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Edelmode für Kinder: Mit Prada in den Kindergarten

Viele Luxushäuser schneidern mittlerweile einige Nummern kleiner: Mit Edelmode für Kinder zielen sie auf statusbewusste Eltern - und trimmen den Nachwuchs schon früh auf Markenhörigkeit.

Von Bettina Weiguny

Sie stolzieren über den Laufsteg wie die Großen, in wallenden Seidenkleidern, Ballonröcken, im Cashmerefummel. Anmutig schauen die Mädchen oder frech, je nach Typ. Nur wenn sie lächeln, dann bricht das inszenierte Bild: Dann leuchten ihre Milchzähne, und bei den Größeren klaffen Zahnlücken. Sie sind erst vier, höchstens acht Jahre alt, die kleinen Models, die für Laura Biagiotti und Versace laufen, für Diesel, Escada und Dolce & Gabbana.

Der Luxus hält Einzug in den Kinderschrank: So früh wie möglich züchten sich die Konzerne die kaufkräftige Klientel von übermorgen heran. Denn wen sie einmal verführt haben, den verlieren sie selten an die Konkurrenz. "Wer als Kind mit Adidas und Dior aufwächst und zufrieden ist, wechselt später nicht zu Nike und Cavalli", sagt der Marktforscher Ralf Bauer, der die Studie "Kids Verbraucher Analyse" betreut. Mit Kindermode binden die Luxusschneider praktischerweise gleich mehrere Kundengenerationen ans Haus. Babykollektionen erweichen die Herzen der Eltern und Großeltern. Kleinkindern dürfte es egal sein, in was die Eltern sie stecken. Doch: "Ab dem Schulalter beginnt das Image einer Marke dann auf die Kinder selbst zu wirken", behauptet Marktforscher Bauer.

Die Designer entwerfen absichtlich modische Abziehbilder der Eltern, und so erscheint der Sandkasten-Look oft als eine geschrumpfte Ausgabe der Erwachsenenkollektion. Die Modemacher schneidern die Entwürfe schlicht ein paar Nummern kleiner, statt für die Maße 90-60-90 für 40-40-40, was dann einer Vierjährigen passt. Cavalli für Kleine präsentiert sich erwartungsgemäß wild, Burberry brav mit karierten Faltenröckchen und Trenchcoats. Ralph Lauren kleidet vermeintliche Eliteschüler in Hemd und Tweedjacke, genau wie Papa sie in der Freizeit trägt. Ende Juni wird auch Hugo Boss eine Kinderlinie präsentieren - als kleines Abziehbild der Linie Boss Orange.

Eltern posieren gern im Partnerlook

"Viele Kinder wollen heute wie Erwachsene behandelt werden und sich so kleiden", erklärt man bei Tommy Hilfiger den XXS-Trend. Vermutlich ist es anders herum: Eltern posieren gerne im Partnerlook mit ihren Kindern, zumindest im gleichen Stil. So wie es Film- und Popstars vormachen: Kate Moss' Tochter Lila Grace trägt Burberry - die Marke, für die Mama Werbung macht. Madonnas Tochter Lourdes zeigt sich in Versace, und Angelina Jolie hat für ihre Tochter sogar die gleiche Valentino-Handtasche ausgesucht - in mini.

Für 2,7 Milliarden Euro haben die Deutschen im vorigen Jahr ihre Kinder eingekleidet, gut fünf Prozent davon entfallen auf die Premiummarken. "Den Massenmarkt wollen wir gar nicht erreichen", sagt der amerikanische Modeschöpfer Marc Jacobs, der gerade die Linie "Little Marc" herausgebracht hat - mit grauen Cashmerepullis für 300 Euro. Mit solchen Edelstücken richten sich die Schneider an die wachsende Zahl gut verdienender Ein-Kind-Familien, wo der Sohn oder die Tochter wie ein Statussymbol behandelt wird. Zu beobachten in den Kindergärten der besseren Stadtteile, wo Mädchen mit goldenen Prada-Sandalen zum Morgenkreis erscheinen. Doch die wenigsten Modekonzerne verdienen Geld mit der Minimode. Hege und Pflege der Marke über die Kinder kostet, jeder Strampler ist eine Investition ins Marketing - in der Hoffnung: Früh übt sich, wer ein Luxuskunde werden will.

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