Haute-Couture 2006/2007 19 Näherinnen, 2000 Stunden, ein Kleid


Lange sah es so aus, als würden den Haute-Couture-Schneidern nicht nur die Kunden ausgehen sondern auch der Prunk abhanden kommen. Nun zeigt der Libanese Ellie Saab, dass die "Große Oper" noch lange nicht tot ist.
Von Elke Reinhold

Etwa 100 Kundinnen weltweit, so wird geschätzt, leisten sich noch den Luxus einer Haute-Couture-Garderobe, vor 20 Jahren waren es noch 2000. Unter den Verbliebenen halten sich hartnäckig die Multimillionärinnen Ivana Trump und Mouna Ayoub, die sich die meisten Defiles aus der Ersten Reihe persönlich ansehen.

Aber auch Claudia Cardinale bei Armani, Kylie Minogue, zusammen mit Elton John bei Chanel, Cher, Liv Tyler und Drew Barrymore bei Dior liebäugeln zuweilen mit einem Outfit ab zehntausend Euro aufwärts.

Die Designer der großen Pariser Couture-Häuser, ein gutes Dutzend insgesamt, lassen sich von schwindenden Kundenzahlen jedenfalls nicht beirren - als Marketingmaßnahme lohnt sich das Theater allemal: Die Bilder von John Gallianos spektakulärer Schau für Dior, einem Mix aus Ivanhoe, Alice im Wunderland und Italienischer Renaissance, gingen binnen Stunden um die Welt.

Auch bei Chanel scheute Karl Lagerfeld keine Mühen: Eines der aufwändigsten Kleider war von 19 Arbeiterinnen in 2000 Stunden bestickt worden. Das Publikum setzte der Modeschöpfer in eine nur für die Schau gebaute, drehbare Manege.

Das war auch schon mal anders: Die letzten eineinhalb Jahre wusste keiner so recht, wo die Couture eigentlich hin will - das Gros der Looks hätten etwas modemutigere Frauen auch im Büro getragen, was ja nicht wirklich der Sinn von Kleidern ist, die den Wert eines Maybach haben können. Nun ist der Prunk zurück, die Designer trauen sich wieder an die "Große Oper", und vergessen neben ihren Hauptabsatzmärkten, Asien und USA, ihre treuen Stammkunden nicht: Kostbare Felle und Pelz-verbrämte Kostüme mit folkloristischen Elementen werden den Gattinen der russischen Oligarchen gefallen.

Gold und Silber, bunte Steine und viel Glitzer sprechen dafür, dass der arabische Markt noch immer interessant genug ist. Wenn auch hinter vorgehaltener Hand geklagt wird, dass selbst die Scheichs nur noch für große Hochzeiten tief genug in die Tasche greifen, im Alltag begnügten sie sich inzwischen mit Pret-a-Porter.


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