was-macht-eigentlich Heinz Sielmann


Deutschlands erster und mittlerweile bekanntester TV-Tierfilmer wurde mit der ARD-Serie 'Expeditionen ins Tierreich' populär. Zeit seines Lebens kämpfte er für Umwelt- und Naturschutz.

Deutschlands erster und mittlerweile bekanntester TV-Tierfilmer wurde mit der ARD-Serie 'Expeditionen ins Tierreich' populär. Zeit seines Lebens kämpfte er für Umwelt- und Naturschutz. STERN: Wir haben lange nichts von Ihnen gesehen. Haben Sie sich zur Ruhe gesetzt?

SIELMANN: Im Gegenteil. Meine Frau und ich haben genug mit unserer Stiftung zu tun. 'Naturschutz als positive Lebensphilosophie' heißt das Konzept.

STERN: Und was bedeutet das?

SIELMANN: Wir haben ein 100 Hektar großes Gut bei Duderstadt, direkt an der ehemaligen Zonengrenze, gekauft und ein Erlebniszentrum daraus gemacht. Mit Pädagogen unternehmen Kinder dort Ausflüge in die Natur. Ich möchte, dass sie schöne Erinnerungen von hier mitnehmen. Sie sind die Naturschützer von morgen.

STERN: Als Sie 1938 Ihren ersten Film drehten, hätten Sie gedacht, so erfolgreich zu werden?

SIELMANN: Kaum. Mein Vater hatte mich sogar gewarnt: 'Warum Tierfilmer, Jungchen? Erbarmen! Das ist eine brotlose Kunst.'

STERN: Das war ja wohl eine glatte Fehleinschätzung.

SIELMANN: Kann man wohl sagen. Heute herrscht totale Inflation von Tierfilmen im Fernsehen. Aber es gibt kaum noch Überraschendes. Das meiste ist nette Unterhaltung.

STERN: Was würden Sie denn besser machen?

SIELMANN: Der Naturfilm sollte eine Mission erfüllen. Er muss zeigen, wie wir Menschen die Tiere und unsere Umwelt schützen können.

STERN: Gab's eigentlich mal gefährliche Situationen während Ihrer Arbeit?

SIELMANN: Die Tiere sind meine Stars. Ich habe sie immer genau studiert. Nur so konnte ich ihr Leben proper dokumentieren, ohne mich in Gefahr zu bringen. Wenn man die vielen Jahre bedenkt, ist wenig passiert. Einmal haben mich Gorillas angegriffen. Dann wurde ich von einem Elefantenbullen gejagt. Und ein paar Flusspferde, die Angst um ihre Jungen hatten, wollten mir auch schon an den Kragen.

STERN: Mal Hand aufs Herz, haben Sie beim Filmen nie geschummelt?

SIELMANN: Na ja, ein wenig. Beim Hamster zum Beispiel. Der Kerl lebt hauptsächlich unter der Erde. Ich musste die Tiere mit der Flasche aufziehen und ihren Lebensraum von Hand nachbauen. Eine Art Relief mit Scheibe davor.

STERN: Da gibt es Schlimmeres: Leute, die Raubtiere aufeinander hetzen ...

SIELMANN: ... Tiere mit Drogen vollzupumpen oder auszuhungern, bis sie schielen, das ist eine Schweinerei.

STERN: Gibt es ein Tier, um das Sie sich besonders sorgen?

SIELMANN: Um den Fischotter, mein Lieblingstier. Es gibt nur noch wenige Hundert Exemplare. Die leben vor allem in Niedersachsen, dem Bayerischen Wald, Brandenburg und Mecklenburg. In den vergangenen Jahren sind mehr als 300 überfahren worden. Damit die armen Kerle ihr Revier gefahrlos durchqueren können, bauen wir jetzt Tunnel, ähnlich wie für Kröten.

STERN: Wieso ist der Otter Ihr Lieblingstier?

SIELMANN: Daran ist Ingo schuld. Das war ein zahmer Fischotter. Den habe ich als Kind während der Sommerferien in Ostpreußen kennengelernt. Er fuhr auf einem Pferdewagen mit uns zum Baden.

STERN: Ingo ist nie abgehauen?

SIELMANN: Nie. Weil er als Baby mit der Flasche aufgezogen wurde. Alle marderartigen Tiere werden dann so zahm wie Dackel.

STERN: Haben Sie Haustiere?

SIELMANN: Nein. Ich bin zu oft weg.

STERN: Gehen Sie in den Zoo?

SIELMANN: Gerne. Viele Tiergärten haben sich nämlich sehr zum Positiven gewandelt. Die Tiere leben dort artgerecht in Gehegen statt in Käfigen.

STERN: Essen Sie vegetarisch?

SIELMANN: Um Gottes willen, nein. Der Mensch hat schließlich ein Allesfresser-Gebiss.

Mit Heinz Sielmann sprach STERN-Mitarbeiterin Susanne Schormann.


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