"Best-dressed list 2006" Gut angezogen trotz Hotpants


Manchmal ist eine Kleinigkeit, die Prominente in Mode-Himmel oder -Hölle katapultiert. Bei Condoleezza Rice waren es unter anderem ihre schwarzen Lederstiefel, die ihr einen Platz auf der Liste der "best-dressed" bescherten.
Von Claudia Pientka

Von den einen gefürchtet, von andern heiß ersehnt sind Listen, die best- und schlechtest-angezogene Menschen auszeichnen. Nun ist es mal wieder soweit: Das amerikanische Lifestyle-Magazin "Vanity Fair" veröffentlicht in seiner September-Ausgabe, die am 8. August erscheint, die "International best-dressed list", und viele Berühmtheiten werden den Inhalt heiß ersehnt oder bange erwartet haben. Unangefochten dominiert ein Model das Ranking, das eben erst für seine Mode-Faux-Pas gescholten worden war: Kate Moss.

Denn erst wenige Tage zuvor beklagte die britische Tageszeitung "The Guardian" den schleichenden Verfall ihres Geschmacks, den sie an einer Reihe modischer Fehltritte festmachte. Kritikpunkt Nummer Eins: War die Mode-Ikone Moss, 32, bisher Trendsetter und Vorreiter in Sachen Kleidung gewesen, scheint sie nun ihren Stil zementiert zu haben. Und der, Kritik Nummer Zwei, scheint derzeit nur von einem einzigen Kleidungsstück charakterisiert zu sein: der Hotpants. Seit ihrem legendären Auftritt beim verregneten Glastonbury-Festival, wo sie in Gummistiefeln und Mini-Jeans neben Pete Doherty durch den Schlamm schritt, schlüpfte sie ein ums andere Mal in die Mini-Hosen - und das sei eben mehr Stillstand denn Fortschritt, monierte der "Guardian". Schuld an der Mode-Misere sei der schlechte Einfluss von Pete Doherty und seinem Nachfolger Russell Brand. Beide Rock 'n' Roller hinterließen nämlich nicht nur Spuren in Kate Moss' Leben, sondern auch in ihrer Garderobe: Schlabbernde T-Shirts, hängende Gürtel und seit neuestem eine lose baumelnde Krawatte seien eher Insignien eines allzu lässigen Rockstars als einer Mode-Ikone.

Die Lederstiefel der Ministerin

Doch was auf der Insel verpönt ist, scheint die amerikanischen Leser von "Vanity Fair" weniger zu stören. Noch nie habe eine Frau vor Kate Moss so viele Stimmen erhalten, sagte der Style-Direktor des Hefts, Michael Roberts, und die Leser wählten ihre Stil-Vorbild immerhin schon zum 67. Mal. 1940 hatte die Public-Relations-Dame Eleanor Lambert die Best-Dressed-Liste ins Leben gerufen, um amerikanische Modedesigner ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Illustre Namen wie Coco Chanel oder Anna Wintour schmückten die Liste und durften sich andererseits von der Nennung geehrt fühlen. Derzeit obliegt es dem Gesellschafts-Magazin "Vanity Fair", das Ranking zu führen.

Doch nicht nur Moss wurde geehrt - und in nichts als Handschuhen, Pelzmütze und Stiefeln bekleidet auf dem Cover präsentiert - auch andere prominente Namen schafften auf die Liste. So wurden Talk-Show-Moderatorin Oprah Winfrey, Schauspielerin Renee Zellweger und Sängerin Gwen Stefani ebenso für ihren Modegeschmack gelobt wie die US-Außenministerin Condoleezza Rice. Die präsentiere sich auch auf Kriegskonferenzen und Wirtschaftsgipfeln mit "makellos gepflegtem und würdigem Modestil", dem auch ein "Hauch Kühnheit" nicht fehle, so die Moderedakteure der "Vanity Fair". Ebenfalls lobend erwähnt wurden die kniehohen schwarzen Dominastiefel der Außenministerin, in denen sie die in Wiesbaden stationierten Truppen abschritt. Auch eine Repräsentantin des Adels findet sich auf der Liste wieder: Caroline-Tochter und Grimaldi-Spross Charlotte Casiraghi, die immer häufiger die Klatschseiten internationaler Magazine präsent ist.

Bei den Männer landete übrigens ein Sportler auf dem ersten Platz: David Beckham. Und das trotz seines oft gescholtenen metrosexuellen Stils.


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