Haute Couture Strenge, Opulenz und Gerüchte


Das Stühlerücken in der französischen Haute Couture geht weiter. In Paris wird nicht nur über die neueste Mode, sondern auch über das sich drehende Personalkarussell gesprochen.

Das Stühlerücken in der französischen Haute Couture geht weiter. Auf den an diesem Donnerstag endenden Defilees für die Saison Frühjahr/Sommer 2003 wird nicht nur über die neueste Mode, sondern auch über das sich weiter drehende Personalkarussell gesprochen. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Namen: Der Schweizer Laurent Mercier debütierte bei Balmain und der Walliser Julian Macdonald zeigte möglicherweise seine letzte Kollektion für Givenchy.

Sollte sich das Gerücht bewahrheiten, stünde Macdonald nach nur zwei Jahren bereits wieder vor dem Aus. Seitdem die Designer nicht mehr Chef im eigenen Haus sind, sondern nur noch Angestellte großer Luxuskonzerne, haben sie immer weniger Zeit, einen eigenen Stil zu entwickeln. Givenchy etwa gehört zur französischen Gruppe LVMH, hinter der sich so renommierte Marken wie Christian Dior oder Louis Vuitton verbergen.

Ein Hauch von Audrey Hepburn

Ein Hauch von Audrey Hepburn wehte durch die Kollektion von Givenchy. Die amerikanische Schauspielerin wurde Dank der Modelle, die Hubert de Givenchy einst für sie entwarf, zur Stilikone der 50er und 60er Jahre. Macdonald holte nun das „Kleine Schwarze“ auf den Laufsteg zurück. Seine Mode ist elegant, aber streng. Einen Trenchcoat aus schwarzem Schlangenleder akzentuiert er mit schweren Metallbeschlägen. Auch die Militärelemente und die hoch geschlossenen Oberteile passen in dieses Bild.

Balmain: Taillen Dramatik

Zum ersten Mal entwarf Laurent Mercier die Haute-Couture- Kollektion von Balmain. Der Schweizer, der bereits seit einem Jahr für die Konfektionslinie des französischen Modehauses verantwortlich zeichnet, übernahm nun auch die Arbeit in den Maßateliers. Balmains Modelle bekommen durch die mächtigen Volant-Konstruktionen an den Armlöchern, Dekolletés oder Taillen Dramatik. Zum fuchsiafarbenen Blouson aus Taft kombiniert Mercier dann einen hohen Federkragen und eine goldene, enge Hose aus Spitze.

Haute Couture setzt noch immer Maßstäbe

Zwar hat die Haute Couture schon lange nicht mehr die Bedeutung von einst, doch in der Verarbeitung und Kunstfertigkeit setzt sie weiterhin die Maßstäbe. Alles, was auf den Pariser Laufstegen zu sehen ist, wurde per Handarbeit hergestellt. Selbst federleichten Tüll, Organdy oder Organza zu besticken und bemalen, gelingt den hoch qualifizierten Spezialisten in den Pariser Werkstätten. Karl Lagerfeld erntete für seine Chanel-Kollektion mit den hauchzarten Blüten-Arrangements und der modernen Grafik von der „International Herald Tribune“ das Lob: „schönste Kollektion, die er jemals für das Haus entworfen hat“.

Auch bei Christian Lacroix leisteten die Ateliers wieder ganze Arbeit. Der Franzose, berühmt für seine üppigen Farb- und Musterspiele, unterstrich noch einmal die Bedeutung, die die Farbe Weiß in diesen Tagen bei der Haute Couture einnimmt. Bei Lacroix sind es vor allem die Spitzenstrumpfhosen, aber auch in den Kleidern hinterlässt die reinste aller Farben ihre Spuren. Doch wie immer überwiegt letztlich die Lust am Dekor. An Üppigkeit noch übertroffen wurde Lacroix am Mittwoch von Emanuel Ungaro. Satin, Spitze und Seide erhalten satte Drucke und Zierrat.


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