HOME

Agent Provocateur: Vom Insider-Tipp zur Kultwäsche: "Der Verkauf von Masken und Peitschen ist gestiegen"

Wird das Schlafzimmer zum Liebestempel, ist sie im Spiel: Die Wäschemarke Agent Provocateur macht einfache Hausfrauen zu Sex-Göttinnen. Der stern sprach mit Kreativ-Direktorin Sarah Shotton.

Von Silke Roth

Sarah Shotton verrät, wie es im Dessous-Geschäft so läuft, welchen Fehler die meisten Frauen beim Wäschekauf begehen und dass viele Männer ganz offen Dessous für ihre Geliebte besorgen.

Sarah Shotton verrät, wie es im Dessous-Geschäft so läuft, welchen Fehler die meisten Frauen beim Wäschekauf begehen und dass viele Männer ganz offen Dessous für ihre Geliebte besorgen.

Sarah Shotton lebt ihren Job. Die Britin ist Kreativ-Direktorin von Agent Provocateur und gerade hochschwanger. Kein Grund für sie auf High Heels oder heiße Dessous zu verzichten. Exklusiv für den stern gibt sie schlüpfrige Einsichten ins Wäschebusiness.

Mrs. Shotton, gerade gingen die Bilder der Victoria's-Secret-Show um die Welt. Was unterscheidet Agent Provocateur vom US-Konkurrenten?

Bei uns kauft man weniger Parfum. Wir haben einen sehr hohen Anspruch an die Qualität der Produkte. Es gibt keine Supermodels, die wie Schmetterlinge umherschwirren. Wir haben "Leading Ladies", deren Persönlichkeiten kontrovers sind und die viel mehr Facetten haben als ein süßes Lächeln.

Ihr Fokus liegt auf Reizwäsche. Das Thema ist sehr klischeebehaftet. Wie macht man daraus ein erfolgreiches Luxusprodukt?

Wir sind eine coole, britische Marke. Sozusagen der Rolls Royce auf dem Wäschemarkt, nein, besser der Bentley. Wir haben uns aus einer Nische hochgearbeitet und in den letzen Jahren eine Wäsche- und Modekollektion entwickelt. Wir arbeiten mit Luxus-Spitze und hohen technischen Ansprüchen. Jede Saison entwerfen wir neue Designs, ein altes Modell in einer anderen Farbe aufzulegen kommt nicht in Frage. Ich habe selbst als Verkäuferin in der Londoner Boutique angefangen und es hat in Großbritannien Kultstatus ein so genanntes "AP-Girl" zu sein oder nur etwas von uns zu tragen. Unsere Wäsche macht etwas mit Frauen, das höchstens eine Flasche Champagner kann.

Es geht nicht darum, jemanden zum Lustobjekt zu machen

Verstehe. Aber gedimmtes Licht, ein paar Gläser Champagner und Personal in pinkfarbenen Pin-Up-Uniformen - verkauft man heute wirklich noch so Reizwäsche?

Nun, unsere Wäsche gibt in erster Linie einen enormen Schub fürs Selbstbewusstsein. Es geht hier nicht darum jemandem zum Lustobjekt zu machen, sondern um Feminismus. Kein Scherz, ich sehe Agent Provocateur als moderne Wäsche für Feministinnen. Wir tragen heute High Heels, Bleistiftrock, Make-Up und tun das alles für uns selbst! Wir geben unseren Kundinnen das Werkzeug in die Hand um sich gut in ihrem Körper zu fühlen und ihre Kurven ins Form zu bringen. Sie selbst entscheiden dann, ob sie Lust haben, es ihrem Partner zu zeigen oder ob es ihr kleines Geheimnis bleibt.

Nun gut wir reden hier von wirklich knapper Spitze, nicht jede Frau traut sich da ran. Hilft Ihnen der Hype um "Fifty Shades of Grey" dabei, dass Hemmschwellen verschwinden?

Oh ja, wir werden sogar darin erwähnt. Im ersten Band schickt Christian Grey einen Freund zum Wäschekauf zu uns. Wir waren auch schon in Bridget Jones Thema. Natürlich hilft das uns, weil es Menschen neugierig und experimentierfreudig macht. Der Verkauf von Masken, Peitschen und Nippelschmuck ist bei uns jedenfalls drastisch angestiegen.

Kunden erzählen, durch welches Set sie schwanger wurden

Welches ist der Bestseller?

Lacy, ein klassisches Spitzen-Modell mit halb-transparenten Schalen.

Was lieben deutsche Frauen?

Jeder würde denken, deutsche Frauen kaufen schlichte, weiße Wäsche, Französinnen dagegen schwarz-verspielte. Aber das ist bei uns nicht so. Unsere Bestseller sind weltweit beliebt und wir machen keine Länderunterschiede im Sortiment. Dass Chinesinnen nur Push-Ups kaufen ist übrigens ebenso ein Gerücht.

Also verkauft sich eine Glitzerpeitsche genauso gut in Qatar?

Natürlich. Wir verkaufen dort sogar viele Spielsachen.

Hand aufs Herz, hat man besseren Sex mit Agent Provocateur-Wäsche?

Ähm, wie Sie sehen (zeigt auf ihren Babybauch) kann ich nicht lügen. Ja, ich bin in der Firma bekannt, Muster zu einem sehr frühen Zeitpunkt zu testen. Es gibt Kunden, die durch die Boutique streifen und erzählen, durch welches Set sie endlich schwanger wurden. Wir versuchen unsere Kundinnen nur an etwas anderes heranzuführen, was sie noch nie anprobiert haben. Wenn sie sich wohl darin fühlen, gehen sie nach Hause und haben definitiv besseren Sex.

Wer kauft ihre Wäsche, Männer oder Frauen?

Zu 70 Prozent Frauen.

Frauen kaufen oft die falsche Größe

Erkennen Sie es, wenn ein Mann Wäsche für seine Geliebte kauft?

Ich verrate Ihnen etwas: Er macht daraus keinen Hehl und erzählt es der Verkäuferin fast immer. Ich musste als Shop-Girl an Weihnachten oft die Initialen auf die Boxen schreiben und sie unter Geschenkband verstecken. Nur dass der Kunde wusste, welche Frau welches Päckchen bekommt.

Was kaufen Männer denn?

Schwarz und immer Spitze. Das ist die sicherste Wahl. Leider haben sie überhaupt keine Ahnung von den Maßen ihrer Partnerin.

Und welchen Fehler machen Frauen beim Wäschekauf?

Immer und immer wieder: Die falsche Größe kaufen. Gut sitzende Dessous sind das Beste, was wir für unsere Haltung tun können. Wenn man den Tag schon mit etwas beginnt, das untendrunter schlecht sitzt, wird das restliche Outfit schrecklich aussehen. An alle Frauen: Vergessen Sie ihre bisherige Größen und Vorlieben und lassen Sie sich beim Wäschekauf auf etwas Spannenderes ein.

Das große Wäsche-Extra finden Sie im aktuellen stern.

print