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Diskussion um Bebelplatz: Berliner Fashion Week sucht neues Quartier

Nach massiver Kritik an ihrem Standort auf dem Bebelplatz sucht die Berliner Fashion Week Berlin ein neues Quartier. "Wir beugen uns der öffentlichen Meinung", sagte Veranstaltersprecher Daniel Aubke am Sonntag.

Nach massiver Kritik an ihrem Standort auf dem Bebelplatz sucht die Berliner Fashion Week Berlin ein neues Quartier. "Wir beugen uns der öffentlichen Meinung", sagte Veranstaltersprecher Daniel Aubke am Sonntag. Der heutige Bebelplatz war unter den Nazis 1933 Ort der Bücherverbrennung, daran erinnert ein Denkmal. Zuletzt hatten am Sonntag der Berliner Ehrenbürger Edzard Reuter, die Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde, Lala Süßkind, und die CDU-Bundestagsabgeordnete Monika Grütters in einem offenen Brief gefordert, der Platz müsse "frei von trivialisierenden Massenveranstaltungen bleiben".

Die Fashion Week vom 20. bis 23. Januar ist nun möglicherweise die letzte auf dem Platz neben der Staatsoper Unter den Linden im Bezirk Mitte, bestätigte Aubke einen Bericht der "Berliner Morgenpost" (Montag). Mehr als 30 Modenschauen sind geplant, von bekannten Marken wie Boss und Strenesse bis zum Nachwuchstalent Sam Frenzel. Die nächste Fashion Week im Juli könnte schon eine neue Adresse haben, sagte Aubke. Noch stehe aber kein Ausweichquartier fest.

Den offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatten auch verschiedene Künstler und Kirchenvertreter unterzeichnet. Sie beklagen, dass der Zugang zum unterirdischen Mahnmal durch Modeschauen, Weihnachtsmärkte und Eislaufbahnen regelmäßig behindert werde. Die "provinzielle Bespielung" eines authentischen Tatorts von Naziverbrechen beschädige zudem das Ansehen Deutschlands. Aubke sagte: "Wir wundern uns, dass nun gerade an uns ein Exempel statuiert wird."

Seit 1994 gibt es auf dem Bebelplatz das Denkmal des israelischen Künstlers Micha Ullman. Das Kunstwerk zeigt eine unterirdische Bibliothek mit leeren Regalen. Besucher des Platzes sehen das Denkmal durch eine Glasscheibe im Boden. Schon der Bau einer Tiefgarage unter dem Platz hatte vor einigen Jahren für einen erbitterten Streit gesorgt.

DPA / DPA