps...

BENNENT: Wieso? Kinder wissen doch schon mit zehn Bescheid. Es hat Riesenspaß gemacht.

STERN: Hatten Sie es schwer als Verkörperung des schrillen Wunderknaben David?

BENNENT: Manchmal kam ich weinend heim. Kinder sind brutal. Mein Vater sagte, selbst schuld, geh nicht mehr hin. Al-so blieb ich weg. Dann unterrichtete mich meine Mutter.

STERN: Auf der griechischen Insel Mykonos, wo Sie Ihre Kindheit verbrachten?

BENNENT: Ja, auch. Dort waren wir jahrelang, weil wir wenig Geld hatten und man dort mit hundert Mark einen Monat lang in einer Hütte am Strand leben konnte. Sehr einfach, aber schön: Anne und ich liefen im Sommer halbnackt herum, im Winter in schmutzigen Kleidern. Aber wir reisten wegen des Schauspielerberufs meines Vaters ständig herum wie die Vagabunden.

STERN: Wollten Sie deshalb auch Schauspieler werden?

BENNENT: Nein, ich wollte Koch werden, Bäcker und dann Jokkey. Auch mein Vater hat mich ständig gewarnt vor der Schauspielerei, diesem totalen Beruf. Aber irgendwie bin ich doch dran hängengeblieben. Das Theater war einfach präsent in unserer Familie, in Büchern, in Gesprächen, am Mittagstisch.

STERN: Nach Kinofilmen mit Lee Marvin und Tom Cruise spielten Sie nur noch Theater. Waren Sie für den Film als Zwerg abgestempelt?

BENNENT: Nein, aber die Filmangebote waren uninteressant. Sex und Gewalt interessieren mich nicht. Im Theater dagegen fühle ich mich wohl. Solange ich Shakespeares Narren spielen kann, lohnt es sich weiter-zuleben.

STERN: Was kommt als nächstes?

BENNENT: Ab August gehe ich zwei Monate nach Japan, Taiwan und Johannesburg. Wir spielen das Theaterstück 'Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte'. Außerdem hat man mir endlich mal ein gutes Angebot für einen Kinofilm gemacht. Der chilenische Regisseur Marcelo Lagos, der in Stuttgart lebt, will einen Film in Havanna drehen. Eine wahnsinnige Kulisse. Und endlich mal ein Streifen ohne Sex und Brutalität.

STERN: Keine Zwergenrolle?

BENNENT: Nein, solche Angebote werfe ich ohnehin sofort in den Papierkorb. Ich spiele einen Fotografen, der in Havanna lebt und eine trinksüchtige Bolero-Sängerin verehrt. Die Rolle paßt zu mir. Wie der Fotograf pendle auch ich um die Welt. So genügsam wie er - er haust in einer selbstgezimmerten Hütte auf dem Dach eines uralten Hauses - lebten wir auch. Der Stuttgarter Tänzer Benito Marcelino spielt den Sohn der Sängerin und Ben Becker einen deutschen Touristen, der auf Kuba ums Leben kommt.

STERN: Wann geht's los?

BENNENT: Sobald Marcelo Lagos das Geld zusammenhat. Ein Film ohne Pistolen und nackte Frauen ist schwer zu finanzieren. Das Kino wagt heute nichts mehr.

Mit David Bennent sprach STERN-Mitarbeiterin Uschi Entenmann.

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