Haute Couture Totgesagte leben länger


Der Abschied von Yves Saint Laurent vor drei Jahren läutete den Abgesang auf die Haute Couture ein. Doch allen Unkenrufen zum Trotz, feiert die "hohe Modekunst" heute ihre Wiederauferstehung.
<em>von Jens Maier</em>

Nach 45 Jahren Modegeschichte verabschiedete sich 2002 einer der ganz großen Couturiers: Der Rückzug des Meisters Yves Saint Laurent stürzte die Pariser Haute Couture in eine tiefe Krise. Spekulationen über ein bevorstehendes Ende der "hohen Modekunst", wie Haute Couture wörtlich übersetzt heißt, wurden immer lauter. Kurze Zeit später ein erneuter Schock: Auch Oscar de la Renta, bis dato der einzige Amerikaner in der Riege europäischer Designer, nahm seinen Hut. Viele Modehäuser sprachen offen von Rückzug.

Kein Wunder, denn wirtschaftliche Bedeutung hatte diese Sparte schon lange nicht mehr: Für viele Modehäuser war sie ein Zuschussgeschäft; sie hielten nur aus Imagegründen daran fest und weil ihnen die Haute Couture bei der Vermarktung ihrer Konfektionsmode und Kosmetikartikel zu gute kam. Im Jahr 2000 wurden im Haute-Couture-Geschäft nur gut 45 Millionen Euro umgesetzt - gegenüber 760 Millionen Euro bei Prêt-à-Porter und Accessoires.

Die Krise zwang die Pariser Schneiderinnung, die Chambre Syndicale de la Couture Parisienne, zum Umdenken. Die harten Bestimmungen, die Voraussetzung für die Präsentation von Haute Couture waren, wurden gelockert. So muss ein Couturehaus heute pro Saison eine Kollektion von mindestens 35 maßgeschneiderten Modellen statt 50 präsentieren und mindestens 15 Mitarbeiter statt 20 in den Ateliers beschäftigen. Außerdem hat die Innung damit begonnen, auch Designer einzuladen, die mit der verpönten Prêt-à-Porter begonnen hatten. Illustre Namen wie Versace, Thierry Mugler und Jean-Paul Gaultier geben seitdem ihr Stelldichein.

Bei Dior beweist John Galliano, dass Offenheit für Experimente dem Image des Hauses nicht abträglich ist. Im Gegenteil, der Kreis der Kundinnen wird wieder größer. Und das, obwohl ein Haute Couture-Kleid schon einmal 35.000 Euro Euro kosten kann. Schließlich ist es ein Kleidungsstück, das es nur einmal gibt. Es wird nach Maß für die Kundin gefertigt, die es bestellt. Viele Stars und beruflich erfolgreiche Frauen gönnen sich diesen Luxus. Schließlich verleihen noch heute Namen wie Mata Hari, Sarah Bernhardt, Greta Garbo, Marlene Dietrich, Jacqueline Kennedy Onassis oder Audrey Hepburn, die sich stets bei den edlen Couturiers einkleideten, den Kleidern einen zusätzlichen Hauch von Glamour. Und spätestens bei der Oscar-Verleihung darf wieder gerätselt werden, welcher Star welches Designer-Kleid trägt.


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