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Werbevertrag: Verona Pooth trägt jetzt Billig-Mode

Verona Pooth in T-Shirts für 3,99 Euro und Lederimitatjacken: Ab 30. August startet sie ihre Werbekampagne für den Textildiscounter "Kik". Wie passt das zu "Glamour-Verona"?

Von Jens Maier

Hier würde sie auffallen wie ein bunter Hund: Grauhaarige Männer in kurzen Hosen und mit Strümpfen in Sandaletten bahnen sich mit einem Einkaufswegen den Weg durch den Textildiscount-Markt im Hamburger Stadtteil Sankt Georg. Dazwischen junge Frauen in verwaschenen Pullovern, die das Sonderangebot an Jogginghosen für 3,99 Euro kritisch begutachten. Kaum vorstellbar, dass sich hierher jemand verirrt, der sonst nur in Designer-Klamotten aus dem Haus geht und in edlen Roben über den roten Teppich schreitet - schon gar nicht Verona Pooth. Trotzdem macht sie jetzt Werbung für "Kik".

Am 30. August startet die neue Werbekampagne mit Pooth offiziell, vorab waren bereits am Mittwoch Anzeigen in Zeitungen geschaltet. Ab Sonntag wird Verona dann auch in TV-Spots auftreten. Die Zuschauer bekommen sie dann in einem lila T-Shirt für 3,99 Euro, einer Jeans für 19,99 Euro und einer Lederimitatjacke für 19,99 Euro zu sehen. Und auch privat will Pooth die Kleidung tragen. Nicht auf dem roten Teppich, weil "Kik" keine Abendkleider im Angebot habe, wie sie der "Bild"-Zeitung sagte, "aber sonst ganz bestimmt".

Ende Februar war ihr Vertrag mit Marmeladen-Hersteller Schwartau ausgelaufen und wurde nicht verlängert. Auch ein bereits gedrehter Werbespot mit der Brauerei Paulaner wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Ihr Engagement beim Shoppingkanal "HSE 24", wo sie ihre Kosmetiklinie "So perfect" verkaufte, endete ebenfalls im Juni. Statt mit Werbung machte Pooth mit einer Hausdurchsuchung der Steuerfahndung Schlagzeilen. Ihr wird Steuerhinterziehung vorgeworfen, die Ermittlungen dauern noch an.

Welche Gage Pooth für ihr Engagement im Segment der Billig-Bekleidung bekommt, darüber wollte "Kik" keine Angaben machen. Der Vertrag bindet Pooth für zwei Jahre an das Unternehmen und ist Teil einer Kundenoffensive, die "Kik"-Chef Stefan Heinig kürzlich zur Eroberung neuer Zielgruppen ausgerufen hatte. "Wir wollen denen, die noch nicht bei uns kaufen, zeigen, was wir können. Deshalb steigern wir unsere Werbeausgaben massiv", sagte Heinig in einem Interview mit "Welt.de". "Kik" ist die größte Textildiscount-Kette in Deutschland und verfügt über 2700 Filialen in ganz Europa.

Pooth, deren Werbeslogans "Da werden Sie geholfen" (für eine Telefonauskunft) und "Wann macht der denn endlich blubb?" (für Spinat-Tiefkühlkost) inzwischen Kultstatus erreicht haben, wird auch in den Werbespots für "Kik" kein korrektes Deutsch sprechen. Ihr Slogan lautet "Besser als wie man denkt". Und auch wenn ihr äußeres Erscheinungsbild nicht unbedingt zum Image eines Textildiscounters passt, ihre Stimme tut es jedenfalls. Die klingt nämlich ähnlich piepsig wie die des "Kik"-Maskottchens, einem animierten roten T-Shirt.

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