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"Internationaler Jogginghosentag": Liebt eure Jogginghosen!

Zum "Internationalen Jogginghosentag" ist es mal wieder Zeit für die alljährliche Ode an die schlunzige Schlabberbüx. Denn die Jogginghose ist mehr als nur ein Kleidungsstück. Viel mehr.

Von Jessica Wagener

Rihanna kombiniert eine weiße Jogginghose zur Perlenkette und geht damit aus. Ob sie die Kontrolle über ihr Leben verloren hat?

Rihanna kombiniert eine weiße Jogginghose zur Perlenkette und geht damit aus. Ob sie die Kontrolle über ihr Leben verloren hat?

Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren", donnerte Karl Lagerfeld dereinst in einer Talkshow. Da lagen meine Jogginghose und ich in trauter Zweisamkeit auf der Couch und lachten herzlich. Ein paar Kekskrümel rieselten zu Boden.

Denn das Gegenteil ist der Fall: Wer Jogginghose trägt, hat alles im Griff - denn er oder sie weiß, wann es Zeit für Tiefenentspannung im Alltag ist, wie man sie schnellstmöglich erreicht und was dabei wirklich zählt. Eine Jogginghose, cher Karl, ist nämlich wesentlich mehr als ein Kleidungsstück. Sie ist ein Zuhause, ein Stück Bodenständigkeit, ein Schutzwall gegen diese böse Welt.

Zwischen Freiheit und Geborgenheit

Meine Jogginghose beispielsweise, ein inzwischen recht verwaschenes Modell eines namhaften Sportherstellers, empfängt mich sanft, wenn ich nach einem langen, harten Tag nach Hause komme. Im Laufe der gemeinsamen Jahre hat sie meine Beinform übernommen und schmiegt sich kaum spürbar an. Sie hat mich in den verschiedensten Lebenslagen gesehen, sie kennt alle meine Seiten - auch und gerade die schlechten. Sie verzeiht Gewichts- und Stimmungsschwankungen, aber auch Eiscremekleckse und Schokoflecken und überhaupt jedweden Exzess mit beinahe elterlicher Nachsicht, sie ist weich und warm und bietet dennoch ausreichend Halt. Die ultimative Balance zwischen Freiheit und Geborgenheit. Und in ihren Taschen finde ich manchmal sogar noch ein Stück Keks.

Doch zugegeben: Lange trug man Jogginghosen wirklich nur zu Hause, im Garten oder maximal beim Gang zum Kiosk. So, als schämte man sich ein wenig für diese fürsorglich-innige Liebe, in der Optik nun mal eine untergeordnete Rolle spielt. In Einkaufspassagen oder auf artverwandten Laufstegen des kleinen Mannes sah man die Jogginghose in der Tat vorwiegend an ... sagen wir, eher zwielichten Gestalten.

Das allerdings hat sich - Lagerfelds Schmähung zum Trotz - inzwischen geändert.

Droht der Jogginghose Konkurrenz?

Schon seit vergangenem Jahr findet man vermehrt so genannte Lounge-Pants. Das sind im Grunde die aufgehübschten Cousinen meiner schlabbrigen Jogginghose. Auch Stars wie Rihanna tragen mittlerweile Schlunzhosen auf Events. Draußentauglich, ohne Flecken und Kniebeulen, aus edlen Stöffchen und mit güldenen Zugbändern, manche davon kombiniert man mit Blazer und High Heels. Das mag auch etwas damit zu tun haben, wie sich unsere Arbeitswelt verändert. Wir trennen schließlich immer weniger zwischen Job und Freizeit.

Und weil die Jogginghose jetzt nach Draußen geht und damit eine emotionale Lücke hinterlässt, bestellen passionierte Sofakartoffeln auf der Suche nach einem textilen Stück Geborgenheit derzeit zunehmend Onesies - flauschige Ganzkörperanzüge. Besonders infantile Bequemlichkeits-Enthusiasten (wie ich) ordern gern auch die Krümelmonster- oder Dino-Version.

Doch mag er noch so ulkig und kuschelig sein, man kann mit einem Onesie echt schlecht auf die Toilette gehen. Und im Liegen zieht die obere Hälfte den gesamten Rest nach oben, auch den Schritt - es zwickt und zwackt. Also keine Konkurrenz und vor allem kein valider Ersatz für die herkömmliche Jogginghose.

Aber Freunde, das weiß man ja, lassen sich eben nicht einfach so ersetzen.

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