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was-macht-eigentlich: John Newcombe

Der australische Tenniscrack gewann 1967 zum ersten Mal das Turnier in wimbledon ? gegen den Deutschen Wilhelm Bungert. Zwei weitere Siege folgten. 1978 beendete er seine Karriere

Der australische Tenniscrack gewann 1967 zum ersten Mal das Turnier in Wimbledon ? gegen den Deutschen Wilhelm Bungert. Zwei weitere Siege folgten. 1978 beendete er seine KarriereMit Ihrem Wimbledonsieg am 7. Juli 1967 gegen Wilhelm Bungert haben Sie dafür gesorgt, dass eine ganze Nation noch 18 Jahre warten musste, bis mit Boris Becker 1985 erstmals ein Deutscher das Turnier gewinnen konnte. Sie hatten doch hoffentlich Schuldgefühle deswegen?

Mit Becker habt Ihr ja gleich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Er war nicht nur der erste deutsche Wimbledonsieger, sondern zugleich der jüngste und der erste nicht gesetzte Spieler. Aber ich hätte Wilhelm Bungert auch den Sieg gegönnt. Wir waren eng befreundet, außerdem liebe ich Deutschland.

Das können Sie im Nachhinein leicht behaupten.

Ich habe gute Gründe dafür. Meine Frau Angelika, eine frühere Tennisspielerin, ist Deutsche. Ich habe sie 1963 in Hamburg kennen gelernt, wo wir uns schließlich 1965 verlobt haben. Zwei unserer drei Kinder wurden sogar in Hamburg geboren.

Was haben Sie damals für den ersten Ihrer insgesamt drei Siege in Wimbledon kassiert?

Sagenhafte 50 britische Pfund, in Form eines Verrechnungsschecks. Ich musste in einen Laden gehen, um ihn überhaupt einlösen zu können. Erst ab 1968, als wir Profiverträge mit der neugegründeten Spielerorganisation WCT hatten und die Grand Slams in Australien, Frankreich, England und den USA eingeführt wurden, ist mehr Geld geflossen.

Neidisch auf die Preisgelder heutiger Tage?

Nein, überhaupt nicht. Geld ist heute das größte Problem im Profitennis. Die Unsummen, die dort gezahlt werden, verändern die Spieler zu negativ. Viele sind in jungen Jahren schon satt, haben im Training und auf dem Platz keinen Biss mehr. Ich habe bis zu meinem Karriereende 1978 genug verdient, um das Leben genießen zu können.

Warum haben Sie sich dann noch den Stress angetan, zwischen 1994 und 2000 Australiens Davis-Cup-Team zu betreuen?

Australien hat eine lange Tennistradition. Schon 1907 haben wir den Davis Cup gewonnen, und stets eine führende Rolle im Welttennis gespielt. Nach dem Wimbledonsieg von Pat Cash 1987 begann dann eine lange Durststrecke. Da habe ich spontan zugesagt, beim Wiederaufbau zu helfen. Nach einigen Höhen und Tiefen haben wir 1999 schließlich den Davis Cup gewonnen.

Können Sie dem deutschen Teamchef Charly Steeb ein paar Tips geben, wie man erfolgreich eine Davis-Cup-Mannschaft führt?

Es geht nur, wenn der Teamgeist stimmt. Ich habe eine Art Freundschaft zu den Spielern und ihren Familien entwickelt und so jeden einzelnen Charakter genau kennen gelernt.

Vergangenes Jahr haben Sie den Job aufgegeben ? für ein Rentnerleben?

Keineswegs. Ich bin etwa vier Monate im Jahr als Tenniskommentator für das australische Fernsehen unterwegs. Außerdem betreibe ich in Sydney eine Marketingfirma und in Texas eine Tennisranch.

Apropos Texas: Haben Sie noch Kontakt zu Ihrem alten Kumpel George W. Bush?

Selten, er hat als Präsident der USA derzeit sicher andere Probleme .

Stimmt es, dass Sie ihn 1976 in einer Bar unter den Tisch gesoffen haben und er dann noch Auto gefahren ist?

Ich hatte George gewarnt: Lass dich auf kein Wetttrinken mit einem Australier ein. Er hatte schon nach sechs Bieren genug. Es war eine große Dummheit, dass er sich noch ans Steuer gesetzt hat. Die Polizei hat uns prompt erwischt, und George wurde verhaftet. Aber auch ein zukünftiger Präsident macht eben mal Fehler.

Interview: Andreas Renner